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Der Sabbath · 1908-09-01 · 9 (9.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
8 (1908)
Issue
9 (9.1908)
Date
1908-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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58 Der Sabbath halten. Aber der Sabbat wird unser lautester Ankläger, wenn wir ihm nicht die gebührende Achtung und Ehre erweisen, ״wenn der uns am Bosch-Hascbono vor Gottes RichtertbrOß begleitende Sabbat die unverkennbaren Spuren unserer ^pehgiltigkeit und Geringschätzung offen an sich träjgtfiyDeshalb bedeutet in Zeiten, in welchen Israel den Willen, seines himmlischen Vaters erfüllt und somit auch dem Sabbat gebührend Bechnung trägt, Rosch-IIaschono am Sabbat ein günstiges Omen für das kommende Jahr, In Zeiten dagegen, in welchen der Sabbat mißachtet und gar öffentlich entweiht wird, muß der Sabbat an .der Schwelle des neuen Jahres zum lauten Ankläger für seine Entweiher werden. Angesichts dieser Erwägung mögen wir wol mit banger Scheu einem Jahre entgegen blicken, das mit einem Sabbat eröffnet. — Schwere Wolken drohen über unseren Häuptern, und aus mächtig bewegter Seele ringt sich in diesen Tagen die Bitte zum Vater der Menschheit empor: .אב*:• דל:;• ־־ש עלע* שנה ט,:־, ,Unser Vater, unser König, gewähre uns ein gutes neues Jahr!“ — Was wir in unseren Tagen täglich an uns selber erfahren, ist so wundertar eigenartig, daß sich vielleicht keine Zeit der jüdischen Diaspora damit vergleichen läßt. Wohl haben wir in den hinter uns liegenden Jahrhunderten härteres und unerträgliches zu erdulden gehabt, als in unserer Gegenwart. Aber in den Zeiten, in welchen nicht nur den Juden gegenüber, sondern überall sonst, das Hecht der Gewalt, die Humanität der Brutalität, das Menschenrecht dem Faustrecht weichen mußte, mochten sich auch unsere Vätgr leichter über die Vergewaltigung trösten, die jhr ganzes Leben bedeutete. In einer Zeit dagegen, welche den Fortschritt, die Menschenliebe, ja selbst die Tierliebe, die Gleichheit und Brüderlichkeit so laut verkündet und sie gerade den Juden gegenüber so ostentativ verleugnet, in tiner solchen Zeit legt uns jeder Tag aufs .nette die Wahrheit nabe: א:•;: דל:;• אין לבד ד־1־ אלא אד. ,Unser Vater, unser König, wir haben keinen König außer Dir.“ Wir haben niemand bei dem wir Schutz suchen und ' finden können, als unseren Vater im Himmel! Wie müßten wir in solcher Zeit mit doppeltem und dreifachem Ernst unser ganzes Sinnen und Streben darauf richten, ■ den Willen Gottes zu erfüllen, und wie hat es trot3d«^ vielleicht nie eine Zeit gegeben, in welcher der Abfäll^Ri Gott und seinem Gesetz so furchtbare Dirnensiönen angenommen hat, als gerade in unseren TageD. Der >SabbaJ1 dieses א•־״ :•;• •;•ן :;־ •ש־אל, dieses Zeichen unserer Unterordnung unter Gott, dieser Maßstab für die Innigkeit - und die Lockerung des Bandes, das uns mit Gott verbindet, zeugt laut gegen uns. Gibt es doch heutzutage große jüdische Gemeinden, in denen sich fast kein einziges jüdisches Haus mehr befimiet, in welchem der Sabbat dem Gestze Gottes gemä^gÄbeiligt und gefeiert wird. Gott hat den Sabbat aber liicftt nur geheiligt, auch gesegnet hat er ihn. Und wi!j£dürften uns wundern, wenn mit der Heilighaltung des Sabbats auch der Segen geschwunden ist, von dem alle Tage der Woche zeugen sollten r; Wahrlich, unserer Zeit wird der Sabbat kein fürsprechender Verteidiger an der Schwelle, des Jahres, in der Stunde sein, in welcher die Entscheidung über Sein und Nichtsein, über Leben und Tod erfolgt 1 — Dieses bedrückende Bewußtsein drängt sich noch nachdrücklicher bei : der Erwägung über den Zusammenhang auf, der zwischen dem Sabbat und speziell zwischen Mizwas Schofar besteht. Mit dem Schofarruf am Bosch Haschono vollzieht sich alljährlich ein großes Wunder in