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Der Sabbath · 1910-08-01 · 8 (8.1910) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
8 (8.1910)
Date
1910-08-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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48 Der Sabbath. williger, der Ansicht Marcu^j zu huldigen, und zwar weniger, weil sie auf seine Verstchertjihg etwas gaben, als, weil es vielmehr in der Natur der Sache lag,‘ dass, wenn die Schweden in Buchau, also ziemlich tief in de^j; Landstriche standen, dessen Grenzen die Egcr, Elbe und Berautft^ bildeten, sie zu einem Uebcrfall Prag’s links den kürzesten H'df? ■ו#י len würden, wo kein hemmendes Objekt zwischen ahnen und äpr Stadt la,g als dass sie einen zeitraubenden Flussübergang bewerkstelligen sollten, welcher bemerkt werden musste. Dass flarcus den Plan der Schweden verschweigen musste, bedrückte sein redliches Gewissen schwer, und dies, verbunden mit dem Bewusstsein, seine Liebe von Esther mit Hass, Hohn und Widerwillen vergolten zu sehen, hatten den ersten Anstoss zu seinem Entschlüsse gegeben, siefie den Verteidigern der Stadt zuzugesellen und seine Glaubensgenossen für gleiches Tun zü begeistern. — — — . J Der schroffe, zerklüftete, in mehrfachen Terrassen nach der Kleinseite sich absenkende Bergrücken des Hradschin ruht auf einer viel gewellten, damals noch stark bewaldeten Hochebene, die seinen Sockt^bildet und nördlich bei den sogenannten Kaisermühlen, östlicij zu'dem Dorfe Bubna und südlich der judenstadt grade gegenüber nach der Moldau ziemlich steil abfällt. Diese ■Hochebene bildet gewissermassen eine gebirgige Landzunge, um welche der Fluss, von Süden kommend, in einem östlich-nordwestlichen Hacken herumfliesst. Der südliche Rand dieser Hochebene, von welcher־man rechts auf Hradschin und Kleinseite, vor sich über den Fhtss hinweg judenstadt, Alt- und Neustadt überblickt, ein Panorama, das der ferne Wischurad abschliesst, liegt heute das Belvedere mit den Kronprinz Rudolf-Anlagen. DdVnals war, wie gesagt hier überall Wald. Unterhalb dieses Belvederes, hart am Flusse, befand sich eine kleine, einsame Kapelle Westlich derselben, unterhalb der vor- ^springenden östlichen Endbastion des Hradschin und unweit des leichten Pfahlwcrkg und Grabens, welche von besagter Bastion ab nach dem Flusse zlr den östlichsten Gipfel der Kleinseite schützten, lag ein Weingarten, •der dieses ganze Stück Berglehne bis zu der Höhe des Plateaus cinnahm, und in demselben ein kleines ländliches, etwasjdesolates Gehöft, das ein höchst anspruchloses Wohnhaus tfwehloss. Auf den Absätzen und Geländen des Rebenhügels \yand■ .hier und danoch etliche Häuschen verstreut, kleine Baradkm von Fachwerk,' mit Stroh gedeckt, welche derf Winzern uncfitifcn Familien zum Obdach und" zur Bewachung der Anpflanzung«fjdienten. Letztere waren nicht gering, und ihre günstige Lageflpach Südosten, durch die bewaldete Höhe von Nord- und Westwinden geschützt, machte es sehr glaublich, dass hier eine gute, l^ötle erzielt werde. DieSes Besitztum gehörte dem ehemaligen kaiserlichen Rittmeister O.döwalsky, unverheiratet und etwa 48 jahre alt, einem Charakter-, wie jhp nur jene schreckensvollen Zeiien zu erzeugen vermochten. Odowalsky war ־einer der Lieblinge und Vertrauten Wallenstein’si gewesen, welcher, wie viele seiner Art, sein Glück an den Stern des grossen Friedländers geknüpft hatte. Der Leumund £.'gte, dass er nicht blos zu denen gehört hatte, die in die tifefen, ehrgeizigen Plänen des Generalissimus eingeweiht worden waren, sondern auch eine der Personen gewesen sein sollte, welche vor der Katastrophe zu Eger in Wallensteins Aufträge mit den Schweden paktirt hatten. Obw ohl die Verschwörung entdeckt und durct\ Ermordung des Friedländers unmöglich, seinen .Mitschuldigen aber der Prozess gemacht worden war, so konnte man doch Odowalsky! nichts^bcwersen, als dass er seinem General treuer gedient hatte, wie seinem Kaiser. Er war kassirt und seiner zweifelhaften Gesinnungen wegen unfähig erklärt, im kaiserlichen Heere zu dienen.