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Der Sabbath · 1912-07-01 · 7, 8 u. 9 (Juli-August-Septbr. 1912) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
12 (1912)
Issue
7, 8 u. 9 (Juli-August-Septbr. 1912)
Date
1912-07-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Der Sabbath. 63 Lehre־ beizubringen, dass sie die jüdischen Feiertage, ins Calcül zn ziehen nnd den diesbezüglichen Wünschen zn entsprechen haben. ' Wien, 15. Jnni. Der Eröffnung der fiezalelanssteilcng in Krakan sind, wie der ״Oest. Wochenschrift‘‘ von dort berichtet wird, recht merkwürdige Auseinandersetzungen vorangegangen. Dies! gebt besonders aus einer Interpellation hervor, welche der Krakauer; Kultusrat, Herr Isaac N'auminger, in der letzten Kultusratssitzung ' an den Präsidenten Dr. Tilles gerichtet hat. Hiernach soll das ן Komitee der Bezalelausstellung auf Antrag der zionistischen Mit• glieder desselben und besonders infolge eines Gutachtens des.Rab- ' biners Dr. Thon beschlossen haben, die Bezalelausstellung auch am : Sabbath offen zu halten. Da die Ausstellung ja den Zweck hat, die : Besucher zum Kaufe palästinensischer Knnstprodukte zu animieren, j wird die Frage gestellt, ob der Kultusprä&ident, der auch Obmann des | Ausstellungskomitees ist, geneigt ist, «gen ein solches Vorhaben ein- | znsebreiten und den GemeindcrabbineyDr. Tbon zu verhalten, dass er l in religiösen Fragen eine etwas rigorosere Haltung einnehme. Der Präsident Dr. Tilles erwiderte nun, dass die Frage, ob die Bezalelausstellnng in Krakau am Sabbath geöffnet bleibe oder nicht, noch nicht entschieden sei. Im Komitee habe ein Teil der Damen wie] anch er, der Kultuspräeideut, nnd der Vicepräsident Dr. Jt a f a e Landau sich entschieden dagegen ausgesprochen, die Ausstellung am Sabbath offen zu halten. Hingegen hätten sich die zionistischen Mitglieder des Komitees dafür ausgesprochen, und Babbiner Dr• Thon habe erklärt, dass, falls am Sabbath keine Eintrittskarten verkauft und auch sonst keine Ausstellungsgegenstände veräussert würden, gegen die Offenhaltung der Ausstellung nichts eiuznwcndfn sei Der Kultuspräsident erklärt schliesslich, dass er bei seinem Standpunkte verharre, und für den Fall, dass die Offenhaltung am Sabbath beschlossen würde, er und der Vicepräsident Dr. Landau, sowie sämtliche nicbtzionistische Mitglieder des Komitees daraus die Kon- Sequenzen ziehen und aus dem Komitee austreten würden, weil sie der Anschauung sind, dass die jüdische Bevölkerung gegen eine solche Verletzung des Sabbath mit aller Energie protestieren würde. Der Interpellant nimmt die Antwort des Präsidenten zur Kenntnis und konstatiert, dass der KuKuspräsident von Krakau einen strengeren jüdischen Standpunkt einnebme, als. der zionistische Rabbiner Dr. Thon. Diese Scene im Kultnsrat hatte nun eine stürmische Sitzung j des Ausstellungskomitees zur Folge, in welchem schliesslich die Zionisten unterlagen nnd der Beschluss gefasst wnrde, die für die Dauer von 12 Tagen in Aussicht genommene Bezalelausstellung am Sabbath zu schliessen, und mit Rücksicht auf die bestehenden Differrenzen die Ausstellung ohne Reden einfach zu eröffnen. Budapest, im Juli. Die diesjährigen Assentierungen werden mit Rücksicht auf die späte Erledigung des Wehrgesetzes in Oester reich und Ungarn in der Zeit von Mitte August bis Ende September durchgeführt. Da in denselben Zeitabschnitt auch die diesjährigen jüdischen hoben Feiertage fallen, hat der ungarische Landesvcrtei. digungsminister Samuel Hazai, angeordnet, dass am 12., 13. nnd 21. September, das ist an den zwei Rosch-ha-schonab Tagen und am־ Jomkippur, die Assentierungen unterbrochen werden sollen. In jenen Fällen, wo aus Dienstesrücksichten die Assentkommission auch an diesen Tagen in Aktion bleiben muss, dürfen die jüdischen Assentpüicbtigen unter keinen Umständen für diese 3 Tage einberufen werden. Es ist unj nicht bekannt, dass der österreichische Landesverteidigungsminister für Oesterreich dieselbe Verfügung getroffen hätte. [Oest. Wochenschrift). Warschau, 16. Juli. Grosse Empörung hat hier das Vorgehen einiger jüdischen Fabrikbesitzer hervorgerufen. In den grossen Schuhfabriken unserer Stadt, deren Eigentümer Juden sind, werden christliche und jüdische Arbeiter beschäftigt. Bisher feierten nun die christlichen Arbeiter