Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 3 u. 4 (März-April 1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath der Stadt Bfcjken,- Ziegel, Bruch und Pflastersteine, Trümmer aller Art massenhaft herbeischleppen, und kaum hatten die Schweden die Brücker!geräumt, als vor dem Kleinseiter Torturme! tausend geschäftigeTfände schon eine Barrikade errichteten, sie mit Siche׳ben, Glasstückerig verbrochenem Geschirr, Fussangeln und dergleichen scharfen Dttjgen bedeckten und dann, zuruckweichend, itünf bis sechs solcher, jßarrikaden quer , über die Brücke zogen. Als dies binnen etliphen Stunden unmittelbar nach dem Kampfef^>ewirkt worden war, rückten die christlichen wie jüdische Streiter durch den Altstädter Turm zurück, dessen Gitter und Tor sich nun schloss und den grenzenlos Erschöpften eine erste Rast nach blutiger Arbeit innerhalb der schützenden Stadr vergönnte. Zürn ersten Male durfte der greise •Simon seinen Sohn nach der Nacht des ersten Angriffs umarmen. Eine kurze Waffenruhe voh drei Tagen folgte. Die Schweden sahen ein, dass ihnen ihre zahlreichen Streitkräfie nichts gegen die Verteidiger Prags nützten, da die lange schmale Linie de* Brücke keine Ausbreitung der Sturmcollonnen zuliess und der Karhpf stets auf einen engen Raum Mann gegen Mann beschränkt blieb, derselbe überdies durch die zahlreichen Hindernisse, welche das! Terrain wallartig jetzt durchschnitten, völlig unmöglich geworden war. Sie beschlossen'deshalb die errstliche Beschiessung. Dieselbe musste mit Vorsicht geschehen, denn;durch sie die Brücke ungangbar machen hiess sich selbst die eibzige Operationsbasis abschneiden Königsmark^ obwohl noch Rel-cptwalescent, liess sich auf einem Trasrstu.hl paqh dem K^eimeitertirm bringen, um das'Bombardement in Person zu leiten. Er ordnete an, vor diesem Turm eine Reihe scharfer Geschütze aufzufahrerj Barrikade um Barrikadle sollte eingeschossen, abgeräumt und in den Strom geworfen, dannj je nach den gemachten Fortschritten di£ Geschütze auf der Brückp vorgeschoben werden, um, wenn alle: Hindernisse besiegt seien, 1 und die Brücke völlig’ in schwedischem Besitz wäre, von ihr aus pen Alt- Städter TüTm zu bombardiren. Dass die Schweden aber jefzt keine andere Auskunft als diese habeb konnten, leuchtete Marens Spira. Collorado und den Kaiserlichen( Offizieren ein. und sie bereiteten sich vor, derselben zu begegnen Da sie, anders wie die Schweden an der Erha||ung der Brücke kiin Interesse hatten, im Gegenteil es ihnen wü^phenswert werden musste, dem Feinde diese seine einzige Operationslinie abzuschneiden, so trafen sie hierzu ihre Anstalten. Die Ufer, besonders das Kastell der Kreuzherren wurde so dicht als möglich mit Geschützen besetzt, welche alle ihre Wirksamkeit auf die Zerstörung dfer Brücke selbst richtete(!. Der Artilleriekampf, begann. Unter?ahlreichen Opfern an Bedijenungsmannschaften gelang es den Schweden erst nach drei vollen Wochen die letzte Barrikade zu zerstöret!• um den Altstädter Turrrj durch directes Bombardement angreifbp zu können. Leider wir zum Unglück der Verteidiger Pragsjdie Steinbrücke so gewaltig fest, dass'es ihnen nur gelang, die-Blallustraden und äusseren, zur V'erkleidtmg Steinschichten niederzitwerfen. Sie waren aberl unvermögend, durch Einschiessen etlicher Borgen derselben den Schweden die völlige Verbindung m t sich!abzuschneiden. Damit dies ihnen nicht doch gelänge, der Kampf aber rascher entschieden werde, entschloss sich Graf Königsmark, nachdem die letzte Barrikade gefallen war, seinen Plan zu ändern, bevor er den Altstädter Turm bcschiesse, ihn durclVSturman^riff seiner Infanterie zu nehmen, welchen Ingenieure dureft Granaten, Petarden usd Brandraketen ־ unterstützen sollten. Zugleich hatte er schon im Laufe des August an den schwedischen General WJttenberg. welcher im unteren Teile־ Schlesiens stand. Boten um Zutug entsendet, damit derselbe die Ostseite Prags berenne, die bishjer an der Brücke vereinigten Verteidiger der Stadt dadurch also!gezwungen wurden,, sich zu zersplittern. Es war um sc* dringender, ein Ende zu macherf und Prag zu erobern, als bereits am 6 Aqgust die Friedenspräliminarien zu Münster geschlossen worden waten, im September der definitive Abschluss des Friedens zu Osnabrück bevorstand und die tapfere Verteidigung Prags allgemeines! Aufsehen erlangt, des Kaisers Situation bei den diplomatischen Verhandlungen aber wesentlich verbessert und die der Schweden verschlechtert hatte. Graf Königsmarks Ehre und Existenz stand hier auf dem Spiele, und sie, wie er wohl wussti, gar gegen die Prager juden verlieren zu sollen, entflammte ihn zu dem Entschlüsse, mit Anspannung der äussersten Kräfte einen Sturmangriff zu wagen und, sei es aich über Tausende seiner