Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1906-11-01 · 11 (11.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
11 (11.1906)
Date
1906-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4874912-5428444-5428511--144-4875034
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Sabbath פ / Zur Schaffung eines Greditinstitutes.! Von M'o|ri t z A. Loeb, Fiankfurt a.'M.! i Die Organisation unseres Verbandes hat die ersten 1 Schwierigkeiten glücklich überwunden und scheint nunj mehr in ein Stadium einzutreten, wo ihre weitere Ent- Wickelung nicht mehr allein abhängig ist von der Tätigkeit der Wenigen, die es zuerst unternahmen, den Gedanken zur Tat zu gestalten. Bestehen doch heute schon mehr als 50 Ortsgruppen in. allen Teilen Deutschlands, die zusammen weit über 3000 Mitglieder zählen, und kommen doch in jeder Woche neue hinzu. Der Umfang, den unsre Bewegung angenommen Hat verpflichtet uns natürlich dazu, die Erwartungen die wir wachgerufen haben, möglichst schnell durch greifbare, praktische Resultate zu rechtfertigen. Als vornehmstes Mittel, um zu diesen Resultaten zu gelangen, haben wir von Anfang an die Errichtung eines Kredrt- Institutes bezeichnet, das den am Sabbath Festhaltenden die Schaffung einer selbständigen Existenz ermöglichen; oder wenigstens erleichtern soll. Die folgenden Auslüli- ( rungen sollen nun zeigen, dass die Schaffung und Krimi- ן tung eines solchen Institutes möglich ist; ferner dass die : von ihm ausgehenden Wirkungen geeignet sind, innerhalb ׳ bestimmter Grenzen einen tiefgehenden Einfluss auf die Lösung des Sabbatproblems in der Gegenwart auszuüben. Woran liegt es, dass die Entweihung des Sabbaths in unserer Zeit so ungeheure Dimensionen angenommen hat:' Ist die Wertschätzung des von Gott eingesetzten Ruhetages geringer geworden? Hat das allgemeine religiöse Empfinden eine Absclrwächung erfahren? Kommen unsere Rabbiner und Lehrer, kommen unsere jüdischen Fachblätter nicht mehr ihrer Pflicht nach, auf die Bedeutung des Sabbath immer und immer wieder hinzuweisen? Nichts von alledem! Die mechanisch-materialistische Weltanschauung hat in den letzten Decennien auch vor dem Forum der veraussetzungslosen Wissenschaft Niederläge auf Niederlage erlitten und Hand in Hand damit geht durch die Kreise der Gebildeten aller Konfessionen eine Belebung des religiösen Gefühls, wie man es vor 30 oder 40 Jahren für unmöglich gehalten hätte. Getragen von dieser Strömung, begünstigt von den Ergebnissen der sozial-hygienischen Untersuchungen, ist heute nirgends ein Streit mehr über den hohen, einzigartigen Wert, der dem ״Sabbath“, dem Tag vollkommener Ruhe, ethisch und hygienisch, für den Einzelnen wie für die Volksgesamtheit; zukommt. Welche Bedeutung endlich der Sabbath für Bestand und Fortdauer des Judentums hat, das ist vielleicht zu keiner Zeit bis tief hinein in die Reihen unserer am weitesten links stehenden Brüder, so ausführlich in Wort und Schrift dargelegt und auch allseitig anerkannt worden wie in unserer Gegenwart. Und das Resultat aller dieser so günstig scheinenden Faktoren? Wir haben es am Eingang unserer Ausführungen schon vorweg genommen: Eine Sabbath-Entweibung von so riesenhaften Dimensionen, dass auch Männer, die fest auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, Zu dem Schlüsse kommen: ״Vorbei ist es mit dem Sabbath“! Die Lösung dieses Rätsels ist sehr einfach: . Alle jene so günstigen Faktoren, sie liegen auf dem geistige n Gebiet, sie