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Der Sabbath · 1910-03-01 · 3 (3.1910) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
3 (3.1910)
Date
1910-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Sabbath. 13 monaten wieder erheblich zu. Allerdings bedurfte es einer häufigen Inanspruchnahme unserer Werbedamen und der Tageszeitung, um unseren ״jüdischen Mitbürgern“ unser Institut immer und immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Zu einem guten Werbemittel sind uns die Säcke geworden, von denen mehrere Hundert in Haus• haltungen und Geschäften verteilt sind. Diese mit ״Peah* u. No. . . . signierten grauen Säcke, in• denen Zeitungen, alte Lumpen, Flaschen, Korken u. s. w. angesammelt werden, werden mit grösster Pünktlichkeit zur gewünschten und festgesetzten Zeit regelmässig — wie die übrigen Zuwendungen — von unseren mit Ausweis versehenen und kleidsame Uniform und Mutze , (mit der Aufschrift ״Peah“) tragenden Boten abgeholt bezw. geleert. Einerseits erweisen wir den Hausfrauen damit, dass wir ihnen auf für sie bequeme und kostenlose Al t die überflüssigen Gegenstände aus dem Hause holen, eine besondere Gefälligkeit, anderseits bilden die Säcke einen ständigen Hinweis auf unsere ״Peah“ wodurch uns eben auch wertvollere Gegenstände zugedacht werden. Das Sammeln von Papierabfällen, Flaschen, etc. und der Veikauf derselben bildet für uns eine gute Einnahmequelle. Wir erzielten hieraus in 7 Monaten — bei fortwährender monatlicher Steigerung — einen Erlös von etwa 820 Mark. Sämtliche Abfälle kommen in den hierfür bestimmten, in Abteilungen für Papiere, Lumpen, abgegrenzten Raum und werden sodann von Männern in langen Ueberkittelu (ungeübte werden von Erfahrenen angelernt) in die verschiedenen Qualitäten sortiert, in Zeitungen, Pappen, Akten, weisse, wollene Lumpen, Liter- Bordeau- Seklttaschen etc. und 2 mal monatlich von der Papierfabrik bezw. dem Händler abgeholt. Wir hoffen, diesem Zweige und Unternehmen noch eine weit grössere Entwickelung zu geben, denn dadurch — durchs Abholen und Sortieren ׳ — sind wir in der Lage, auch solche Arme zu be-; schäftigen, die kein Handwerk oder Arbeit erlernt : haben. Unsere Leute beschäftigen wir fernerhin mit Keller und Speicher-Reinigung und sonstigen Gelegenheits-Arbeiten in Privat-Häusern. Wir berechnen , hierfür (analog der Heilsarmee) 45 Pfg. pro Stunde und 15 Pfg. für den evt. zu stellenden Wagen. Allerdings hat uns dieses Gebiet nicht immer Freude be: reitet, da häufig die von uns ausgestellten Rechnungen für etwas hoch befunden wurden. Es ist leicht denkbar, dass unsere meist sehr entkräfteten, für diese einfachste Arbeit in Frage kommenden Armen, dieselbe ן nicht immer mit der gewünschten Schnelligkeit erledigen | können. Mehr Erfolg verspricht die Uebernahme von! Stuhlflechten, womit wir mehrere arme Frauen ן beschäftigen, die gute Arbeit liefern. Wir berechnen durchschnittlich per Stck. 1.20 Mk. entsprechend dem ortsüblichen Tagespreise. Auch die uns geschenkten Stühle werden — wenn es sich lohnt — neu geflochten bezw. durch Schreiner mit Holzsilz versehen. Es entspricht der erzieherischen Aufgabe der ״Peah“ keine Kleidungsstücke, Schube oder sonstigen Gegenstände in zerrissenem Zustand weiter zu verkaufen. Daher werden derartige Sachen ausnahmslos von unserem, mehrere Tage in der Woche in der ״Peah“ beschäftigten Schneider oder unserer Schneiderin bezw. Schuhmacher ausgebessert und in ordnungsmässigen Zustand gebracht. Gegenstände, die derart unbrauchbar sind, dass der Arbeitslohn grösser wäre, als der Verkaufswert, kommen zu den Lumpen. Was nun die Brockensammlung angeht, so erfreut sich auch diese Abteilung eines guten Zuspruchs. Ursprünglich