den Beihen der jüdischen ■Zerstreuten. So fern und fremd sie sich auch sonst gegenübersteihen, soweit ihre Ansichten, Standpunkte und Prinzipien über die Verbindlichkeit der göttlichen Gesetze auch auseinandergehen mögen, an der Schwelle des Jahres lauschien sie alle, die Allen und die Neuen, ן die Beichen und dje Armen, die Hohen und die Niederen,! die Gebildeten undj die Ungebildeten dem alten Bufe ihres himmlischen Vaters, dem Schofar. Diejenigen, welchen 1 die prophetische Verheißung, daß einst der Schofar die! Zerstreuten Israels! sammeln wird, wunderbar und unmöglieh dünkt, vergessen, daß sich im Grunde genommen, 1 dieses Wunder alljährlich vollzieht, wenn sich alle versammeln, um den Schofar zu hören, und auch diejenigen nicht fehlen, welche sonst kein Ohr für den fiuf ihres r Gottes haben. i Es liegt eine wunderbare Kraft in diesen schlichten,! geradezu gebrochenen und schwellenden Tönen des alten : Gottessignals. Was die in das Leben und Wirken der Zerstreuten eingreifende Ereignisse, harte Schicksals- Schläge, der ganzeh Gesamtheit drohende Gefahren nicht vermögen, sie nämlich friedlich zu einigen und den Zwist und Hader auch nar vorübergehend vergessen zu lassen, dem Schofar an der Schwelle des Jahres gelingt es. Die ergreifende Gotteshuldigung, die in der bloßen 1 Tatsache liegt, daß alle ausnahmslos sich einfinden, um dem Schofarruf zu lauschen und den Teruahtag in der : von Gott vorgeschriebenen Weise zu begehen, wird viel- ■ leicht nur durch eine einzige übertroffen, indem nämlich, . wenn Rosch-Haschono mit dem Sabbat zusammenfällt, j der Schofarruf nicht ertönt! Daß sich alle dem Kufe beugen, der einst die Gottesstimme am Sinai begleitete, als sich der Vater der Menschheit zu uns herniederließ, um uns sein Wort anzuvertrauen,! dem Rufe, der einst Israel aus seiner Verbannung rufen, und die Gräber sprengen wird, um alle im Tode Ent- ן schlafeneu wieder zum Leben zu erwecken, das läßt sich | wohl erklären und begreifen. Aber noch bedeutsamer; als das gemeinsame Begehen des יום ת־ועה, des Teruah-; Tags auf weitem Erdenrund, ist das Gedächtnis der : Teruah, ,יז:־ון תייער wenn Rosch Haschono mit dem Sabbat zusammenfällt. In Paris und in London, in New-York und Melbourne, I überall, wo jüdische Herzen bangend dem Beginn des I neuen Jahres entgegen schlagen, verstummt der Schofarruf vor der Heiligkeit des Sabbat! Ist dieses Verstummen des Schofarrufes nicht noch eine lautere Gotteshuldigung? Sie erscheint noch bedeutsamer, wenn man sich 1 die Ursachen vergegenwärtigt, warum in Wirklichkeit j Tekias. Schofar der Heiligkeit des Sabbat weichen muß. ן Das Blasen des Schofar an und für sich zählt nicht unter; die am Sabbat verbotenen Arbeiten. Wenn jemand, außer ־אש ישנה, am Sabbat mit dem Schofar hantieren würde, I so hätte er sich damit keiner Entweihung des Sabbat schuldig gemacht. Das Verbot, auf dem שופר zu blasen, wenn ־אש השנה mit dem Sabbat zusammenfällt, beruht j lediglich auf einer Anordnung unserer Weisen. Im heiligen Drange, die Mizwa des Teruah-Tags erfüllen zu wollen, könnte jemand aus Vergeßlichkeit das Verbot des Tragens am Sabbat außer Acht lassen und den Schofar aus dem 1 Einzelbesitz in den öffentlichen Besitzkreis bringen oder denselben vier Ellen weit auf offener Straße tragen! , Welche Flut von Gedanken und Erwägungen regt | doch diese eine Anordnung an! Ein ausgesprochenes ' Gottesgesetz tritt zurück wegen einer von den Weisen j erlassenen Anordnung, ja wegen der bloßen Möglichkeit, es könnte vielleicht ein Sabbatgesetz übertreten werden. Und es gäbe doch so viele Mittel, um derartige Möglichkeiten von vornherein auszuschließen. Oeffentlich und unter Zeugen könnte man doch am ערב ראש השנה den Schofar in die Synagoge tragen und so jeden Irrtum nach

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