Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Der Sabbath. ,Wann hit Dir das Mendef gesagt?“ fragte Jankel etwas kleinlaut) ״tlnhatte ihn im Verdacht, dass er kein Tefilin lege und habe siei( 4תן" mich zu überzeugeu, versteckt, ohne dass er sie vcrmisst hätte. Mittags kommt er nach Hause und will mir wie gi wöhnlfcb }ur Begrüssung einen Kuss geben. Aber ich wies ihn zurück und erklärte ihm, er solle sich ja nicht mehr unterstehen, mir die Hand oder die Lippen zurri Kusse zu reichen, denn ich hätte mich überzeugt, dass er ein Poscheh Jisroel sei Als er sein Unrecht nicht mehr leugnen konnte, sagte er mir dasselbe, was Dir vorhin unser lieber Schwiegersohn sagte. Das seien alles Förmlichkeiten und äussere Zeichen, die uns an gewisse Wahrheiten erinnern sollten, wenn man aber dieser Wahrheiten ohnedies eingedenk sei, dann bedürfe es der äusseren Form nicht.“ ״Und was hast Du ihm darauf erwidert?“ י .Ich sägte ihm, wenn es nur auf die Gesinnung und nicht' auf die äussere Form ihrer Bekundung ankommr, ti.nn genüge mir auch seine freundschaftliche Gesinnung für mich, und es bedürfe nicht der äusseren Form des Händedruck; oder gar des - Kusses, das wäre dann nur Heuchelei oder gedankenlose FormliClVkeit. Dränge ihn aber seine kindliche Liebe dazu, dieselbe .auch durch äussere Form auszudrücken, dann fehlt jedenfalls diese Gesinnung gegen Gott, wenn er so gering von der äusseren Form denkt, in die sich die Gesinnung kleiden soll.“ .Das hast Du gut gemacht, Gitel, warum hatte ich nicht vorhjn den Einfall, als mir Feiwel dieselbe Schmuo •Geschichte) sägte? Wo hast Du nur Deine Chochmo her? .Ich glaube nicht, dass ich Chochmo habe,“ erwiderte in aufrichtiger Bescheidenheit die Gefragte. .Das alles steht in Zeeno Urennoh und in den anderen Sefocim. Aber wenn Dir auchvdas bischen Weisheit fehlt, das du bei mir vermutest, so koqjjmt e4 daher, dass Du keine Gottesfurcht hast. Gottesfurcht ist der Anfang zur Weisheit hat Schelomo Hamelech gesagt. Wie kann inan aber Weisheit erlangen, wenn man nicht einmal den Anfang dazu hat? Hätte ich Chochmo, ich wäre niemals von U in das glänzende Wiener Elend gezogen, in dem unsere K:ndcr Heiden geworden sind, und wir auf dem besten Wege uns be-׳ finden es zu werden.“ .Versündige Dich nicht, Gitel,“ erwiderte (ankcl abwehrend .dass Du unseren Zustand ein glänzendes Elend nennst.• Wir. besitzen heute über?>00 000 Gulden, alle Welt, die höchsten Mleute halten es für eine Ehre mit mir zu verkehren, uwele, die weniger sind als wir, blicken neidisch zu er Stellung empor, die Du ein glänzendes Elend nennst;las• kann man nicht so in den Wind schlagen, was Feiwel 3tet, däss wir solches Masol haben, obwohl wir uns wirkbon der alten jüdischkeit mehr und mehr losgesagt haben.“ I Gitel traten die T;änen in die Augen, als sie ihren Mann 1 so", r^den hörte. Flammenden Blickes entgegnete sie: i ״Also, so weit hält’s schon mit dir':׳ Du weisst schon ‘ flieht mehr, dass Haschern boruch hu es den Schlechten auf dieser ׳ Weltloft gut gehen lässt, um sie in dieser Zeitlichkeit für das; wenige Verdienstliche zu belohnen, das sie geübt? .'lir würde j es vor diesem ,Glück“ noch mehr grauen, wenn ich mich' glück- ן lieh dabei fühlen würde Wiegt der Gewinn von Hunderttausenden wirklich den Verlust der jüdischkeit unserer Kinder auf? Wenn uns Gott das Geld so in den Schoss wirft, obwohl Lnicht verdienen, so ist das höchstens ein Beweis dafür, nig Ihm an' Geld gelegen ist. Aber es ist mir kein jT/dass Gott seine alte Tora ausser Kurs gesetzt hat, so- Ife. Börsenspielern unbequem geworden ist. jankel, Du einem bösen Wege.“ Und jankel war auf einem bösen Wege- Er war nicht nur gleichgültig gegen die spezifisch jüdischen Lebenspflichten geworden, aucn mit den rein menschlichen Tugenden, mit dem Herzen, mit der Gesinnung war es schlecht bestellt. Eines Tages liess sich ein junger Mann bei Herrn jacques Goldberger anmelden, ohne dem Portier seinen Namen zu nennen, jan^ele entschloss sich nur schwer, den namenlosen Fremden vTOiulassen Aber de! Fremde wartete den Bescheid des Portiers j^h^nicht ab und trat zu jankele ins Zimmer. Jankel, ich brauche mich bei Euch wohl nicht lange anzfiHelden. kennt Ihr mich nicht mehr? ״Mein Name ist jacques Goldberger,“ erwiderte gravitätisch der Parvenü; ״Sie kommen mir allerdings bekannt vor; Ihr werter Nayie, wenn ich bitten darf? . ״Ich bin ja Abraham Lemberger, Sohn des seligen Rabbi Lemberger, wie geht es Euier. Frau Gitel und .'lalko und Mendel und Schmul?