Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GE1IEINDEBLATT BEB ISRAELITISCHEN REU('■ IONS(! K MK1NDE. LBIPZIG l. Jahrgang AMT 1,1 ( IIM I«BKMÜNTMACHUNttEN d«r IsraeliliNCheii EtvllKfonsgeniftiiide zu Leipzig Gemeindesitzung am Montag, den 2. November 1925, 6 Uhr abends im Sitzungssaal des israelitischen Gemeindeamts, Löhrstr. 101. Das israelitische Gemeindeamt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung Uber die Verhandlungen des Ausschusses, der die Frage ies Ankaufs des Schulgebäudes, Gustav Adollstraße 7, prüfen mußte. 2. Einsetzung eines ständigen Ausschusses für das Gemeinde* blatt. 3. Wahl des Wahlausschusses. 4. Änderung der Wahlordnung. 5. Verschiedenes. Kriegerdenkmal auf unserem Friedhof Der Ehrenfriedhoi unserer Gemeinde wird zur Zeit fertiggestellt, hr soll durch eine Tafel mit den Namen aller derer, die aus unserer Gemeinde als Opfer des Krieges den Tod gefunden haben, abgeschlossen werden. Um eine lückenlose Anführung der Namen zu erzielen, bitten wir die Angehörigen solcher Kriegsopfer, deren Namen auf den Gedenktafeln in der Gemeindesynagoge noch nicht verzeichnet sind, um möglichst umgehende Benachrichtigung des Gemeindeamts. Der Vorst,« ml Personalien eines im Kriege gefallenen Gemeindemitgliedes Auf der Tafel in unserer Gemeindesynagoge ist unter den im Kriege gefallenen Gemeindemitgliedern O;/ s t u v B i n g genannt Wir benötigen nähere Angaben über diesen. Wir bitten die uns unbekannten Angehörigen des Genannten, sich umgehend bei uns zu melden, da dringende Erledigung geboten ist. Leipzig, den 12. Oktober 1925. Der Vontand Judentum als moderner Faktor der Weltkultur Von Dr. Felix Goldmann-Leipzig Daß es eine Weltkultur gibt, ist unbestreitbar. Ob sie in ihrer verbindenden Kraft bisher große Erfolge aufzuweisen hatte, ist gewiß fraglich. Als Idee besteht sie aber, und sie aus den übereinstimmenden Grundanschauungen der Kulturnationen Uber die sittlichen Forderungen der Staatsverwaltung und des Völkerrechts darzustellen, ist nicht schwer. .Macht man nun diesen Versuch, so ergib! sich die Tatsache, die an sich nicht befremdet, daß der größte Teil der allgemeinen Kulturideen mit den Anschauungen des Judentums übereinstimmt. Ist ja doch die Heilige Schrift auch die Grundlage des Christentums geworden, zu dem sich in dieser Gestalt fast alle Kulturvölker bekennen. Selbstverständlich ist das Christentum aber in vielen sittlichen Fragen auch zu anderen Resultaten und Korderungen gekommen als das Judentum. Überraschend und eigentümlich ist nun. daß oftmals die moderne Kulturentwicklung Wege geht, die den Standpunkt des Christentums verlassen und zu den ursprünglichen jüdischen Grundsätzen zurückkehren. Ein direkter oder auch nur indirekter Einfluß des Judentums ist gänzlich ausgeschlossen, denn seit Jahrhunderten kämpft das Judentum, daß es sein Eigentum den Einflüssen der Welt gegenüber behaupte. Der Wandel erklärt sich lediglich aus dem direkten Zwange der Entwicklung. Um so helleres Licht wirft er darum freilich auf die Richtigkeil dessen, was einstmals der Geist des alten Judentums als Richtlinien für eine allgemeine Weltkultur sdiuf. Religion trägt ihren Sinn nicht in sich. Glaube und Gottesverehrung sind nicht ihr Inhalt, sondern ihr Beginn. Sie will alles Leben mit ihrem sittlichen Geiste durchdringen, und darum ist der Zustand des .Mittelalters, daß die Religion Träger aller Kulturbestrebungen war, an sich natürlich. Die Baukunst errichtete ihre stolzen Denkmäler zum Preise Gottes, Malerei und der Bildhauer Werk stellten religiöse Gedanken und religiöse Geschichte dar. Dichtung und Musik erklangen zur Verherrlichung des Ewigen, und was unsere Zeit profane Wissensehail nennt, lebte nur durch die hingebungsvolle Arbeit der Mönche in den Klöstern. Wenn aber in der Zeit zwischen der Reformation und der französischen Revolution die christliche Religion aus ihrer Mittelpunktstellung ganz verdrängt wurde, so lag das an ihrem Verhältnis zur Kultur. Statt lediglich dem Kulturwillen die sittliche Richtung zu geben, suchte sie Selbstzweck zu weiden. Herrin über die Kultur zu sein. Und diese reagierte gegen die zunehmende Einengung durch völlige Emanzipation, die ihr sittliches Werden und Wollen von dem Linfluß der Kirche löste. Wie nun hierbei die Entwicklung sich den von den Juden vertretenen Anschauungen nähert, soll an den wichtigsten Begriffen kurz ebenso erläutert werden, wie der Ursprung der allgemeinen Kulturideen überhaupt. Im Mittelpunkt jüdischer Anschauung steht der Einheitsgedanke. Um ihn herum gruppiert sich alles wirkende Leben. Rein religiös stellt er sich als der Glaube an den einen Gott dar, dem auf lü den die e i n e Menschheil entspricht Line Auswirkung dieses Grundzuges ist es, wenn die gesamte Geschichte des alten Israel von der Sehnsucht nach der Einheit zwischen den Stämmen, /.wischen Juda und Israel beherrscht wird und wann der messianische Gedanke als politschcs Ergebnis — ohne ihre sonstige Eigenart dabei zu verwischen — die Völker in der Anerkennung des Gottes Israels und im allgemeinen Frieden eint. Das christliche Mittelalter ist der Entwicklung dieser Idee nicht sonderlich günstig gewesen. Die eigentümliche Gestaltung der historischen Dogmen im Christentum begünstigte die Spaltung in große Gruppen, in kleine Sekten, und der Anspruch auf die alleinseligmachende Kraft, den einige Teile erhoben, hinderte eine Wiederannäherung und damit eine Welteinheit. Erst die neuere Zeil knüpft an altes Gut an und schafft den Begriff eines praktisch verwertbaren internationalen Rechts. Das Völkerrecht, das noch immer die Eierschalen seiner Entstehung aus den Staaterechtlichen Verhältnissen des Altertums, der Zeit, die den Ausländer zu einem Barbaren inachte und mann snll man heiraten? Nach dem ersten Schlaganfall, oder in der Blüte des!_• bens? Wann soll man an Fußpflege denken? Wenn der Fuß noch nicht verdorben ist! Deshalb rhaltet Eure Füße in Nordheimei-Schuhen gesund I