Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Der Sabbath. von Schülern zu unterstützen wäre. Aber auch in politischer Be- Nach weiteren Bemerkungen der M.-R. Müller, Neubcrt,-Heimann Ziehung dürfen wir uns nicht passiv verhalten. So müssen wir zu- und Kraus und des Referenten wurde zur Abstimmung geschritten, sammenstehn, bei Wahlen z. B. nur solchen Männern unsere Stimmen Der Magistrat gab durch Mehrhcitsbeschluli dem Ansuchen L'llmanns zu geben, die für eine weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe und statt und beschloii, für diejenigen jüdischen Geschäfte׳mit jüdischen dadurch bedingte Erschwerung der Sabbathheiligung nicht zu haben Angestellten, die am Sabbath geschlossen halten, außer der bereits sind, während wir im jüdischen Gemeindeleben es zu verhindern suchen müssen, daß Leute vom Standpunkt der liberalen Vereinigung an die Spitze unserer Verwaltung kommen. Mit einem warmen .Appell, unsere Sache zu unterstützen und dafür auch werbend nach Kräften tätig zu sein, schloß er seine trefflichen Ausführungen. — Nachdem hierauf noch kurz Herr J. L. Weiskopf als Mitglied des Kuratoriums der Israel. Realschule gesprochen, schloß der Versitzende die Versammlung, als deren Resultat auch einige Anmeldungen zu unserer Ortsgruppen verzeichnet werden konnten. Kempen i. P.. 2. Dezember. Die hiesige Ortsgruppe des ״Vcrbandes der Sabbatsfreunde‘ hatte im November v. Js. dem hiesigen Magistrat das Gesuch unterbeitet, in den Monaten Mai, Juni und Juli die Offenhaltung der Geschäfte am Samstag abend von 9—10 l'hr zu gestatten. Das Gesuch, das auch noch von unseren Petenten unterstützt wurde, wurde genehmigt, so daß nach Sabbathausgang noch im offenen Laden gearbeitet werden konnte. In diesem Jahre wurde um Freigabe von 10 Abeuden gebeten. Die Antwort ist zwar noch ausstehend, wird aber zweifellos zustimmend lauteu. L. Schweinfurt 8. Dezember. In seiner Sitzung vom 24. November hatte der hiesige Magistrat in eingehender Debatte über eine Eingabe der hiesigen Firma Jakob Ullmann beraten, die dahin gehe, denjenigen jüdischen Engrosgeschäften, die am Sabbath geschlossen halten, an Sonntagen eine fünfstündige Arbeitszeit und zwar von 7 bis 9 Uhr und von 11 bis 2 Uhr zu gestatten. Wie Referent ausführte, besteht von allen bayrischen Städten bezüglich der Sonntagsruhe in israelitischen Geschäften nur in München eine Ausnahmebestimmung und zwar nur für diejenigen Geschäfte, die jüdische Angestellte beschäftigen. Zu der Angelegenheit wurden drei Arbeitgeber und drei Arbeitnehmer gehört, die sich für Einführung einer 4 bezw. Sstündigen Arbeitszeit an Sonntagen für die oben bezeiebneten Geschäfte aussprachen. — Das Bezirksgremium für Handel und Gewerbe begutachtete für die jüdischen Geschäfte außer den bereits für alle Engrosgeschäftc beschlossenen cinstüu• digen Arbeitszeit noch eine weitere zweistündige, also insgesamt dreistündige sonntägliche Arbeitszeit. — Referent kann sich seiner persönlichen Ansicht nach mit der Eingabe Ullmann nicht befreuuden und stellt den Antrag, dieselbe schon wegen der mit Einführung einer Sonderbestimmuug verbundenen Konsequenzen abzulehnen. — M.-R. Dr. Hurtzig erklärt sich gleich dem Gutachten des Bezirksgremiums für eine dreistündige Arbeitszeit und macht auf die in England und Holland bestehenden diesbezüglichen Ausnahmebestimmungen aufmerksam. M.-R - Neubert bemerkt, daß durch eine Festsetzung der Arbeitszeit für die jüdischen Geschäfte von 11—1 Uhr die anderen Engrosgeschäfte, denen durch Ortsstatut nur eine sonntägliche Arbeitszeit von 8—9 Uhr gestattet sei in Nachteil kämen, da es letzteren unmöglich sei, Pakete, wie dies den jüdischen Geschäften ermöglicht würden, zur Post zu gebeu. Im übrigen sei gerade aus diesem Grunde die Festsetzung der Sonntagsarbeit in Engrosgeschäften auf 8—9 Uhr ein Fehler gewesen. In längeren Ausführungen plaidierte M.