Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 9 (9.1907)
- Date
- 1907-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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September )90?. 7• Jahrg. No. 9. $ —•> (Donafsblcitf <•— zurpörderung der Sabbathheiligung 1m iocialen und wirticbaftlicben Geben der Gegenwart. 1־ •׳- <1cs Organ des Versandes der Sabbathfreunde. des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit- Frankfurt a. M . des Ve׳ems für Stellenvermittiür.g, Berlin, des Stellenvermittlungsvereins jüdischer Kaufleute. Ereslau und des Isr. Steller.vermittlungsVereins. Harrtburg. Verlag: | Redactlon: Verein zur Versicherung gegen Mellenlosigkcit, Frankfurt 1< ג,' j Dr. Ed. Biberfeld, Berlin. Centralbureau des Verbandes der Sabbathfreunde: Berlin C., Heldereutergasse 4. Die Mitglieder des Verbandes und der Stellenvermittlungsvereine zu Berlin, Breslau, Frankfurt und Hamburg erhalten das Monatsl.ln ,Der Sabbath“ unentgeltlich. Bezugspreis für Nicbtmitglieder Mk. 3.— jäbrlitb. — Anzeigen 30 Pfennig die viergcspaltene Petitzeilo. 1<i Jahresaufträgen Babatt. — Correspondenzen für die Bedaetion an Dr. Ed. Biberfeld. Berlin (.'., Heiderrntergasse 4, alle sonstig‘ n Mitteilungen gescbäftlieber Art an die G e se 1; ä f ts 1 e 11 e des »1 r S.11 1> b’a t h“, Frankfurt a. M., Nene Z e i 1 ("י. Nachdruck -der Artikel mit Quellenangabe eiwünscht. VF.KEIMiKrKF.UlX: Berlin fl.: Jtisnbijouplatz 10. Breslau. Schmeidnitzerstr. 2). H a m b u r $ 6•: (jaralinenstr. 32 1- Frankfurt a. W.: Schiilzensfr. 14. . Die Peah. Berlin, ini Septeinlier. Es iliirfie unseren Lesern erinnerlich sein, dass der ,Verband der Sabbathfreunde“ im April v. ■Ts. mit einer Schöpfung vor die Oeffentliclikeit getreten ist. die dazu dienen sollte, ungelernten Arbeitern, die den Sabbath nicht entweihen wollen, Gelegenheit zu geben, sich ihr Brot auf ehrliche Art zu verdienen; wir meinen die .jüdische Btockensammlung Peah“, welche scheinbar wertlose Gegenstände aus Geschäft und Haus einzuholen und durch Restauriren und Sortiren derselben eben jenen Arbeitern Arbeit und Veidienst zu verschaffen bestimmt ist. Was mit diesen unscheinbaren Dingen geleistet werden kann, erhellt aus der Tatsache, dass in den ersten ß Monaten ds .Ts. bereits an 255 Arbeitstagen 798 Arbeiter beschäftigt werden konnten, welche ausser Kleidungsstücken und Hausrat Mk. 2124 an Lohn verdienten. Und dabei befindet sich das Unternehmen, infolge der Schwierigkeit ihm die Bekanntschaft einer grösseren Oeffentlichkeit zu erschlossen, noch immer in seinem Anfangsstadium. Eine ansprechende Schilderung, die das Interesse unseter Leser sicher sein darf, entwirft in den hiesigen jüdischen Blättern Heir Dr, Arthur Kahn wie folgt von dieseniv Institut: ,Wenn ich im Nachstehenden einen Verein schildere, fler> obgleich er ausschliesslich dem Woble der Armen dient, keinerlei Geldbeiträge von seinen Mitgliedern verlangt, so darf man wohl behaupten, dass ein solcher Verein vielleicht uicht seines gleichen hat. trotzdem seinen Hauptzweck, die Unterstützung armer Juden, in ausgiebiger Weise erfüllt. Die Mitgliedschaft ist ebenso leicht zu erlangen, wie es sehr einfach ist, sogar lebenslängliches Ehrenmitglied za werden, ohne dass eine Ballotagc oder eine Abstimmung, oder die Verpflichtung zu einem Geldbeiträge, also Eintrittsgeld notwendig wird. Den Mitgliedern erwächst einzig und allein die Verpflichtung, diejenigen Gegenstände, deren sie sich entledigen.wollen, die sie nicht mehr gebrauchen, ja, deren Besitz ihnen sogar lästig geworden ist, dem Verein za überlassen. Also, niebt nur, dass man keinen Beitrag zn zahlen hat, erspart