*■ Er tflpe sich hierauf nach Prag, seiner Geburtsstadt, zurückgezogen, besagte Besitzung gekauft und war ein Weinbauer geworden- Sein*' Stellung in der Gesellschaft berechtigte ihn zwar, mit dem /Bei umzugehen, aber einerseits duldeten seine beschränkten ,Vermögensverhältnisse es nicht, auf gleich grossem Fusse wie jene Zu leben, andrerseits zog sich der grösste Teil der Aristokratie votv dem anrüchigen Menschen zurück. Der Adel von der kaiserlichen Partei, weil er ihn eben wirklich dessen schuldig hielt, was man von ihm argwöhnte, die Anhänger und Verwandten der herzoglich Wallensteinschen Familie aber, um durch den Umgang mit ihm nicht noch grösserem Verdachte zu unterliegen als ohnedies geschah. Odowalsky war nicht der Mann, die Gunst irgend Jemandes zu erbetteln, aber er ging auch Niemandem aus dem Wege. Ohne den gekränkten Unschu'digen oder Verbissenen zu spielen, leichtlebig wie ein Glückssoldat, lachte er jedermann ins Gesicht, zuckte über alle Vorgänge seines Vaterlandes die Achseln und seine Behauptung; .Geht mir doch mit Eurem Lumpenkriege! Wenn der Friedländer noch lebte, so hätten wir schon 10 jahre Frieden!*, wiederholte er so oft und gegen alle Welt, dass die Leute, je unabsehbarer sich dieses Raufen von Land zu Land hinzog, selbst nach und nach der Meinung zuneigten, der kassirte Rittmeister könne wohl Recht haben, und dass es besser gewesen sein würde, wenn jene Bluttat zu Eger nie verübt worden wäre. Man urteilte endlich über Odowalsky milder, und wenn er auch nicht in die hochadeligen Kreise wieder aufgenommen wurde, so hielt doch mancher czechische und deutsche Edelmann zu ihm; war doch der Rittmeister ein guter Kumpan, und sein Wein ging glatt über die Zunge- ... •י Am Abend des Tages, an welchem die Prager Juden ihren patriotischen Entschluss gefasst hatten," sassen im Wohngemach besagten Wohnhauses zwei Männer im Gespräch einander gegenüber. Ein Blick durch den Raum genügt, um zu wissen, dass man sich bei einem Soldaten und Landwirt befinde. Eine volle Reiterarmatur, Zäune, Sättel und Decken hingen an den Wänden, daneben Stich- und Schusswaffen, Kugelbeutel und Patronenriemen. Feldranzen und Hafersack. In dem Winkel lehnten Spaten, Hacken und allerlei Gartengerät; von Mobilar war ausser etlichen Schemeln, Stühlen und der umlaufenden Bank des grossen Ofens nur noch ein schwarzer, wurmstichiger Schrank bemerkbar. Bei dem trüben Scheine Von zwei Talglichtern, w'elche auf einem messingenen Armleuchter steckten, gewahrte man auf dem Tische ein paar Würfel, ein Kartenspiel, holländische Tabakspfeifen und Beutel, ein paar gefüllte Gläser und zwei eingeschenkte Weinflaschen, während drei andre entleert am Boden standen Diese Dinge bewiesen genügend, welcher Unterhaltung die Herren gefröhnt hatten. Die rote Nase, die Schlitzaugen und das gedunsene, lachende Gesicht des Einen ist uns bekannt Es gehört dem Baron Hartick, Befehlshaber der böhmischen Reiterei, an, einer Truppe, die auf diesem Terrain völlig unnütz war und in Prag nur Dienste zu Fuss leistete, ab und zu nach Bedürfnis in d;e Umgegend der Hauptstadt Detachements entsendete, teils um die kaiserliche Autorität im Lande aufrecht zu erhalten, teils um etwaige Nachrichten vom Feinde einzuziehen. Die süddeutsche Gemütlichkeit charakterisierte auch die damalige Heeresleitung und die der Verteidigung Prags ins Besondere. Hierzu gesellte sich bei den Offizieren noch Neid und kleinliches, dünkelhaftes Bestehen auf die Autorität ihrer Stellung. Gewiss war Graf Colloredo Statthalter und Oberstkommandirender Da derselbe aber die Ostseite Prags in besondere Obhut genommen hatte, So wäre es für Graf Collowrad ein Schimpf gewesen, nicht auf den Hradschin, und für Graf Morzin nicht auf der Kleinseite das selbstständige Oberkommando zu führen. Ebenso hartnäckig aber bestand Baron Hartick darauf, dass ihm die Ausübung der Polizei in der Umgegend und der Recognoscierungsdienst gebühre, was ihn aber nicht abhielt, diesen Dienst so leicht als möglich zu nehmen und lieber seine Abendstunden bei Karten, Würfel und Wein mit Odowalsky zu verleben, als im Sattel zu sitzen und den Schweden auf der Fährte zu sein. (Fortsetzung folgt.) »נגלי*

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