am Sonntag und die jüdischen auf Sonnabend. Einige Fabrikbesitzer faiden schon seit längerer Zeit an diesem Zu- Stande keinen Gefallen und erschwerten in jeder Weise׳ die Arbeite-! Bedingungen derjenigen jüdischen Arbeiter, die die Sabbathruhe bej obachteten. Nunmehr entschlossen sich die Fabrikbesitzer zu einem radikalen Mittel. Sämtliche jüdischen Ai beiter mussten sich schrilt- I lieh verpflichten, auf die Sabbathruhe zu verzichten und mit ihren j christlichen Kollegen am Sonntag zn feiern. Wer die Erklärung nicht unterschrieb, wurde einfach an die Luft gesetzt. Unter diesen Umständen sahen sich zahlreiche jüdische Arbeiter genötigt, dem Machtgebot ihrer Brotherren zu folgen und sehr gegen ihren Willen den Sabbath zu entweihen. Man befürchtet, dass das ,böse Beispiel der jüdischen Schuhfabrikanten;auch in anderen Industrien, z. B. der Kleiderkonfektion, die gleichfalls zum grossen Teile in jüdischen Händen ist, Nachahmung finden wird. Welche Gefahren dieses Benehmen der jüdischen Arbeitgeber für den Sabbath bei der staatlichen Regelung der Sonntagsruhe birgt, kann man sich leicht denken. Londsn, 12. Juli. Am vorigen Freitag empfing der General- Postmeister eine Deputation des־Board of deputies unter Führung des Herrn Arthur Franklin, um über die Anstellung sabbathtreuer jüdischer Beamten im englischen Postdienste zu verhandeln. Der Vorsitzende des Board of dhputies, M. L. Alexander, unterbreitete dem Generalpostmeister den Plan, eine Anzahl jüdischer Beamten im Post-, Telegraphen- und Telephondienste anzustellen, damit diese unter Beobachtung des Sabbatbs ihre christlichen Kollegen vertreten und entlasten. Es bedeutet dies für die Bekenner beider Religionen ein billiges und vorteilhaftes Arrangement. In seiner Erwiderung־setzte der Generalpostmeister zunächst anseinander, dass das Projekt, 80 einfach es auf den ersten Blick erscheint, doch seine Schwierigkeiten darbicte. Es sei bei den meisten Postämtern am Freitag nnd Samstag ein gewaltiger Andrang yon Dienstgeschäften vorhanden, während es am Sonntag oft an Arbeit für die verfügbar gehaltenen Beamten fehle. Man könne dem Antrag also nur an gewissen Dienststellen, wo eine grössere Gleichmässigkeit zwischen Samstagsnnd Sonntagsarbeit bestehe, nähertreten. Verlockend sei jedenfalls für die Post, das# die betreffenden jüdischen Beamten am Sonntag ihre einfachen Löhne bezögen, während im übrigen Zuschläge bezahlt werden müssten. Der Generalpostmeister bemerkte weiter, 'dass 1902 und 1908 ähnliche Versuche gemacht worden seien, dass" sich aber damals qualifizierte jüdische Bewerber und Bewerberinnen nicht in genügender Zahl angemeldet hätten. Er sei bereit eiuen erneuten Versuch zu.machen, und würde sich freuen, wenn dieser zu einem für beide Teile vnrteilhaften Ergebnisse führen wird. Namens der Deputation dankten die Herren Alexander und Leopold de Rothschild dem Postmiuistcr für sein Entgegenkommen. New-York, im Juli. Der Verband der hiesigen jüdischen Bäckermeister hat in seiner jüngsten ausserordentlichen Gencralvcr- Sammlung in Anwesenheit von 100 Mitgliedern den einhelligen Be- Schluss gefasst, von nun ab am Sabbath vollständig zu ruhen. Die Versammlung erliess an die jüdischen Frauen von Newyork ein Zirkular, in welchem die Frauen gebeten werden, sich diesem Beschlösse zu fügen, da die Bäcker unter keinen Umständen am Sabbath arbeiten lassen werden. Der Beschluss der Bäcker ist infolge einer intensiven Agitatün der Tomchei-Schabbos-Vereinigung zustande gekommen. Diese Vereinigung wird nun nach diesem ihrem grossen Erfolge ihre Tätigkeit bei anderen Gewerben fortsetz n und gibt der, Hoffnung Ausdruck, dass es ihr gelingen werde, ii.׳. Newyorker Eastend den Sabbath zu jenen Ehren zu bringt ׳, in welchen er einstens bei den Juden gestanden hat. Erklärung. Mit, Bezug auf die Bemerkung in Nr. 1—2 ds. Js. S. 5, dass der Geschäftsführende Ausschuss über die Leistungen der Rheinländischen Propaganda-Commission ohne Kenntnis geblieben sei, können wir die Erklärung abgeben, dass die Angelegenheit sich so aufgeklärt hat, dass unsere Aufforderung zur Berichterstattung durch ein Versehen nicht an die zuständige Stelle gelangt ist. Berlin 15. August. Der Geschäftsführende Ausschuss. Dr. Ed. Bieberfeld.

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