-R. Heimann für die Eingabe Ullmann. Er betonte, daß die streng gläubigen Israeliten gegen die übrigen Geschäfte durch Festhalten an ihren religiösen Riten in materieller Hinsicht bedeutund im Hintergrund seien und machte gegenüber dem Einwand des Referenten Härtl, als ob es nicht angängig sei, wegen einiger weniger Geschäfte eine Sonderbestimmung einzuführen,' geltend, daß in der Großstadt München die dort bestehende Aus. nahmevorschrift nur auf die Eingabe von 16 israelitischen Geschäftsleuten in Kraft gesetzt wurde. Er brachte weitere Acußerungen des (Ministeriums, des Staatsrechtslehrers von Seidl, des Münchener Ge. 1 meindebevollmächtigen Dr. Quidde u. a. zur Kenntnis, die die Sonn-!tagsarbeit für diejenigen jüdischen Geschäfte, die am Samstag geschlossen halten, befürworten und beantragte sodann für diejenigen jüdischen Geschäfte, die am Sabbath geschlossen halten, an Sonntagen eine Arbeitszeit von 8—12 Uhr bezw. 8—9 und 10—1 Uhr״ für ’alle Engrosgeschäfte' gütigen Arbeitszeit von 8—9 Uhr an Sonntagen eine weitere Arbeitszeit von 10—1 Uhr festzusetzen. — Heute hatte nun das GemcindeKollegium über diesen Magistratsantrag zu beschließen. Leider fiel der Beschluß ungüustig aus; mit 15gegen 13 Stimmen wurde derselbe abgelehnt. Bei der geringen Majorität, mit dem der Antrag fiel, bleibt aber die Hoffnung, daß es aufklärender Arbeit nicht unmöglich sein wird, die heutigen Gegner unserer gerechten Sache doch noch umzustimmen. ~ Kurirt. - •״ Eine Sabbathgeschiclite von Judaeus. V. jeder gewissenhafte Genosse, mit dem er dort zusammenkain war für ihn ein lebendiger Vorwurf, dem er daher lieber aus dem Wege ging. Er erfüllte zwar im Hause gewissenhaft seine religi- Ösen Pflichten wie bisher, aber er tat es nur, um seiner Pflicht zu genügen; nicht mehr wie früher aus innerem Herzensdrang. Ein jüdischer Geschäftsfreund hatte ihn einmal mit inein. Restaurant genommen und ihn mit Wein regalirt und jankel hatte nicht den Mut die Offerte zurückzuweisen, obwohl er wusste, dass er ein bis dahin heilig gehaltenes Gesetz verletzte. Dazu kam, dass jankel hoffte, durch solche Nachgiebigkeit ein besseres Verhältnis mit seinem Schwiegersohn anzubahnen, was auch in der Tat der Fall war. Als dieser merkte, wie es mit seinem Schwiegervater bestellt war, suchte er sieh ihm zu nähern und ihn für seine Religion des Abfalls, nicht nur durch Hohn und Spott, sondern durch Ueberredung fu gewinnen. Er nahm ihn einmal mit ir. seine Synagoge, damit er einen modernen.Prediger höre■ Dieser predigte so fromm und feurig, wie es kaum der beste Alaggid in U. zu Wege brachte. Als sie nach Hause gingen, fragte Feiwel_ seinen Sohwiegervater: .Nun, wie hat Dir die Droscho gefallen?“■ .Fein,“ sagte jankel, ״wie ein jid reden muss; die Wiener sind keine Narren, wenn sie so viel Aufsehen von ihrem Maggid machen; und was für Mussar und Tauchocho in jedem Wort!!“ ״Nun siehst Du; und dieser Maggid hat ein glattrasirtös Gfcsicht, wie ich es habe, isst und trinkt was ihm schmeckt^ wje ich es tue, und mir machst Du fort und fort Vorwürfe übe“ meinen unjüdischen Lebenswandel.“ jankel wusste nichts zu entgegnen und schwieg. Aber Feiwel fuhr fort: ״Es ist heute halt eine andere Zeit Wir sind allen anderen Bürgern gleichgestellt und da wäre es. sogar unrecht von uns, wenn wir uns durch Aeusserlichkeiten absonderten Nicht auf ׳ diese Aeusserlichkeiten, airf’s Herz und auf die Gesinnung kommt's an, und wenn die recht sind, dann ist das andere Nebensache. Gäbe uns der Himmel ein solches Glück, wie wir es haben, wenn er nicht selber damit einverstanden wäre?״ jankel erzählte, nach Hause zurückgekehrt, seiner besseren Hälfte von diesem neuen Evangelium, das er soeben in der Synagoge und von dem Schwiegersöhne gehört hatte, und meinte, sie müsse auch einmal mit in den grossen Tempel gehen. Was? antwortete Gitel, solange ich lebe, werde ich diesen Mesiss und Mediach nicht hören denn ich sehe ein, wie gefährlich dieser Mensch ist, wenn er Dich sogar berückt hat. Uncf Du lässt Dir solche Flausen vormachen? Stehts nicht im Menauras Hamoaur, dass es schon zu allen Zeiten Leute gegeben hat, die schön gedarschent und schlecht gehandelt haben? Und wenn unser Meschummed von Schwiegersohn sagt, Tallis und Tefillin, koscher und treife wären nur kleinliche Aeusserlichkeiten, und es käme nur auf Herz und die Gesinnung an, dann möchte ich ihn ei mal fragen, wie’s bei ihm mit dem Herz und der Gesinnung denn in Wirklichkeit bestellt ist. Dass man ein guter jude sein und dennoch ein gutes Herz haben kann, das wissen wir• Dass man ein schlechtet Jude sein und dabei ein schlechtes Herz haben kann, das wissen wir auch. Und wenn wir’s nicht wüssten, unser Schwiegersohn hätte es uns selber durch die Tat gelehrt. Das, was Du mir da sagst, hat mir auch neulich unser Mendel gesagt und weiss ich auch, wo die neue ״Thora“ herstammt.“