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Der Sabbath · 1906-11-01 · 11 (11.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
11 (11.1906)
Date
1906-11-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Der Sabbath 80, Dörjfcii wairp ״heilig's rfltit! was war das für ein Gesöffe, das uns’Dein Vetter Rampergdörfer heute in Klosterneuburg zu Besten gab. Als uns der alfi Herr mit dem Kugelwanst und der Kupfernase behaglich schmunzelnd in seinem Keller herumführte und uns die!blanken Fässer entgegen lachten, von denen so manches die ehrenvolle Inschrift Anno 1389 trug, da konnte ich nicht umhin zu denken, es wäre eben so schlecht nicht, wenn das Collegium samt Professor und Zugehör nach Klosterneuburg verlegt und statt dem röjmischen Retht der österreichische Wein uns vorgetragen würde.“ : Per Schlagnitweit zollte dem Spasse seines Gefährten allen- Beifall und fuhr fort: .’sist denn doch nicht das Rechte beim Vetter Rampersdörfer in Klosterneuburg; da sitzt der alte Hageprunk allein •zwischen seinen Geldkisten und. Weinfässern; uns aber ist Gott Bächus ein langweiliger Schlemmer, so nicht Frau Vfenus mit ihm sich paart. Wären nur ein par hübsche Muhmen inj) Hause gewesen, lunge. es hätte ein Seelengaudium gegeben•“ I (f^Jch habe auch nichts gegen feinen Kuss in Ehren,“!׳ersetzte Thonfcjf pfiffig lächelnd, .aber, da es nun einmal ־nicht i möglich wafcjSP ™üssen wir denn schon mit dem Rebenblute vorlieb neliiTW. Aber halt! gar so unmöglich wäre es denn׳ doth nicht, dass wir heute geküsst einritten in die verwitterten Tore <ler alten Fabiaoa.“ , ״Wie meinst Du das!“ fragte Diether aufhorchend., ״Du weisst,";nahm Thomas das Wort, ״dass der sehr gelehrte Herr Dr. Garberius ein-ganz absonderliches Studium auf!die hebräische Sprache verwendet. Da ich nun־ unlängst den /ilten hesuchte, finde ich bei ihm einen Juden, der ihm an die Hand geht beinjlnterpretiren der alten Mosesbücher; wir reden zusammen und so erfahre ich denn, dass er Ephraim Reubl heisse und aus Mussdorf sei. Wie der Jude sich entfernt, erzählt j mir der Ddktor, dass derselbe nicht blos ein guter Sprachkenner,) sondern auqh der Vater eines lieblichen Töchterleins sei, welches! an Anmwt seines Gleichen suche im Lande.“ . ״üml wir sind bereits in Mussdorf!“ rief Diether.|auf des Gefährten Gedanken eingehend.! ״So ist's,“ meinte Breitner, ״und wir wollen unser Glück versuchen bei der schönen Jüdin.“ Sie hatten die ersten Hütten des damals höchst armseligen f|ins erreicht, wdlche vom Schnee überwölbt kaum sichtbar p zwischen den Geländern und Felsen des L'fers. Mfeben den Weinbauern und Holzschlägern hatten sich hier des Geschäftes wegen einige Judenfamilien angesiedelt, um die ersten zu sein, welche mit den von Passau und Regensburg kommenden Kaufschiffen verkehrten. Abseit von den andern, standen ihre schlechten niedern^JJläuser, kein Rauch stieg aus den beschneiten Schornsteinen und tiefes Schweigen herrschte ringsum, als die beiden Reiter auf die Tür des ersten Hauses zuklepperten. ,Könnten wir nicht dem Juden das Tor einreiten •und ihm •in wenig die Fenster zerschlagen?“ fragte der Schlagnitweit mit jener mittelalterlichen Roheit, die jede Misshandlung, jede Bedrückungjyteines geknechteten Volkes für erlaubt, ja wohl gar für ein vermenstvolles Werk hielt. ״Was fällt Dir ein,“ versetzte Thomas, der in seiner echt österrgchischen Gutmütigkeit durchaus nicht gewillt war, irgend Jemanden das Geringste zu tun, .leben und leben lassen, so halte ich’s. Warum denn die armen Leute in Angst versetzen, was sollen ״qife da drinnen zittern, da wir doch selbst heute einen guten Tag' hjtt.n * Schlagnitweit stand von seinem Vorhaben ab, nicht weil die humane Ansicht seines Freundes ihm eingeleuchtet hatte, sondern weil ־er's nicht der Mühe wert fand, über einen Juden viel Worte zu verlieren. *Sie hatten die Hütten erreicht, und Thomas klopfte an eines der niedern Fenster Gleich darauf erschien ein altes grundhässliches Weib und fragte demütig nach der gnädigen Herren Begehren. ״Wohnt hier Ejjhraim Reubl?“ fragte Breitner, seinen Gaul streichelnd. Das Weib zeigte auf das Haus gegenüber.!Seid bedankt. Muhme Sara, tuid der Himmel erhalte Euer holdselig Antlitz,‘ rief der Schlagnitweit und folgte mit seinem Gefährten der angedeuteten Richtung. Beide stiegen vom Gaule u!yJ b^ndfen die stampfenden Tiere an den nächsten Baum, dann polterten sie ungeduldig' an die Haustüre und riefen mit lauter Stimme um,Einlass. Ein kleiner Junge mit feinen Orientalischen Zügen öffnete und sah mit dunklen, scheuen Augen auf die beiden Männer, die unverzögert mit klirrendem Schritt in den Hausflur traten, während Schlagnitweit den Jungen fragte: ״Ist Dein Vater zu Hause, Bube!" ^Nein, gnädigster Herr,“ versetzte der Knabe, ״der Vater ist j gen Wttn gezogen zum Arzte . da die Mutter an harten Gebreste leidet, und im Hinterstübchen liegt.