Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 4 (9.10.1925)
- Date
- 1925-10-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4876568-5968769-5968867--0075-4876614- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 1. Jahrgang Bericht über die Gemeindesitzung vom 30. September 1925 von Verwaltungsdirektor Katzenstein. Gemeindevorsteher Goldschmidt spricht der Versammlung die herzlichsten Glückwünsche /um Jahreswechsel aus und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der gegenwärtigen schwierigen Zeit bald eine glücklichere folgen möge. Ein Einspruch gegen einen Absatz in der Niederschrift Uber die vorige Sitzung wird als unbegründet abgewiesen. Goldschmidt berichtet, daß sich für die Stelle des Fürsorgeheamkn eine Anzahl Bewerber gemeldet hat, daß aber während der Reisezeit noch keine Sitzung des für die Wahl des Beamten eingesetzten Ausschusses stattfinden konnte. Da die Fürsorgeabteilung sehr gut arbeite, so sei es mit Rücksicht auf die schwierige finanzielle Lage der Gemeinde vielleicht angezeigt, die Besetzung der Stelle hinauszuschieben, wenn die Gemeindesitzung überhaupt auf ihrem früheren Beschluß bestelle, in jedem halle bedürfe aber der Ausschuß der Hrweiterung, damit er arbeitsfähig wird. Da von einer ganzen Anzahl von Rednern die alsbaldige Anstellung des neuen Fürsorgebeamten als dringlich bezeichnet wird, wird der dafür eingesetzte Ausschuß durch Zuwalil von Frau Felsenstein und den Herren Gutmann, Hepner und Kaufmann erweitert. — Bei dieser Gelegenheit wird von einigen Rednern Kritik an der jetzigen Art der Fürsorgetätigkeit geübt, während andere damit sehr zufrieden sind. -S Zinn Bau des neuen Friedhofes teilt der Vorsitzende mit, daß der Rat der Stadt Leipzig ein Darlehen von 100001) Mark zu günstigen Bedingungen zugesagt hat. Iis liegen Kostenanschläge vor. wonach für die ersten Arbeiten etwa 120000 .Mark gebraucht werden. Vorgesehen ist. daß die Räume für die Verwaltung und die Chebra Kadischa massiv gebaut werden; dagegen wird für die Trauerfeierlichkeiten an einen vorläufigen Holzbau gedacht, der etwa 30 - 40000 Mark kosten wird, während die geplante Kuppelhalle mindestens 175000 Mark erfordert. Markendorl findet es nicht richtig, daß diese Frage nicht dem gesamten FriedhofsausschuB vorgelegt worden ist. Schick regt an. daß die Architekten Moßdorf und Ilaller Vorträge über ihre Pläne halten, da die Gemeindesitzung bisher nur sehr unzulänglich unterrichtet sei. Der Vorsitzende stellt fest, daß die Pläne im Ausschuß sehr gründlich geprüft worden sind. Bei dem Mangel an Geld sei man auf den vorläufigen Holzbau gekommen, der vielleicht leihweise beschafft werden kann, sodaß er sich nicht teuer stellen werde, zumal man ja die Zinsen des Kapitals spare, das lür die Haupthalle aufgewendet werden muß. Schick glaubt, daß man Gelder durch Anleihe oder durch Vorverkauf von Begräbnisplätzen aufbringen könne. Ein weihevoller Raum müsse für die Trauerfeiern geschaffen werden. Es müßten alle Mittel und Wege versucht werden, um dies zu ermöglichen. Der Antrag des Herrn Schick, Vorträge durch die Architekten halten zu lassen, wird angenommen mit dem Zusatzantrag des Herrn L'ry. daß die Vorträge vor einem größeren Publikum stattfinden und die Modelle gezeigt werden. Zu den Vorträgen soll durch das Gemeindeblatt eingeladen werden. Z u Be mg von, Schächlerwohnunjien teilt der Vorsitzende mit. daß