der Verein sogar seinen Mitgliedern den Transportlohn für überflüssiges Gerümpel und bedankt sich noch obendrein! Es durfte denn doch nicht wenige Leser gehen, die über diesen merkwürdigen Verein etwas Näheres zu wissen wünschten, um dann, was sehr lobenswert wäre, sich die Mitgliedschaft zu erwerben. Ich bitte daher die freundlichen Leser und Leserinnen, mir in’s ,Vereinslokal“, d. 11. in die Arbeitsstätte ftdgen zu wollen, denn mir dort und nicht in einem eleganten Sitzungszimmer werden die .Geschäfte“ des Vereins abgewickelt, ln der -Neuen Friedrich.-trasse, oherhall) des StadtbaL nliofs Alexaiiderplatz neben dem imposanten Gebäude des Polizeipräsidiums erhebt sich ein aljteä Bauwerk, das Mitte des ls. Jahrhunderts entstanden, vielleicht ehemals ein Kloster oder eine Kaserne gewesen sein mag. Es trägt die Hausnummer;),׳<«, was ich zu merken bitte Dufeli die Toreinfahrt gelangt man in eineu riesigen, von zwei langhin^, sireckun Seitenflügeln flankierten Hof. Im linken Seitenflügel hetindel sich, wie ein kleibc.- Ncliild uns anzeigt. die .Peah“. der in Bede stehende Verein. Auf breiten, hequemeii, aber schon stark ausgetretenen Treppen gelangt;!! wir zu einem ebenfalls verschwenderisch breiten Vorraum. der rechts und links in einen sich in Dämmerung verlierenden Gang mundet. Viele Türen, die nummeriert sind, führen i!1 die Wohnungen armer Leute, kleiner Handwerker usw. An! äussersten Ende, wo es -ilion wieder etwas heller wird, hetindet sich .die Aufschrift: .l'cait, jüdische Brockeiisanimlung“. Nun wissen die verehrten Leser, wer die Itarne Peah ist. eine K r o c k e n s a 111 1111 c r i 11. Was eine lirorkensamm- Iung ist, wissen aber die meisten laute doch nur halb, und schon darum durfte es interessieren, über das Wesen derselben etwas Näheres zu erfahren. Während man vor noch nicht langer Zeit alte Gegenstände, die int Haushalt nicht mehr verwendbar und seihst für die Aermsteii unbenutzbar geworden waren, entweder auf den Schutthäufen oder in's Feuer warf, ist mau in der netteren Zeit hierin viel praktischer und sparsamer, wiewohl die meisten Dinge billiger geworden sind, als sic früher waren. Heute wird fast gar nichts achtlos fortgeworfen, weil es nicht mehr zu verwenden ist, sondern man schenkt es der Brookensainintuiig, die seihst die unscheinbarsten und wertlosesten Dinge nochmals einer nützlichen Verwertung -zuführt. Gebrauchsgegenstände, deren man überdrüssig ist, die in den knappen, ׳ teueren Käumcn einer Grossstadt-Wohnung nur im Weg« sind, die im Keller schimmeln, auf den Böden den •Motten eine willkommene Niststätte bieten, im Hofe oder in der Rumpelkammer unverdient den Kaum noch mehr versperren, wandern heutigen Tages in die Jirockensnmmlung, wo sie mit Freuden angenommen, einer nochmaligen Metamorphose unterzogen und schlifsslidh wieder gebrauchsfähig werden. Fm Irrtümer vorzubeugen, sei bemerkt, da-s keineswegs üur absolut altes Gerümpel in die Rrockensammluug zu wundern | pflegt. Es kommt sogar zuweilen Tor, dass Begüterte, die das Glück habeD, ihr Heim mit neuen Dingen schniuckeu zu können, ohne auf den geringen Erlös für die alten heim Händler sehen zu müssen, das | entbehrlich Gewordene der Brockensanimlunn zuwenden. -£0 hat vor j Kurzem ein generöser Junggeselle, der sich verheiratete, seine kost- | bare Einrichtung der Peah geschenkt, wofür er zum lebenslänglichen | Ehrenmitglied ernannt wurde, im Folgcipfbn sei ein allerdings nicht j vollkommenes Bild von dem gegeben, wNis sich in einer Brocken- Sammlung zusammenfindet, nachdem es inPHausbait entbehrlich oder * invalide, in Fabrik-, Geschäftsläden etc. in die Ecke gefegt oder zum fti.