Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 11 & 12 (Nov-Dez. 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Der Sabbath. a ״Wie viel hätten wir mit dem Los gewonnen?“ fragte Gitel. - ״ . ׳Beim höchsten Treffer wären 300 000 Gulden herausgekommen “ .Aber es wäre auch möglich, ,dass man nichts gewinnt?“ ״Allerdings, und dass man sogar den Einsatz verliert." ״Dann,“ meinte Gitel, .hast Du Recht gehabt, dass Du das Los dicht gekauft hast. Und wenn auch das Los mit dem hoch- - ‘steif, Treffer herausgekommen wäre, w.'e hätten wir das erfahren?“ '/Das kann man erfahren,“ meinte überlegen Jankel. ״Rabbi Lob Bamljerger btkommt jeden Tag von Wien die Zeitung, da steht Alles drin. — Aber das sind alles Hewel Hawolim. Erstens hätten wir doch auch nichts gewinnen können und zweitens hät;e cs Rischus Bei dem Gutsherrn und bei der Hofmagd gemacht, wenn wir mit dem Los von der Kathinka 300 000 Gulden gewonnen hätten.“ j*für 300 000 Gulden hätte ich mir schon etwas Rischus gefallen Jfcsen,“ meinte Gitel. ״Aber so ist es gewiss besser. Es ist guttfdass Du das Geschäft nicht gemacht hast.“ Da^&Lwar die Angelegenheit am Freitag erledigt — Aber am ^abbaMf&iachmittag, just um die Stunde, als wir den Leser in - JanÜpfs l&n)iche Wohnung führten, kam dieser wieder auf die Saci^ izuAk.;. " ' ״len ,.lese da eben von Korach's Reichtum und ich weiss doch nicht, ob ich recht getan habe, das Geschäft mit der Kathinka so von der Hand zu weisen. Sie hat mir Zeit bis. heute Abend nach Häwdolo (Sabbath-Ausgang) gelassen und wenn ich nicht hingehe, ist auch zu befürchten, dass sie den roten Leiser in’s Vertrauen zieht und für die Folge alle Geschätte mit ihm macht.“ Gitel, die schon im Begriffe war einzuschlafen, schnellte wie elektrisirt in die Höhe. ״Dass Du an Schabbos gar von solchen * Sachen reden magst, ist gewiss eine Awera (Sünde», Was sollen; W'if Uns auch in so grosse Geschäfte einlassen? Haben wir's nötig, . unsere ganze Baarschaft auf eine einzige Karte zu setzen? Es ist wahr, wir haben wenig, aber w ir brauchen auch wenig. Wir haben dooh jeden Tag Kaffee mit Kartoffeln und Zw'iebcfn und fast jeden Tag ßrod. Am Schabbos haben wir Fleisch, Fische und Rosinenwein, wie der erste Kozin, was wollen wir noch mehr?“;•( *,300 000 Gulden ist viel Geld,“ meinte lankel- '״>;;Und fünf Gutden wagen, heisst unsere ganze Baarschaft! auf’s Spiel setzen; was machen wir, wenn das Los nicht heraus-; kommti'1 entgegnete Gitel. Ais Antwort auf die Trage folgte ein tiefes, ■friedliches! ־-'Schnarchen. Der Sabbath-Nachmittag-Schlaf ist stärker, als alle j . glänzenden Gewinnaussichten. Gitel nahm ihre Lektüre in dem; Frauen-Erbauungsbuch wieder auf. Wir wissen bereits, dass heute! die Geschichte von Korach im Gotteshause aus der Thora vorge- . lesen wurde Die wunderbare Begebenheit fand Gitel in ihrem : ״jt.JZeeno Ureno wunderbar schön erklärt. Wie es zwei weise Leute; );־Hin alter Zeit gab, einen unter den Juden, das war Korach, und einen j (!"/unter den Heiden, das war Haman. Der eine ging durch seinen! ' Reichtum unter, der andere ,kam durch seinen Reichtum in die I Höhe, abar in die halsbrecherische Höhe von 50 Ellen, die sein ' Galgen rria?$. Beide wurden durch die Ehrsucht ihrer Frauen in’s! Verderben gestürztt Gitel fand es wunderbar, wie das Alles zu ihrer augenblicklichen Lage passte und schätzte sich glücklich. ■ dass sie die Sucht, auf so waghalsige Weise reich zu werden, so- •' fort■ bei ihrem Manne im Keime erstickt habe. Aber Korach war noch nicht versunken, als auch Gitel bereits in Schlaf versunken war. jetzt waren alle Meinungsverschiedenheiten geschlichtet und alle Sorgen hatten ihr Ende erreicht. — Zehn starke Dinge, sagt ein jüdischer Weiser des Talmud, giebt es in der Welt, aber der Schlaf!yt der stärkste von