Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- 3 (3.1910)
- Date
- 1910-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 19 1.׳V• ^Rückblick auf das Jahr 1909. Bas, abgelaufene bürgerliche Jahr stand bei seinem Beginnp unter dem Drucke einer schweren wirtschaftlichen üe^ression, deren Einwirkung sich durchgängig in allen Korporationen verspüren Iiess, gleichviel welches Arl eitjsj^biet sie sich als Domäne erkoren haben. In unserem', von Handel und Industrie beherrschten Zeitalter bilden die Regungen des öffentlichen Lebens immer die Aiisläufer der ansteigenden oder absteigenden Sonne am ׳!izonte der internationalen kommerziellen Konstellation ״ ‘ auch in den Kreisen der gesetzes treuen Judenheit 1 der Gradmesser für das Mehr oder Weniger in der Riiätigung für Allgemeinzwecke in der Ebbe oder Flut dir Strömung des- Handelsmarktes zu suchen. Auch die Arbeiten unseres Verbandes blieben von diesem Eindrücke nicht unberührt, jedoch darf es mit stolzer Genugtuung ausgesprochen werden, dass sich diese Einwirkung nur hinsichtlich der Verwirklichung grösserer ins Auge gefasster Pläne bemerkbar gemacht hat. Die laufenden Ai beiten vollzogen sich in ebenso ruhigen und aufs‘eigenden Bahnen, wie im vorausgebenden Jahre und die F01 tentwicklung aller Institutionen des Verbandes kann eine durchaus gedeihliche genannt werden. * * * A. Der Kampf gegen die Sabbathheiligung beeinträchtigende Einwirkungen. Im Vordergründe des Interesses stand noch immer die in Vorbereitung befindliche Novelle zur SonLtagsr uh e sreset zge bung. Von einer Schilderung unserer Bemühungen kann an dieser Stelle abgesehen werden, da eine $it gehei de historische Darstellung darüber in den d'jeser Nummer des ״Sabbath“ vorangehenden Heften ge- «ben war. Wie daraus ersichtlich, werden sich unsere äoffnangen zum grosseren Teil voraussichtlich verwirkliehen.; Inzwischen sind aber wiederholt seitens unserer Ortsgj'uppen Vorkehrungen iretrotfeii worden, um das Lokalsratut an einzelnen Oiten zu Gunsten der sabbathhaltenden Geschäftsleute zu gestalten. Vollständige oder teilweise, bezw. voraussichtliche Plrfolge wurden erzielt bei den!״■treffenden Communatbehürden in Schweinfurt, W ii ׳ z hu,!•״, Karl sru he und Mannheim. Auch in der Folire wird di׳• Kühlung mit den von Ortsbehörden beabsichtigren M;1''i־i1,’1',en.-betreffend Festsetzung der Ruhezeit .am Sonntag iiWall behalten werden müssen, weil stdbs4׳ ׳e reich-!.. <etzliche Regelung der Sonntagsruheg^eltyrebun.' die den atu Sabhath geschlossenen Geschäften 7m bewilligenden Ausnahmestunden von dem Entgegenkon.mcn der städtischen Behörden zum Teil abhängig macht. Iu einer ganzen Reihe von Fällen ist es dem Eintreten unserer Ortsgruppen gelungen, bei Behörden Rücksichten auf die der Sabbathheiligung Beflissenen zu erwirken. In Bayern wurden die Schulgr^nngen im Hinblick auf die jüdischen sahbathhaltenden JwHRer von Sonnabend auf Wochentag verlegt. In Breslau hat' sich die Schulbehörde bei eit erklärt, bei Fest- Setzung der Schrift liehen Arbeiten in den Schulen, auf die am Sabbath nicht schreibenden Schüler Rücksicht zu nehmen. In Karlsruhe verlegte ein Schulleiter einen Schulamling. weil einige jüdische Zöglinge des Sabbaths halher sich nicht hätten beteiligen können. Der Hamburger Ortsgruppe gelang es, mit der Verwaltung der Strassen- Abkommen zu treffen, gemäss welchem die am Sabbath nicht benutzten Abonnements der Schulkinder für Sonstig ihre Gültigkeit behalten. T AbjjBehen von den Erfolgen dieser Bemühungen, muss