Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 7 u. 8 (Juli-August 1911
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Sabbath. 40 k Die steinerne, nachmals Nepomuk-Brücke genannt, zu jener?eit' die einzige Verbindung der östlichen und westlichen Seite ^eT| den reissenden Strom, war für die Schweden der einzige Weg, lund Neustadt zu überrumpeln. Allerdings hätten die Schweden ftooten und Flössen in Massen den Uebergang versuchen könrenn sie deren gehabt hätten. Graf Collorado war aber schlau gewesen, alle Fahrzeuge und Transportmittel auf die rechte |seite bringen zu lassen. ' Für die Verteidigung waren somit die ,Brücke und der Alter Brückenturm eben die beiden einzigen Punkte, von denen e','Rettung oder ihr Untergang abhing. Beide waren den Juden ■fei Markus Spira anvertraut worden, dem Manne, dessen Uner- Trockenheit und Talent durch seine zwangsweise unter den Schweden zugebrachten Dienstjahre auch noch die kriegerische Fähigkeit erlangt hatte, welehe seine Aufgabe erforderte. Während der Zeit, in welcher die Schweden gezögert hatten ind in der christlichen Bevölkerung die anfängliche Furcht eingech'äfert worden war, hatte er die Vorbereitungen getroffen, von j lienen seine Erfahrung wie seine Schlauheit sich Wirkung verj spifech. Der Statthalter hatte ihn, von seinen Veranstaltungen! teils erstaunt, teils belustigt, gewähren lassen und nur ausgemacht, dass der Verkehr mit der Kleinseite, welcher einigermassen wieder hergestellt worden, nicht gehemmt sein dürfte. Markus Spira hatte nun alle in Alt- und Neustadt Vorhändenen sogenannten ״spanischen Reiter“ M vor den Brückenturm und aiif die Brücke bringen lassen, wo er dieselben längs des Steinernen Geländers dicht hintereinander postieren liess, dass sie die Verbindung über den Fluss nicht hinderten, für den Augenblick der Not jedoch sofort bereit standen. Das Ufer der Kleinseite ist in der Nähe der Brücke bedeutend niedriger, flacher und verlief in de^Fluss:. die östliche, rechte Uferseite der Altstadt aber war bÖBer und steil abfallend. Deshalb lag und liegt heufe noch der Klrtnseiter Brückenturm erheblich tiefer als die Brücke selbst, welthe, von der Campa-Insel ansteigend, auf sechzehn hohen Bogen zur Altstadt hinübergeht. Dort vor dem eigentlichen Ufer aber befand sich auch eine obwohl sehr kleine, doch weit höher gelegene Insel, welche nicht blos den Sockel des mächtigen Alt- Städter Turmes bildete, der mithin die Brücke völlig dominierte, sondern auch rechts nach Nordenzu einem kleinen altersgrauen Kastell Platz gewährte, dessen Plattform bis zur halben Höhe des Tutwts ragte und durch einen festen gedeckten Gang, dessen Bogen‘(Mth bis zum Ufer spannten, mit dem ebenfalls fortifikatorisch den Fluss beherrschenden Convent der Sternkreuz-Ordensherren verbinden, der rechts hart am Eingänge der Brücke selbst liegt. Linkl^derselben befinden sich am Ufer die Altstädter Mühlen. ^Nicht blos waren der Brückenturm und seine angrenzenden Maueta, vorher schon mit Feldstücken besetzt gewesen, Markus Spira'i’v dringenden Bitten bei Graf Sternberg, dem KreuzherrenmeistäE war es gelungen, auf besagtes Kastell eine stattliche Reihe schwlRjr Geschütze aufzupflanzen, welche die Brücke von der Seite ^strichen. Die Zwischenzeit in welcher die Schweden vergehlieh etwartet wurden, hatte Markus benutzt, seine Glaubensgenossen kriegerisch einzuüben, sie mit Knebelspiess wie Büchse und der Bedienung der Geschütze vertraut zu machen: der alte Rabbi aber unterliess nicht, durch stete Anwesenheit und eifervolles Wort ihre Wachsamkeit und das Bewusstsein ihrer Pflicht rege zu erhalten. Zwei Tage bevor der Angriff wirklich erfolgte, war Grossmeister von Stemberg plötzlich unruhig geworden, ז ine Art ven Vorahnung schien ihn zu befallen, denn er hatte etwas bemerkt, was ihm nicht geheuer schien. .,Markus“, hatte er gesagt, ״ich habe auf dem Flusse eine 1 Erscheinung bemerkt, die Dir sicher entgangen ist■ Ich habe vor dem Stadthalter noch geschwiegen, weil ich mich ja täuschen *t Spanische Reiter sind dicke, ziemlich lange Balken, darch welche kreuzweise starke spitze Eisenstäbe so gezogen worden sind,; dass auf den untersten die Balken wie anf Füssen rnhen, die obersten j abef schräg wie Stacheln heraasstehen and das Andringen des Fein- 1 des 1 verhindern. ן | kann. Deine Sache aber ist’s, da Du den Turm einmal bewachst, streitbarer Jud’, hiernach zu forschen■“ ״Grosser Kreuzmeister, was ist es?