unter Überschreitung der bewilligten Summe bis jetzt zwei Wohnungen erworben worden sind. Zum Frwerb der zweiten Wohnung mußte sich der Gemeindevorstand entschließen, ohne vorher die Gemeindesitzung fragen zu können, weil File geboten war. Die Nachbewilligung des Mehrbetrages wird einstimmig ausgesprochen. Die Aufsieht über das im Ranstädter Stein weg neu eröffnete Zweiggeschäft der Fleischerei Löh ist, wie von Goldrei vorgetragen wird, unter der Bedingung übernommen worden, daß Löh für die Besoldung des Aufsehers voll aufkommt. Diese Verpflichtung hat Löh zwar für den ersten Monat eingehalten, dann aber unter Hinweis auf die Steigerung der von ihm entrichteten Schächtabgabe erklärt, nur noch 200 Mark monatlich zahlen zu wollen, während die der Gemeinde erwachsenden Kosten wesentlich höher sind Vorläufig ist ein Aufseher nur aushilfsweise angestellt worden, Genehmigung z.ur endgültigen Anstellung wird erbeten. Über diesen Gegenstand entspinnt sich eine sehr eingehende Aussprache, an der sich die Herren Hepner, llodes, Czaczkes, Dr. Halberstam, Kestenbaum, Gelberg und Schick beteiligen. Alle Redner stimmen darin überein, daß die Kosten des Kaschrus im allgemeinen, ganz besonders aber die der neuen Aufsicht, unbedingt von den Beteiligten voll aufgebracht werden müssen. Fin Redner erklärt, daß hierzu auch die Ruhegehälter des Kaschruspersonals gehören. In der Versammlung herrscht große Erregung darüber, daß immer wieder Debatten über die Deckung der Kaschrusunkosten notwendig sind, die in Wirklichkeit nur eine Preiserhöhung des Fleisches um 6 Piennig für das Pfund bedingten, während die Fleischer ungleich höhere Preise forderten, als für nicht koscheres Fleisch gefordert würde. Die von der Gemeinde angestellten Aufseher würden von den Fleischern unglaublich in Anspruch genommen. Unter allgemeiner Zustimmung erklärte er. es sei Pflicht des Gemeindevorstandes, seine bisherige Zurückhaltung gegenüber den immer wiederkehrenden Klagen über zu hohe Fleischpreise aufzugehen und etwaige neue Beschwerden an die Preisprüfungsstelle weiterzuleiten: hiervon solle den Fleischern Kenntnis gegeben werden. Von Löh wird gefordert, daß er die vollen Kosten des Aufsehers für das Zweiggeschäft deckt, und dem Gemeindevorstand anheimgegeben, die geeigneten Maßnahmen zur Durchführung dieses Beschlusses zu treffen. Zum Unterrichts- und Frzichunj;saiisschiill werden die Herren Graf, Dr. Kuhn und Dr. Woskiu als Vertreter der Lehrerschaft zugewählt, dagegen wild eine Zuwalil von Vertretern des Talmud-Thora-Vereins abgelehnt, weil dieser keinen Unterrieht mehr erleilt. Tumpowsky fordert öftere Einberufung der Ausschüsse und ein Memorandum über die Tätigkeit und die Aufgaben des Unterrichtsausschusses. Hodes sagt die Vorlage einer Geschäftsordnung zu. Fine SlcuerordnuiiK für das Geschäftsjahr 1025 wird nach einem vorliegendem Entwurf, der sieh im wesentlichen an die vorige Steuerordnung anschließt, nach Erläuterungen durch den Syndikus einstimmig angenommen. Für die Festsetzung des Steuersatzes dienen die Vorauszahlungen auf die Rcichscinkommeiislcuer lür das erste Kalendervierteljahr 1025 als Grundlage. Diese betragen nach ordheimer sagt: Kopf kühl, Füße warm! Ein ausgezechnetes Mittel zum Warmhalten der Füße sind meine prachtvollen Kamelhaar-Hausschuhe, von denen der Dichter sagt: „Solch ein Hausschuh wollig weich, macht die Stimmung mollig gleich".