man in Jffisen Beispielen des Entgegenkommens der Amts-! stellen auch ein Symptom erblicken, für die dank der Arbeit unseres Verbands sich mehr und mehr in der AUgemeinheit durchsetzende Erkenntnis von der Grösse des Sabbathgedankens und der Hingebungsfreudigkeit seiner Träger. Der Pflege dieser Erkenntnis in Theorie und Praxis hat denn auch in erster Reihe die Aufklärung«, arbeit unseres Verbandes zu dienen. B. Stärkung des Sabbathgedankens. Zur Vertiefung der Anschauung und der Befestigung des Bewusstseins von der hohen Aufgabe der Sabbathtreue dient nach wie vor unser Verbandsorgan .Der Sabbath.“ Der Uebuug in früheren Jahren folgend, liessen wir jedoch ausserdem auch noch einige für unsere Be- Strebungen wertvolle Schriften herstellen und zur Verbreitung gelangen. Wir trafen mit dem neubegründeten Jüd. Volksschriften-Verlag in Frankfurt a. M. ein Abkommen, durch welches es uns möglich war, das erste aus diesem Verlag hervorgehende Büchlein ״Sabbath- Stimmungen“ von Arthur Kahn unseren Mitgliedern unentgeltlich zu überreichen. Es ist kein Zweifel, dass die von hochpoetischem Hauch geadelten und in ihrer edlen Sprache Herz und Sinn gefangen nehmenden Schilderungen von dem Zauber und der traulichen Lieblichkeit der Sabbathfeier im jüdischen Hause auf jeden Leser einen nachhaltigen Eindruck gemacht haben. Zahlreiche Aeusserungen aus Kreisen unserer Mitglieder bezeugen uns diese Empfindung. Eine ebenso freudige Aufuahme fand der zu Roscbhaschouoh erschienene Kalender pro 5670. Die demselben beigegebene Abhandlung des Meisters volkstümlicher Belehrung, Dr. M. Lehmann לצל über den Sabbath verdient es, mehr als einmal gelesen und der Jugend zur eifrigen Lektüre empfohlen zu w׳erden. Wir hatten die Genugtuung von zahlreichen Schulleitern von Religionsschulen diesen Gesichtspunkt gewürdigt zu sehen und haben über 1000 dieser Kalender an die folgenden Religionsschulen verteilen können: Berlin (3), Rawitsch, Filehne, Giessen, Frankfurt a. M. (Realschule), Fiirth, Posen, Wreschen, Mainz, Marburg, Halherstadt, Fulda, Nürnberg, Kattowitz, Köln, Mannheim, München. Es wurde ausserdem ein Separatabzug von der Abhandlung hergestellt, der, in hübschem Einband, dein Büchlein zur weiteren Verbreitung verhelfen soll. In dem Kalender wurden zum ersten Male durch ein Tabellarium die Ausgangszeiten der Sabbath-und Festtage so dargestellt, dass der Kalender für ganz Deutschland benützbar ist. Wir gedenken die Heraus- -gäbe eines solchen Kalenders als ständige Einrichtung beizubebalten, in der Voraussetzung damit vielen Wünsehen entgegenzukommen. Die bisher im .Sabbath“ und an anderen Stellen nur schwer auffindbaren gesetzlichen Vorschriften über die Befreiung der Schüler von schriftlichen Arbeiten oder überhaupt vom Schulbesuche am Sabbath wurden in einer übersichtlichen Zusammen- Stellung den Mitgliedern zugängig gemacht. Der SammluDg ist eine Anzahl Texte beigefügt, die den Eltern als \0rlagen für die betreffenden Dispensierungseingaben dienen sollen. Da vielfach nur Unkenntnis oder Bequemlichkeit die Ursache des Uuterlassens der Dispensierungsansprüche sind, erscheint diese Zusammen- Stellung als ein Helfer in allen Fällen, wo Eltern oder Erzieher das wahre Wohl ihrer Zöglinge im Auge haben. Als ein Ratgeber für Eltern und Erzieher soll auch der ״Führer für die Berufswahl“ dienen, gu dessen Herausgabe die Vorarbeiten nunmehr abgeschlossen worden sind. Dieses durchaus neuartige Büchlein wird in aller Kürze zur Verausgabung an die Mitglieder gelangen. Ein