“ ״Ist Deine Schwester zu Hause?“ fragte Thomas- ״Regina!“ gegenfragte der Junge verwundert, indem er sich vor die Tür der Stube stellte, ״was wollt Ihr von meiner Schwester, sie hat keine Zeit und muss die Mutter warten.“ ״Du willst, uns doch nicht wehren einzutreten,״ zürnte der Schlagnitweit, ״Willst Du aus dem Wege Balg,“ und mit kräftiger Hand, packte er den bestürzten Jungen, ,und schleuderte ihn zur Seite. ״Nun, dafe ist ein gesegneter Eingang,“ lachte Breitner, ״müsst Du schon an der Tür Händel anfangen. Du heilloser Raufbold, willst die Schwester küssen, und schlägst den Bruder, das machst Du klug.“ Und er wandte sich freundlich lachend zu dem Knaben und rief: ״He, mein Junge, was fällt Dir ein, zu heulen. Der Herr da hat’s so böse nicht gemeint, oder glaubst Du vielleicht, dass er der Knecht Ruprecht ist, und Deine Schwester mitnehmen will.“ Nachdem Thomas so nach seiner Meinung den Knaben getröstet, folgte er seinem vorausgegangenen Gefährten und trat in die Stube. Obwohl armselig, war die Stube dennoch nicht ohne einige Gegenstände, die auf eine gewisse Wohlhabenheit des Eigners schliessen Messen, und obwohl es bereitsdunkler ward, und der Abend durch die Hornfenster nur trübes Licht hereinwarf, so sah man ■doch an der Wand manch schmuckes Geräte blinken, ein Zeichen von des Hausherrn reger Tätigkeit im Handel. Aber der schönste Schmuck der Stube war die liebliche Jungfrau, die am Tische stehend aus allerlei heilsamen Kräutern einen Saft bereitete, zur Stärkung für die kranke Muttier. Regina mochte kaum über fünfzehn Jahre zählen; nichtsdestoweniger prangte sie, wie dies häufig der Fall bei des Orients frühreifen Jungfrauen, in vollendeter Schönheit; das edle, bleiche Antlitz mit den mild schmachtenden Augen wurde umfangen von der Haare dunklem Lockengeflecht; von dem Nacken bis zur feinen weissen Hand war alles Schönheit und Grazie. ״Sei uns gegrüsst, Wunderblume des Morgenlandes!“ rief Breitner, dem es nicht an jenem poetischen Sinn fehlte, der den fahrenden Schülern des Mittelalters eigen war. Die Jungfrau errötete tief, und versetzte ein Tuch umwerfend: ״Seid bedankt Ihr Herren, doch vreiss ich nicht, was uns die Ehre Eures Besuches verschafft, da i< h Euch nicht kenne, noch mich zu erinnern weiss, dass Ihr je bei meinem Vater gewesen seid.“ ״Doch waren wir bei ihm,“ versetzte Thomas, während Schlagnitweit mit glühenden Blicken die schöne Gestalt verschlang, ״zwar nicht in Nussdorf, aber in Wien, ifnd wir wollten heute bei• ihm vorsprechen.“ ״Der Vater ist nicht zu Hause,“ s,!gte Regina. ״Das haben wir bereits von Eurjm Bruder gehört,‘ fuhr Breitner fort, ״aber deshalb werdet Ihr uns wohl nicht vor die Türe stossen, denn ’sist kalt und der Schnee weht wie Nadeln. Hier aber brennt ein lustig Feuer; vielleicht kommt Ephraim zu״ rück, und bis dahin, so es Euch angenehm plaudern wir zusammen■“ ״Ja, und küssen eins zusammen,“ sagte Schlagnitweit auf seine tölpische Weise. Das Mädchen heftete einen erschrockenen Blick auf den Junker, in dessen Kopf allgemach der Gt ist des Klosterneuburger Weines, den die Kälte bis jetzt niedergeh, ilten, von der Wärme der Stube befreit, sich breit zu machen begann. ״Siehst Du, Bruder Thomas,“ rief 1!r, indem er sich bequem in einen Sorgenstuhl pflanzte, ״siehst Du, so bin ich, Bruder, immer gradezu und ohne Umschweife, was plauderst Du von Vater Ephraim und Gott weiss was; wir wollen einen süssen Kuss, und ich glaube, das w'ird der Jungfer lieber sein, denn alles Andere “ Regina war über die Rede des frechen Menschen zum Tode■ erschreckt noch bleicher geworden, und wandte sich flehend zu Breitner: ״Herr, helft mir, Ihr habt so ein gut Gesicht, und da Ihr meinen Vater kennet, so werdet Ihr nicht wollen, dass seine lochter beleidigt werde von dem trunkenen Manne dort.“ ״Judendirne, hüte Dich!“ rief Schlagnitweit mit dem Finger drohend- Sein Auge glühte düster, und er biss die Lippen zusammen, denn die Geister des Zornes und des Weines kämpften in ihm um die Oberherrschaft. ״Was fällt Dir bei,“ sagte Thomas, ihn zu beruhigen, ״wer wird denn so bärenhaft zutappen, Bruder Diether; komm’ heraus״ die Nachtluft wird Dich abkühlen.“ (Fortsetzung folgt..) *e *e ♦s *5 ♦8 Erfahrener Kaufmann mit Mark 6 bis 10000 Kapital sucht active Beteiligung an שבח geschlossenem Unternehmen. Offerten unter L. N. 14 an die Exped: dieses Blattes. 3* 9* 3f ׳»8 *8 +3 +3

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