Krieger, sich den Weg in die Alt- und Neustadt zu bahnen. Bevor er zu diesem Angriff ging, hatte er bei seinen Leuten nicht mit verlockenden Versprechungen gespart, m׳t dem Reichtum der Stadt, namentlich des )udenquartiers, ihre Phantasie erhitzt und zugesichert ihnen schrankenlos Alles preisgegeben, wern sie den Altstädter Turm und die Stadt zu nehmen vermöchten. I Als die letzte Barrikade gefallen war und man einem neuen i direkten Angriff entgegen sehen musste; entsank halb Collorado ' und den Kaiserlichen Offizieren jede Hoffnung, die Stadt zu retten. Marcus Spira versicherte sie indess, falls sie ihm nur einmal noch ׳ ihr ganzes Vertrauen in die Hände legten, ihm das Tor des Alt- Städter Turms wie den Brückenplatz dahinter ganz frei Hessen, alle christlichen Mannschaften aber zum Varrücken und Kämpfen in der Kreuzherren, ßrückmühl. Seminar und Liliengasse *1 bereithielten, ihn übrigens doch gewähren Hessen, dann wolle er als gewiegter Viehhändler den Schweden einen Ochsentanz aufspielen, wie sie ihn noch nich^ erlebt hätten. Er verlangte ausser dem Befehle über seine jüdischen Leute auch noch eine Schar kundiger Arbeiter mit Hacken und Brecheisen, etliche Centner Pulver und einen langen Minensack. Die Wünsche wurden ihm gewährt, einmal weil er sich bisher des höchsten Vertrauens wert bewiesen hatte,! andernteils weil mit dem Falle des Altstädter Tores das Schicksal ' Prags so wie so besiegelt, also jedes Mittel zu ergreifen war, ihn abzuwenden. Kolloward al ein k innte Spiras neues Auskunftsmittel und billigte es, aber — wie bei allen Experimenten — bezweifelte er begreiflicherweise schliesslich doch den Erfolg desselben• Gegen Abend des 25. August war die letzte Barrikade gefallen und in der Nacht musste sie abgeräumt werden, wenn die Schweden freien Spielraum zum Angriff haben sollten. In dieser Nacht traf Marcus seine Vorbereitungen, um mit Tagesgrauen fertig zu sein. Eiserne Feuerbecken vom Altstädter Turm beleuchteten die Arbeiten der Belagerer; Marcus konnte an seines Vaters Seite das Fortschreiten derselben sehen und den Augenblick seines Handelns berechnen. Es ist bekannt und in neusterZeiterst mehrfach bewiesen worden, wie der Zufall es oft tückisch fügt, dass beide Gegner im Kampfe denselben Angriffsplan verfolgen und wie gerade dadurch unberechenbare,• ungeachtete Entscheidungen herbeigeführt werden. Der Sieg wird gewöhnlich in solchem Falle dem beschieden, der bei kälterem B’ute mit den wirksameren Mitteln vorgeht, mögen dieselben bestehen, in was sie wollen. Ein bangerer Morgen zog mit seinem ersten Grauen wohl nie über geängstigte Menschen herauf als das Frührot des 26. August über die Bewohner von Prag Königsmark hatte alle Geschütze zurückgezqgcn und die Brücke durch kleine Abteilungen von Schützen besetzt, we'che jeden Haarbüschel aul’s Korn nahmen, der sich über den -en der Mauer oder des Altstädter Turms erblicken lies s •Also türm laufen ist Königsmarks Meinung!* Es war sechs Uhi Morgen, als Königsmark seine Kolonne hinter dem Kleinseiter Tor formirte und durch die Trommete das Signal zum Sturm geben Hess. In fünfundzwanzig Mann breiten Kolonnen eilten sie mit eingelegten Speeren, ihie Offiziere an der Spitze, von Schützen und Mineuren gefolgt, über die Brücke heran. Als sie die Hälfte derselben eben überschritten hatten, auf den Fersen gefolgt von den dichten Reihen ihrer Kameraden, rasselte das Fallgatter des Altstädter Tores empor Zu ihrem Erstaunen öffneten sich dessen schwere Flügel. Gebrüll und Schnaufen tönte ihnen entgegen! Die ersten Reihen der Schweden stutzten, denn die Brücke war schon so Vielen ein Todesweg gewesen, die Folgenden aber drängten nach und die Offiziere weiterten ihren Leuten zu: ״Greift an! Hinein! Ihr Seht ja das Tor ist offen! Gebt den Hunden kein Quartier!ל (Fortsetzung folgt.) *) AU» in den Seitengassen der Jesuitengassc, welcbe die Hau|1tstrasse von der Knicke aus' ist. Wie unseie Leser in (1er Ankündigung und in der Beilage der vorliegenden Nummer ersehen ist es uns gelungen, die Firma S. ß. v. MaarsAn, Frankfurt a. M. 18, zu veranlassen, das von ihr hergestellte und fortwährend verbesserte Enthaarungspulver, welches unstreitig an der Spitze derartiger Präparate steht, bis zum 1. Juli den Mitgliedern unseres Verbandes und der Stellenvermittlungsvereine, zur Reclame, zum Preise von M. 2.50 (statt M. 3.50) für die erste Qualität zugänglich zu machen. Indem wir dies mit Freude konstatieren, bitten wir von dieser Vergünstigung recht regen Gebrauch zu machen, insbesondere auch diejetiigen, die dieses Pulver aus Sparsamkeitsgründen noch nicht benutzt haben Bedenket den Ausbildungsfond! Geldsendungen mit Vermerk A. F. an den Verbairdskassirer Hm. J. PLACHTA, Berlin, K- Vilhelmstr. 2 erbeten.