“ ״Meine Frau Karoline, und meine Kinder Amalie, Manfred und Siegmund befinden sich alle recht wohl und werden sich gewiss freuen, Sie bei uns als Gast zu sehen. Wqs verschafft uns das grosse Vergnügen?“ ■Diese verletzende gnädige Herablassung empörte den jungen Mann, was jankel nicht entging. Sein Scharfblick merkte sofort aus der gebückten Haltung des fremden Gastes, dass er als Bittsteller zu ilim kam. In diesem Falle war es Prinzip bei ihm, sich Gäste dieses Schlags durch kalte Höflichkeit in gemessener Entfernung zu halten. ״Darf ich dem Herrn eine Zigarre anbieten? Ein Kraut wie dieses hat man in U noch nicht gesehen, das Stück kostet 25 Kreuzer; ist abej־ unter Brüdern das Doppelte wert.“ Herr Lemberger lehnte entschieden ab, nahm sich unaufgefordert einen Stufil und erklärte, dass er keine Aufmerksamkeit annehmen könne, bis er sich seines Auftrags entledigt habe. Sein Vater sei vor vier Wochen gestorben. Vor seinem Tode habe er ihm, den) Sohne erklärt, dass das Geschäft dtrart in Rückgang geraten ' wäre, dass eine Zahlungseinstellung _ unvermeidlich sei, wenn nicht 10000 Gulden zu beschaffen seien, um die dringendsten Gläubiger zu befriedigen. Mein seliger Vater erzählte uns von :seinen Beziehungen zu Ihnen und sagte, dass er nicht daran zweifle. Sie, Herr Goldberger, würden uns durch ein Darlehen von10000 ׳ Gulden aus unserer augenblicklichen Verlegenheit retten, — Mein Vater hielt zwar die Möglichkeit für ausgeschlossen, dass Sie sich weigern, diesen, seinen letzten Wunsdh zu erfüllen Aber er gab mir dieses lederne Beutelchen mit, diisscn Geschichte er uns ebenfalls erzählte und sagte, dass sein .י nblick allein als Fürsprecher genügen würde. Mehr habe ich nioht zu sageti." Der alte jankel und der moderne |acques gerieten in Folge dieser Eröffnung Hart aneinander; der erste plaidierte mit aller Wärme für und dpr Andere mit aller Kälte gegen die Gewährung dieses Wunsches., Erregt ging der Träger dieser beiden Seelen in seinem Kabine) auf und ab, als der Portier eintrat und ein Telegrar 1m überreichte. Dasselbe war aus Pest und lautet: Werner Q Dal mann fallidrt; Verlust 30 000 Gulden“, jacques hatte über janke gesiegt er reichte das Telegra .וווו dem Bittsteller hin. ״Sie sehenjhier selber, welche schweren Verluste wir haben und werden es begreifen, wann wir unter solchen Umständen leidei nicht in der Lage sind, die bedeutende Summe von zehntausend Gulden So ohne Weiteres flüssig zu machen, Einen ungünsiigeren Zeitpunkt hätten Sie schwerlich finden können. Aber wenr die Zeiten! sich ändern sollten, werde i?h selbst auf Ihre Angelegenheit zurückkommen. Augenblicklich ist es leider unmöglich. Damit Sie aber meinen guten W'illen sehen, gebe ich Ihnen hier hundert Gulden, um Ihre Reisekosten wenigstens zu decken." ‘ Herr Lemberger wies das Geld zurück und fragte noch einmal mit höfliche)■ Entschiedenheit: ״Ist das Ihr letztes Wort Herr Goldberger?“ ״Für jetzt; allerdings, aber ich will Ihnen für die Zukunft nicht jede Hotfnpng benehmen.“ ״Empfehle mich Ihnen, Herr Goldberger. Leben Sie wohl!“ [!Fortsetzung folgt-ל י- Offizielle Mitteilungen. Aus Läupheim erhalten wir die betrübende Mitteilung von aem Hinscheiden des Lehrers! Herrn )Max fjaymann. Der Verstorbene ד־צ ל war Mitgründer unserer dortigen Ortsgruppe jund stets bereit für unsere Interessen zu wirken .ד״נצנ־ד. Der gesebäftsführende Ausschuß Dr. Ed. Biberfefd. Verband der 5abbathfreunde. Ortsgruppe Frankfurt a. M. Wir suchen baldmöglichst passende Stellungen für folgende Bewerber: 1. Photographie-Gehülfe sucht baldigst Stellung. 2. ln Ra'ndegg sucht ein Schreiner einen Lehrling. Kost und Logis im Hause. 3 Ein bisheriger Lehrer, der infolge eines kleinen Fehlers seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, sucht! baldigst anderweitige Stellung. Ev. Ucber-, nähme einer Restauration oder Pension.