“ ,■■Gestern Abend spät gegen elf Uhr war ich auf dem Kastell um Luft zu schöpfen und zu sehen, was Deine Leute machen. Ich blicke grade den Fluss nördlich hinab, da siehst Du den Weinberg der Eurem Viertel schräg überliegt — dort drüben erblickte ich auf einmal eine Laterne am Ufer, dann war sie auf dem Wasser sichtbar, in einem Kahn wahrscheinlich — endlich verschwand sie am Lande in Eurem Viertel.“ ״Richtig, grossmächtigster Meister, ich habe das Licht auch gesehen!“ ״Weshalb fährt man so spät über den Fluss? Wenn der Mensch, der das tut, ehrlich ist, warum geht er nicht am Tage über die Brücke? Weshalb hat er auf dem Wasser ein Licht bei sich? Weisst Du, was es bedeutet?“ ,.Es bedeutet, dass wir nicht mehr lange ruhig sitzen werden, sondern ehe ein paar Tage um sind, die Schweden kommen. Morgen Abend werden wir das Licht Wiedersehen, und in der Nacht, wo die Feinde nahen, wird das Licht auf dem Wasser tanzen!“ .,Markus, ich will nicht hoffen, dass du einen Scherz mit mir treibst!“ ״Wenn es Scherz wäre und die Schweden kämen lieber nicht, so wäre es schon besser, gnädiger Meister. S’ist aber heis«er Ernst, und ich habe Recht gehabt mit meiner Unruhe und meiner Vorsicht! Der Mensch, der mit dem Lichte über's Wasser kommt in unser Viertel, ist ein Aufseher, den ich alle Nacht drüben angestellt habe. Er soll sofort Nachricht geben, wenn da irgend Dinge passiren, die nicht richtig sind. Seit gestern Abend nun' ist dort was im Werke; dass es mit den Schweden zusammenhängt, darauf können Sie sich verlassen.“ ״Davon muss der Stadthaiter hören, Markus!“ .,Nein, ehrwürdiger Meister, das muss er nicht; es ist genug wenn Sie es wissen. Sagen wir’s dem Herrn Grafen Collorado, so glaubt er's entweder nicht, und da hilft es nichts, oder er glaubt es und schläft vorzeitig Lärm, ich will die Gefahr abwarten und meine Schuldigkeit tun; ist dann das Unglück da, so ist es Zeit, dass der Statthalter die Augen aufmacht!“ ״Ich werde die Nächte auf dem Kastell wachen, Markus!“ ״Und ich nicht■ weit davon! Dann werben vier Augen sehen, was geschieht, und Sie werden mir bezeugen können, dass meine Furcht nicht umsonst war.“ Dies Gespräch hätte Grossmeister von Sternberg höchst nachdenklich gemacht- Wenn er auch nicht Collorado von dem auffälligen Laternensignal Anzeige machte, so deutete er ihm doch an, dass MarkusSpira nächster Tage das Erscheinen der Schweden ernstlich besorge, und bereitete den Convent seiner Kreuzherren vor, die Flussseite des Ordenshauses zur Not zu verteidigen Am Abende, an welchem der Ueberfall erfolgte, am 26. Juli zwischen elf und zwölf Uhr, befand sich Herr von Stemberg mit dem Ordensmeister des Ordens auf seiner .Citadelle; der alte Rabbi Simon sass betrachtend oben auf der Zinne des Turmes, wo das Feldzeichen der Juden, der ״heilige Stern“ ragte. Markus hielt mit Tausend Mann seiner kräftigsten jüdischen Streitgenossen vor dem Altstädter Turm, dessen Torweg geöffnet war und hatte seine Kameraden in kleine Abteilungen auf der Brücke bis zur Kleinseite und dem Punkte hin verteilt, wo die Brücke, auf die Campa-Insel mündend, sich zum Kleinseiter Tor hinabsenkt Die ersten zwei Glieder dieser links und rechts an den Brust-Geländern haltenden Abteilungen trugen lange Knebeispiesse wie die Landesknechte, die zwei folgenden Glieder hatten gute Fernrohre zur Bewaffnung. Jede Abteilung war vier Mann tief und hielt 10 Mann in der Fronte, ausserdem hatte Markus Jeder Abteilung zehn Mann ohne Wehr beigegeben, welche an den spanischen Reitern postiert waren; das Signal aber hatte man genau verabredet (Fortsetzung folgt)