Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4876568-5968769-5968870--0118-4876654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 t, Jahrgang I Isaak Hepner Vxt 1 Wir alle haben einen unendlichen Verlust erlitten, den vyir in der Tiefe unserer Seele empfinden. Isaak Hepner ist nicht mehr! Kaum von einer Sitzung zurückgekehrt, in der er mit klugem Rat und gütigem Herzen für die Linderung der Nol unter der Studentenschaft gewirkt hatte, ist er jäh einem Herzschlage erlegen. Seine schwer betroffene Familie, seine innig trauernden Freunde, die ganze jüdische Gemeinde Leipzig, stehen in Ergriffenheit an seiner Bahre und wissen noch nicht das Unglück ZU fassen, das üher sie gekommeil ist. Isaak Hepner war ein wirklicher Jude, mit jeder Faser seines Herzens! Nicht das soll als das Große in seinem Wesen betrachtet weiden, daß er in der jüdischen Arbeit in erster Reihe stand und kämpfte. Die Art. wie er arbeitete, kennzeichnete ihn. Er besaß ein unendlich gütiges Her/., das jedes Mei sehen Not und Sor^e mitzufühlen lähig war. und es «ab keil en, der in seinem Leide zu ihm kam. und für den er sieh nicht einsetzte. Er liebte aber salbungsvolles Reden und bloße Versicherungen seines .Mitempfindens nicht, sondern er brachte wirkliche Opfer an Zeit und Mitteln, und an Kraft Seine wie oft sie Freunde wisser nur :radezu in Sorge geschwe '■ ■en, weil er sieh nicht schonen wollte, und weil er in seiner Opferwilligkeit oft über seine Kräfte hinausging. Welche Fülle an Zeit und ernster innerlicher Anteilnahme Isaak Hepner nehen seiner ausgedehnten und angestrengten Tätigkeit als angesehener und tüchtiger Kaufmann an die Aufgaben des Judentums gewendet hat, welche unendlich großen Summen von ihm persönlich für Wohlfahrtszwecke gespendet wurden, welche Mittel durch seine Uberzeugende Rede von anderen für jüdische Zwecke gewonnen worden sind, kann unmöglich jjeschildert weiden. Sein Wirken war allenthalben in Ehren und es «iht gewiß keinen in der gai /en Gemeinde, der — sobald er sich in jüdischen Dingen betätigte - nicht in irgend einer Beziehung zu dem uneigei nützigen und aufopfernden Wesen dieses gütigen Mannes gestanden hatte, und der nicht die größte Achtung vor Isaak Hepner gehabt hatte. Im Dienste •der Nächstenliebe und des Judentums rieb er sich ja auf. Lr w;ir ein autrechter Jude! Seiner Sondereinstellur« nach zählte er sich zu den Zionisten. Und er diente seiner Partei und ihren Zielen, sbesondere dem Aufbau des heiligen Landes mit aller Kraft und irnerster Überzeugungstreue. Aber er war kein fanatischer Parteimann. Fr war und blieb in erster Reihe Jude, und durch her/liehe Freundschaft war er Männern verbunden, die In allen Lagern saßen. Er haßte jede Politisierung des jüdischen Lebens, und für ihn war dei Begriff der jüdischen Allgemeinheit, die alles umfaßte, in der alle, für das Ganze und der Einzelne für alle wirkte, ein Heiligtum. Daß Isaak Hepner auch äußere Anerkennung errang, daß seine Glaubensgenossen ihm die höchste Ehre erwiesen, die der Jude dem Juden zu erweisen vermag, und ihn in das Gemeindeparlament entsandten, ist selbstverständlich. Daß aber nicht nur der Jude, sondern auch der Mensch Hepner SO unendlich viele treu ergebene Freunde erwarb, war die selbstverständliche Auswirkung seines aufrechten Charakters. Fr war von tiefer Ehrlichkeit erfüllt. Er liebte die Wahrheit und gab ihr schonungslos Ausdruck. Mochte er auch einmal damit anstoßen, ihn kümmerte es nicht, denn er kämpfte nie für seine Person, sondern stets für eine Sache, die ihm heilig war. Er h ißte die Lüge und jede geschmeidige Politik, die auf dem schwankenden Boden der Charakterlosigkeit sich aufbaut. Rein und lauter war sein Streben, und was er auch immer sagte und tat, es floß aus einer fast fanatischen Wahrheitsliebe, und es zielte auf das Wohl der jüdischen Gesamtheit. Vielleicht hatte auch er Gegner wer hätte sie nicht? Aber vor seinem vornehmen Charakter machte jeder Vorwurf Mali. Feinde hatte er gewiß nichtI Noch selten hat beim Dahinscheiden eines unserer Brüder eine so tiefe und ehrliche Trauer in der Gemeinde geherrscht, noch selten ist in unserem Kreise einem Manne so viel Ehrendes und Anerkennendes nachgesagt worden. Isaak Hepner hat Ehrung und Anerkennung verdient. Er verdient mehr. Fr verdient, daß wir ihm nacheifern in seiner Güte, in seiner jüdischen Gesinnung, in seiner Wahrhaftigkeit Im Herzen der Seinen aber und in der wehmütigen Erinnerung seiner Freunde wird der früh Vollendete in all dem Kostbaren seiner Liebe und Treue bleiben und leben. Entrissen und doch nahe in der Fülle der Liebe, die für ewig flutet, die Zukunft erbaut. Von ihm di rfen wir das leider sonst so abgegriffene Wort mit vollster Betonung aussprechen: rD-O"1 p'is "CT ..Das Andenken an den Gerechten ist zum Seyen." ,, „ _ ,, Felix (loldmann. tirttoian^sinu^ KttMMIU RulMCM Moderne Scheitel Friseur Schneider urteru. Leibnizflr. '^4V!'£- llluftrierte Brofchün gratis. -MWM^ e r m a n n ß) o r r m a n fD - - Ufiren-^pegiaf-^escfiäff - - f'eters-str. 2 [SfeHmer ""Durchgang] / gegr. 1888/9tuf 27734 --------^ empfiefitf Ii' c\lh In %old. G)if6er Sigtr.e 'IDertataK für sotide Reparatur S p rGCK 3 p p 3rÖtß Luxiu-AusfQhrung. SCuS!Ip! ti\l öM iiier Marken. Spcz.: SynotjoyeiujesHiige Lauten, Mandolinen, Gitarren. Grimmaische Straße 8 (über Bodega) Vorführung unverbindlich jederzeit.