hatten wir nur Dienstag und Donnerstags - Nachmittags Verkaufsstunden. Als jedock aus dem Kreis der Käufer der Wunsch aDgeregt wurde, auch Sonntags in den gesetzlich für den Verkauf freigegebenen Stunden zu verkaufen, um auch den Unbemittelten, die während der Woche auf dem Hausierhandel sind, Gelegenheit zum Einkauf in der ״Peah“ zu geben, entschlossen wir uns zunächst versuchsweise dazu, und hielten dann für die Folge diese Stunden bei. Es sei auch an dieser Stelle unseren Damen, die sich mit war nein Herzen in den Dienst ־der guten Sache gestellt haben, der herzlichste Dank ausgesprochen. Durch die liebevolle und wohltuende Art, wie sie den Armen entgegenkommen, erfreuen sie deren Herz und bringen sie ihnen menschlich näher. Das glückliche Bewusstsein, manche Not gelindert und manche Träne getrocknet zu haben, möge ihnen reichster Lohn für ihre Liebestätigkeit sein. Grundsätzlich verkaufen wir nicht an Wiederverkäufer und haben ein diesba!. zügliches Plakat an sichtbarer Stelle aufgehängt. Inden Kleiderverkaufsräumen befindet sich ein Plakat: ״Für Schaf nes wird keine Gewähr übernommen“. Alle Plakate sind in deutscher und liebr. Schrift vertreten. Gegenstände, von denen der Unbemittelte keinen Gebrauch machen kann, wie z. B. Bilderrahmen, Vasen, Antiquitäten, Operationstisch u. s. w. lassen wir durch unseren Verwalter bei Althaudlungen oder sonstigen Geschäften zum. Kauf anbieten und dem־ meistbietenden zuschlagen. Wir haben durch dieses Verfahren schon recht gute Preise herausgeholt. Im Allgemeinen sind unsere Verkaufspreise sehr billig. Zum Taxieren und Auszeichnen der Sachen sind einige praktisch erfahrene Damen so liebenswürdig, Montags und Mittwochs Vormittags auf einige Stunden zu erscheinen. Es erleichtert dieses Verfahren den Verkaufsdamen sehr die Arbeit, besonders, wenn, wie dies häufig vorkommt, der Ansturm der Käufer ein grösserer ist. Mit kurzen Worten möchten wir die Controlle berühren. Leider wird bei den Zuwendungen die Controllkarte in den meisten Fällen nicht ausgefüllt und es ist trotz unserer dringenden Bitten und Vorstellungen nicht möglich gewesen, dies zu erreichen. Obwohl wir nun im Allgemeinen alle Ursachen haben, mit unseren Angestellten hinsicht-. lieb ihrer Zuverlässigkeit zufrieden zu sein, so haben wir uns doch entschlossen, im Interesse der ״Peah* und unserer Leute eine möglichst scharfe Controlle einzuführen. Der abholende Bote ist verpflichtet, — wenn der Spender keine Aufstellung selbst mitgibt —, in ein mitgeführtes Buch Anzahl und Art der Gegenstände sofort nach Empfang eiuzutragen. Unser Verwalter schickt dann abends jedem Spender eine gedruckte Danksagung mit Auflührung der empfangenen Gegenstände. Bei Umzügen und Trauerfällen suchen wir uns durch eigens hierfür vorhandene Cirkulare in Erinnerung zu bringen, häufig mit gutem Erfolge. Kleider, Betten, Matrazen u. s. w. werden von Seiten der städtischen Desinfectionsanstalt kostenlos desinficiert, von deren Wagen abgeholt und anderen Tags wieder zugestellt. Unsere Warenvorräte sind gegen Feuersgefahr versichert, unsere Haftpflicht den Angestellten und unseren Damen gegenüber ebenfalls durch Versicherung gedeckt. Wir besitzen seit kurzem einen eigenen Fern- Sprecher,| der sich sehr gut bewährt und zur schneilen Abwickelung und prompten Erledigung der Aufträge wesentlich beiträgt. Unsere ״Peah* ist kein Verein; sie ist ein selbständiges Institut ohne Mitgliederbeiträge, das geleitet wird von einem gleich bei der Begründung gewählten Vorstand, der seinerseits wieder einen 5 gliedrigen Arbeits-Ausschuss aus seiner Mitte ernannt hat. Diesem Letzteren ist die selbstständige Verwaltung der ״Peak“

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