Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 5 u. 6 (Mai-Juni 1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Der Sabbath ־?ד—4־ P e a h! Nicht Bettelgeld willst du ihm geben, Nein, durch Arbeit willst du ihn erheben.' Dass er erkenne seine Menschenwürde Und von sich wcrf des Bettlers Schmach und Bürde. | Drum ward auch hier die Arheitsstätf begründet. * Dass in der Arbeit Heil der Armb findet. , ■ n Und wenn auch viele noch den Wert verkennen, ' Das Werk, man muss es gut und edel nennen: Dics-Fest, das Euren Edelsinn muss ehren, ' Mög' Eures edlen Wirkens Kreis vermehren. Dies Fest, es mög' Euch allen wohl gelingen, . Und Eurem schönen Ziel Euch näher bringen. Ich. grüss' die Gäste, die hier sind erschienen, Um freudig diesem guten Zweck zu dienen. Zu lindern vieler Armen Not und Weh, Drum auf die Herzen, auf das Portemonnaie! Dr. P. M. Simon Spira und sein Sohn. Historische Erzählung'. Von Alb. Em. Brachvogel.!Fortsetzung) Ich bin fertig mit mir, Täubchen — ganz fertig! Ich habe einen schrecklichen Kampf gekämpft, seit vorgestern, und hier aufm Leichenacker hast du mir den Rest gegeben! Ich bin verurteilt! .Ester f!“ .Schweig, Mädchen, höre mir zu! — — — Wie der Marcus vorgestern nach Prag zurückkam. hat er zu meinem Fenster starr heraufgeblickt. Ich bin zu Sara gegangen und habe ihn wieder verklagt aus Arger und Wut. Die Sara aber hat mir gedroht, dass mein Hass gegen* Marcus sich möchte in Liebe verkehren, ich aber habe mich verschworen, dass Marcus aus ’nem Viehtreiber eher ein Held werden müsse, ich aber wolle verstummen, wenn ich ich ihn je liebe!* -Du hast getan, so nen Schwur? — Allmächtiger Gott! Und der Schwur fängt an, sich zu erfüllen! Marcus fängt an ein Held zu werden, r.׳jr Prag und seine Liebe zu dir hat ihn dazu gemacht! “ ״In meiner Gemütsbewegung habe ich zu Hause dann die Rolle der Väter prophezeihen lassen, was meine Erleuchtung sein sollte in dieser Finsternis.“ -Was hat das heilige Buch gesagt?“ -Weib von Dünkel der Weisheit - Du bist eine Närrin!1־ -Esther, liebe — arme Esther!" -Bist Du ein Weib, strebe nach Güte! Vor allem sollst Du Güte haben, sie ist das Höchste!* ־ ״Das — das sagte Dir die wunderbare Schrift?!* -Die Schrift aus dem hrernenden Tempel des Herrn zu Jerusalem! |a, wunderbar ist sie! — Ich bin stolz auf sie u.rd auf meine Weisheit gewesen, ich habe mich vornehmer und gelehrfer gedünkt, als Alle und habe doch nicht einmal gewusst, dass 'ne weise Frau ,ne Närrin ist und die Liebe djts fiöchste! Ich habe denken wollen und uelehrt sein, ,wie 'n Mann, und habe vergessen, gut zu sein und zu lieben, wie rer Frau geziemt. Du haist' mir völlig die Augen aufgemacht, Täubchen!* — Sie erhob sich langsam und die Freundin folgte ihrem Beispiel. -Deshalb , sprach Esther weiter, will ich tun, woran ich schon gestern gedacht habe. Ich will begraben die heilige Rolle zu Sara, meiner Ahn», denn ich habe das einzige aus ihr gelernt, was mir nütze war, nämlich dass ich der Weisheit nicht würdig bin! Bringe d:e Schippe!“ .Aber Esther, das heilige Buch? Ich bitte dich doch!“ -Bringe: die Schippe“ sagte Esther scharf und schnitt ihr jede Etwiderung ab. Täubchen zog das Instrument unter dem Gestrüpp hervor. Esther nahm es. kniete neben dem Grabe Sara's und grub bei dem Denkmal ein Loch von massigem Umfang, so dass die eingenähte Rolle in ihm Raum fand, dann scharrte sie die Erde darüber. ״Hier״ sollst du ruhen, Wort der Wahrheit“, sagte sie bebend, ״ruhen ,für ewig, oder bis der Mann dich an das Licht zieht, welchen der Herr bestimmen wird, dich zu verkünden!“ — Damit verbarg sie die kleine Schaufel daneben in's Gebüsch und erhob sich. ״Du magst die Schippe nicht mitnehmen, Esther? ״Nein, damit sie der brauchen kann, dem das Buch bestimmt ist. Du wirst nicht verraten, wo es liegt, der alten Sara Grab aber rührt Niemand an.“ ,So wahr ich leben will, ich werde schweigen! “ ״Lass uns gehen! Ich will auferwecken jetzt, was schläft! Komm!“ , Esther verliess den Friedhof und schritt zur Hompasgasse bis zu Spira’s Haus, in das sie eintrat und Täubchen zu folgen winkte• Alles war drinnen wie ausgestorben. Leise öffnete Esther das Wohngemach. Dort stand des Rabbi Frau vor einem Tische, vor dem ein grosser Ballen alter Leinwand lag, ein halbes Dutzend jüdischer Frauen sassen an den Fenstern und nähten emsig. .Lass dich nicht stören. Sara* sprach Esther, ״ich wollte dich nur bitten, dass du dem Markus sagst, ich hätte es vergeben Möge er mir nichts nachtragen!