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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1925-10-02 · 3 (2.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
1 (1925)
Issue
3 (2.10.1925)
Date
1925-10-02
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG finden, auch dann, wenn das äußere Erleben vielfach bedrückt. Und wie diese, so werden noch mannigfaltige Deutungen des Symbols gegeben. Dem Charakter des Eestes entspricht aber am ehesten die, die auf das Laub des Daches weist: durch dieses hindurch soll der Aulblick nach oben immer neue Stärkung erfahren, das Gottvertrauen immer neu belebt werden. — Nicht anders steht es um das zweite Symbol des Eestes: den Feststrauß. Es ist ein nur natürlicher Vorgang, daß man in der Erntefreude zu Früchten und Pflanzenzweigen «reift, um sich oder die Stätten zu schmücken, an denen die Feier veranstaltet wird. Dann erst wurden die vier bestimmten Pflanzenarten zum religiösen Symbol, zum Sinnbild der Dankbarkeit für den göttlichen Spender des Erntesegens und der Bittgebete um Oew&hrung des gleichen Seyens auch für die neu beginnende Feldarbeit. Und auch diesem Symbole hat das fromme Sinnen mancherlei Deutung entlockt. Der herzförmige Eßrog dient der Versöhnung der sündhaften Gedanken des menschlichen Herzens; der Lulaw, dem Rückgrat des menschlichen Körpers verglichen, der Versöhnung der sündlichen Bewegungen des Körpers; das dem Auge ähnelnde Blatt der Myrthe der Versöhnung mit dem Auge begangener Sünden; und die an die Lippen erinnernden Blätter der Bachweide zur Versöhnung sündhafter Reden. Oder man sah in den vier zu einer Einheit gebundenen Pflanzenarten die verschiedenen Menschengruppen im jüdischen Volke: im Eßrog das Sinnbild für die vollkommen Tugendhaften, im Lulaw das Bild der Wohltätigen, in der Myrthe das der Schriftkundigen, und in der geringwertigen Bachweide das Bild der Lasterhaften. Oder: wie im Feststrauße der Lulaw Uber die Bachweide hinausragt, so auch ragen die Frommen über die Gottlosen hervor. Oder: wie im Feststrauße verschiedenartige Pflanzen zu einem Ganzen vereinigt sind, so bilden auch alle Menschen nur eine Gemeinschaft: sie hängen voneinander ab, unterstützen einander, und aller Pflicht ist es, den Weltenschöpfer zu loben und Seinen Ruhm zu verkünden. Auch die Anzahl der zum Feststrauß verbundenen Pflanzen fand ihre Deutung. Der eine Lulaw und der eine Eßrog sind ein Hinweis darauf, daß Gott einzig und Sein Name einzig ist. Die zwei Bachweidenzweige weisen auf die beiden Slammütter Rahe! und Lea hin. Und die drei Myrthenzweigc auf die drei Stammväter Abraham, Isaak und Jakob. So hat frommes Empfinden immer wieder versucht, die alten Symbole /um Quell religiös-sittlicher Gedanken werden zu lassen. Sie haben ihre unauslöschliche Bedeutung gerade diesem Umstände zu danken, daß der schöpferische Drang religiöser Gefühle sich immer wieder an ihnen erprohen konnte. Rabbiner Gustav Cohn Nehmet Einsicht in die Wählerliste im israelitischen Gemeindeamt, Löhrstrasse 10!- Geschäftsstunden werktäglich 8 4 Uhr Die Dönme. Die Sekie der Dönme d. h. wörtlich „der Abtrünnigen" oder vielleicht besser „der Heimgekehrten" ist hervorgegangen aus den Anhängern Sabbatai Zewis, d. Ii. aus den ca. 200 jüdischen Familien (oder 2000 Menschen) aus Saloniki, Konstantinipol und Adrianopel, die sich vom Judentum trennten, indessen den Kultus heimlich bewahrten, den ihr Meister aufgestellt halte. Die Dönme oder Maaminim, «die sireng Gläubigen", wie sie sich auch nennen, bekennen sich rein äußerlich zum Islam und pflegen heimlich den jüdischen Ritus, öffentlich tragen sie einen musclmäniiischcn Namen („für die Leute") und heimlich einen jüdischen („für das Paradies"). Uber Sabbatai Zewi selbst und seine Nachfolger, sowie über die Dönme ist unendlich viel geschrieben worden. Doch so recht eingedrungen ist man nie in diese interessante Sekte, die sieh mit einem Schleier des Geheimnisvollen umgeben hatte. Galt doch als zwölfter Punkt ihrer Gebote der Satz, daß es vor Gott kein Verbrechen sei, den Gläubigen, der die Lehre verräterischerweise unter die Leute bringt, zu töten. Das wurde anders, als einzelne die fanatische Sektierergemeinde verließen und die Dönme die Klubs des jungtürkischen Komitees im Jahre 1908 beherbergte. Die balkanischen Kriege und zuletzt der Weltkrieg haben dann die politischen, vor allein die soziale Lage der Sektierer von Grund aus verändert. Das Zentrum der noch ca. 10000 Seelen zählenden Sektierer, Saloniki, ist heute im Besitz, der nationalistischen Griechen, welche den Juden und auch den Dönme nicht günstig gegenüberstehen. Darum der Drang dieser wie aller Muslim und Kolonisten aus Europa nach Kleinasien. Einen Widerhall bietet die osmanische Presse in. vorigen Jahre. Begonnen hat die Sache mit einem Telegramm, das die Zeitung „Aksäiam" in Konstantinopel im Januar 1924 brachte. Das Telegramm kam, von einem Dönme Hadschi Mehmed im Namen von Auswanderern, die in Rodosto stecken geblieben waren. In diesem Telegramm verwirft er alle Erfindungen über die Dönme und erklärt sie FUr echte Türken und Mohammedaner im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der anderen Seite überreichte Mehmed Karakasch-Zade Rüdschi, ein Dönme, der vor ca. 15 Jahren von seiner Gemeinde exkommuniziert worden war, und der daher anders eingestellt ist, der Großen Nationalen Versammlung in Angora ein Memorandum, in dem er zu beweisen sucht, daß die Dönme heimliche Juden sind und weder mit Türken noch mit Mohammedanern etwas gemein haben. „Ihre Herkunft ist jüdisch, und im Gemüte sind sie den Mohammedanern absolut fremd." Die Zeitung „Tanin" betrachtet die Frage vom politischen Standpunkte aus: wenn es wirklich der Wunsch der Dönme sei, Saloniki zu \ erlassen, so lohne es sich, sie anzunehmen und zu ihrer Türkisierung beizutragen. Dieselben Ideen äußerte auch der Exmiuistcr des Innern, Ferid-Bey. Die Zeitungen „Watan" und „Wakyt" be- G> mpfent« mein reiAfiattigct fasern Juwele«, Ulireil, fxold- A (£)n Silberwaren, feine Kristalle für Paten-, Ge a biutstags-, Barmizwph-, Verlo'uugs niul Hochzeitsgof.chenke MfMIlfllltyMIlftil u UwQ'tcttimfCTI oon S>dimud;je9»n!landen, (ou?ic St.'rara- " £ lurn olfer >irt ircrd.-n prompl, iauber und b.fficjil autij«'uhrf.? c1 _ *> I S. Erlbaum, «Juwelier Reichsstr. 18-20. Telefon 16375.

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