allen. Stark ist der Berg, aber das Eisen ist stärker, es durchbohrt ihn. Stark ist das Eisen, aber das Feuer ichmifdet es. Stark ist das Feuer, aber das Wasser löscht es. •Stark ist" das Wasser, aber die Wolken tragen es. Stark sind die Wolken, aber der Wind zerstreut sie. Stark ist der Wind, aber der menschliche Körper trotzt ihm. Stark ist der Körper, aber die Furcht bricht ihn. Stark ist die Furcht, aber der Wein verscheucht sie. Stark ist der Wein, und der Schlaf bewältigt ihn. Wenn das vom gewöhnlichen Schlaf gilt, so gilt es noch ■mehr vom Schabbos-Nachmittag-Schlaf, dem die Helden unserer Erzählung nun ihren Tribut zollen. rv -zr* Sabbath. Sechs Tage schwerer Arbeit sind's gewesen, Doch nun kehrt ein der Sabbath-Kuhetag, Und von dem Druck soll Israel genesen, Der in der Woche lastend auf ihm lag. ז, Nicht nur der Arbeit Mühen zu ertragen, Für Lebens Notdurft, heischt von ihnen Pflicht; — Geduldig hören, was die anderen sagen, >v Mit Hohn dem Juden in das Angesicht. Das war der Woche tief empfund’ne Schwere, Die mehr als Arbeit, Last und Mühe quält. Die zu ertragen für des Glaubens Ehre, Dem Volke nimmer hat der Mut gefehlt. Befreiung bringt des Sabbath reicher Segen, Von allem was Euch quält und niederdrückt; Er führet eurem Gotte euch entgegen, Lässt euch empfinden, was euch hochbeglückt. So leiht er Schweigen der befreiten Seele. Nicht bloss den Händen Müsse er gewährt, Dass frei von Alltags D11:ck und Sund und Fehle, Sie liebend ihrem Gotte sich vermählt. —, Es sitzt vor seiner Türe mit Behagen, Wo sonst die Strasse laut und lärmerfüllt. Im Anzug, der am Sabba'h nur getragen, Er als;des Friedens und des Frohsinns Bild. Die Mütter hält er zärtlich jieb umschlungen, Die an׳ der Väter Sprüche sich erfreut, Der arfd're Arm hält fest den lieben jungen, ln dem der alte Glaube sich erneut. Und alle Liebe, die sein Herz empfindet/ Für Weib und Kinder und die Mutter traut, Wird dankbar bittend von dem Blick gekündet, Mit dem er innig auf zum Himmel schaut. Die Magd sitzt an das Tor gelehnt bescheiden, Die Katze schläft im waimen Sonnenlicht; — Die Arbeit sollen Knecht und Tier selbst meiden, So fordert er des Sabbath heil’ge Pflicht.־ Und da er’s fordert, sollt man von dem Glauben, Doch nimmer sagen, dass er Lieb’ entbehrt, Wer Sabbathruh’ dem Fremdling nicht lässt rauben, Hat wahrlich auch die Nächstenlieb’ gelehrt. Doch Abend wird's! Der Sabbath zieht von hinnen! Und mit den beiden jüngsten an der Hand, Geht Mutter, da die letzten Stunden rinnen, Im Zimmer her und hin, von Wand zu Wand, Und singend betet sie die alte Weihe, Zu Abra’m, Isaak und jakob’s Gott, Dass er als Hort des Volkes sich erweise, Und ferne von ihm halte alle Not. Dem Sabbath gibt sie also das Geleite, Und betet für der neuen Woche Glück, Doch ztir Hawdalah man sich jetzt bereite, Vom Te^npel kehret Vater schon zurück. Wohl über Becher's Rami muss überfliessen Der Wejn zum Zeichen, dass im Ueberfluss Dem Häusc werde jegliches Gemessen, Als Sabbaths hoffnungsvoller Scheidegruss. — Wie er sich müht, dass er recht hoch es trage, Der kleine Schelm das vielgewund’ne Licht, Damit nach alt bedeutungsvoller Sage Er einst ’ne grosse Frau zum Weibe kriegt. Zum Schlüsse an dem silbernen Gehäuse, Gefüllet mit Gewürze riecht man noch Und wünschet sich in dem Familienkreise, Dass Kraft das gebe für die ganze Woch! Georg Kuttner, (Alt-Israel.) \ Silben-Rätsel. Von Rosa M. Maier. Geschenkt von Gottes güt’gen Hand, Sind meine ersten Zwei; Wer dieses voll und wahr erkannt, Hat süssen Lohn dabei. Mein Drittes, auch.’derHerr fand’s schön, Da er gebot: es sei; Wer stets zu ihm emporgestrebt, Er ist in Fesseln frei. Und wenn mein Ganzes niederschaut, Da schwindet banges Weh; Ein Lob ist jeder Augenblick, Für ihn, der in der Höh’! (Aus dem .Israelit1884 ,״).