“ ״Bist Du wohl zu der Ansicht erst gestern gekommen?“ entgegnete Sara, ihr starr ins Gesicht sehend. ״Nicht seit gestern etwa, wo Markus sich gerüstet hat zum Kampfe, sondern vorgestern, nachdem ich mich vor dir verschworen habe.“ ״Wie soll ich dir denn das glauben, und dass dein Herz keinen Groll mehr hegt? ״Weil ich ein wahres Wort gelesen habe, nämlich dass der Dünkel ein Weib nur zur Närrin macht.“ Sara erhob staunend die Hände. .Esther! Mädchen ich erkenne dich nicht wieder! — Wo steht das weise Wort denn geschrieben?“ -In der geheimnisvollen Rolle meiner Väter. — Dein Sohn hat Sich geändert, ich habe mich auch geändert.“ — *.Wenn du dich geändert hast und abgelegt Stolz und Hoffahrt. Esther." entgegnete Sara mit zitternder Stimme, ״so_ zeige es, denn es ist Zeit. Wir nähen Bänder und Tücher für die wunden Männer, denn bald wird es Blut geben, Iränen und des Todes genug in Prag.“ ״Gieb mir deine Hand, Mutter Sara! Du bist besser, wie ich, denn du hast die — Weisheit der Liebe 1 Ich will deinem Beispiel folgen. Ich habe unter den Weibern ein Mann sein wollen und war nur eine Närrin, jetzt will ich unter den streithaften Männern das Weib sein, das bei ihnen hilfreich im Kampfe steht. Ich will Wunden verbinden und pflegen und ihre Toten will ich begraben Lebe wohl, Sara!“ Es schien wirklich, als ob die Schweden sich nach dem Operationsplane richten wollten, welchen der Verräter Odowalsky den beiden rekognoscirenden Kundschafter gegeben hatte, denn der juni war vergangen und des luli zweite Hälfte schon da, die Schweden ab :r waren noch nicht nach Prag gekommen. Die Herren vom Hradschin und der Kleinseite lachten den zwecklosen Kampfeseifer der Alt- und Neustadt weidlich aus, und Graf Colloredo. Kinskv wie Czernin und die meisten Uebrigen fmgen jetzt selbst an, im Wachdienste zu erlahmen und die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs in Frage zu stellen. Die kaiserlichen Offiziere glaubten, Markus habe sich durch ein falsches Gerücht verhlerden lassen, zumal die Schweden wirklich von Buchau aus e:nen Marsch nordwärts nach Kaaden gemacht hatten, welcher auf einer bevorstehenden Vereinigung derselben mit dem Corps des Pfalzgrafen Carl Gustav schliessen Hess. Der Krie^srat unter Colloredo stellte bald genug Marcus zur Rede. Dieser blieb jedoch unerschütterlich bei der Behauptung, die Schweden würden kommen Er erklärte, dass ihr Zögern nur darauf berechnet sei. Prag zu täuschen, und wenn sie auch jetzt gute sechs Meilen nördlicher ständen, wie bisher, so ständen sie doch für ihr Vorh tben günstiger. Er schlug vor, um die übrige Besatzung mit anstrengendem Wachdienst zu schonen, dass man den Altstädter Turm und dessen nächste Umgebung den reisigen jeden völlig anvertraue: für jedes augenfällige Vergehen oder Versüumen ihrer Pflicht möge die ganze ludenschaft haftbar sein. Das Benehmen Markus Spira’s war bei diesen Behauptungen so sicher, er zeigte sich des Kriegsdienstes, namentlich der Behandlung der Geschütze so kundig, die ludenschaft war auch so e:fffg in Erfüllung ihres Dienstes, dass die Oberoffiziere _ihnen wirklich den entscheidendsten Punkt der Verteidigung, den Brückentürm, anvertrauten. Hierbei gab die grosse Opferwilligkeit der luden, namentlich Simon Spira’s und seines Sohnes Marcus, der kfcinen Kreuzer für sein Vieh nahm, wesentlich den Ausschlag. (Fortsetzung folgt.) Berichtigung. ln den in der vorigen Nummer dieses Blattes abgedruckten Vortrag des Herrn Eli Lazarus ,Ueber religiöse und weltliche Ccremonien* haben sich zwei sinnentstellende Fehler eingeschlichen. Auf Seite 12, erste Spalte 5ter Absatz muss es richtig heissen: Wägt man nun aber den Wert der weltlichen Ceremonien — Umgangsmethoden gegen die religiösen ah, so ergibt sich ein riesengrosser Unterschied in ihrem Kern. Auf Seite 14, lte Spalte schliesst der erste Absatz: .immer war sie zugleich eine Erinnerung, eine Mahnung, ein Symbol des Gedankens göttlichen Gebotes und menschlichen i Gehorsams.