wirken auf den Einzelnen nur allmählich und werden abgestumpft und abgeschwächt, wenn nicht ganzlieh aufgehoben durch eine ganze Reihe anderer, w i r t - schaftlicher Faktoren. Durchmustern wir die letzteren, so stossen wir vor allem auf die Verschärfung des Kampfes ums Dasein, den wir Al;e verspüren. seit Deutschland aus dem Agrarstaat, •len es noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts bildete, zum Industrie und Handelsstaat geworden ist und den K-impf 1;n die Herrschaftauf dem Weltmarkt kühn und siegvtrhei «send aufgenommen hat. Einmal angeschlossen an Weltmarkt und Weltwirtschaft, ist die ganze erwerbstätige Eevölkerung eines Landes dessen Fluctuatior.en preij-gegeben. Det Industrielle, der Kaufmann, der Handwerker,;elbkt der einfache Arbeiter, sie können heute in ihrer Existepz begünstigt und geschädigt werden durch Ereignisse die sich um viele Tausende von Meilen von jbnen entfernt abspielen. ץ , Sind'die Entfernungen selbst , ja ip ihrer Wirkung so gut wie aufgehoben, seit der Mensch den elektrischen Funken in seinen verschiedenen Formen zu seinem Boten _ zu gestalten wusste- Da gilt heute vor allem liir den wirtschaftlich Selbständigen der Spruch: ״Bereit sein ist alles“!, d. 11. stets auf dent Sprung zu ‘ sein und die wechselnden Conjuncturen wahrzunehnten, unr so den Ge-% fahien, die plötzliche Aenderungerr der Wirtschaft! eben Lage mit sich führen, nach Möglichkeit aunzuweichen. Wie wenig scheint es nun mit diesem obersten G;setz . des Wirtschaftslebens vereinbar, dass der Jude, wen:1 am sechsten Tage der Woche die Sonne sich neigt, er und er allein, seinen Betrieb still stehen lassen!soll. Der 11dustrielle soll seine Maschinen, der Kaufmann sein Bureau, der Handwerker seine Werkstätte verlassen, während ringsum noch das volle, hastige, eilige Treiben un^ bekümmert und unbeirrt seinen Lauf nimmt. Und volle 25 Stunden soll diese Ruhepause dauern, eine-Spanne Zeit, die vor 100 Jahren vielleicht noch wenig bedeutete die aber in der Gegenwart manchmal ausreicht, um Vc! mögen zu gewinnen und zu verlieren. Dürfen wir uns da w'undern, wenn Tausende und aber Tausende schwankend werden, wenn sie allmählich zu einem Gedankengang gelangen, der ihnen die Wahrung - des Sabbaths als unmöglich erscheinen lässt? Neben der Sucht schnell reich zu werden, sird es die Sprge um Weib und Kind, die Angst jum das tägliche Brot, die viele gar nicht, den Versuch machen lassen, sich und ihren Nachkommen den Sabbath zu erhalten. Nehmen wir dazu!, dass die gesliejgene Lebenshaltung heute materielle Opfer fordert, die aufzubringen nicht nur dem Kleinbürger, sondern auch dem Mittelstand oft sehr schwer fällt. Für uns in Deutschland ist seit deim letzten Jahrzehnt noch die Sonntagsruhe als weiterer, sclrwewiegender Factor hinzugetreten. Ist doch in einzelnen Gross- Städten schon vollständiger Laden- und Bureauschluss eingeführt. Es bleiben also füyfdie Arbeitstätigkeit nur fünf Tage in jeder Woche übr/g: fallen die Herbstfeiertage wie in diesem Jahre auf Donnerstag und Freitag, so bleiben von 23 Tagen 10 Arbeitstage,übrig. Fassen wir das hier Gesagte noch sammen, so ergibt sich; die zunehmende Entw’eiliung ist vielfach der falschen Anschauung zues sei h zusebreiben, die da glaubt, unmöglich -d ie unverbrüchliche Wah des Sabbats mit einer erfolgreichen schäftlichen Tätigkeit zu ve Dieser Anschauung gilt es entgegenzutreten, hundert und noch mehr Jahren wurde״ dem Abfall Tor dadurch geöffnet, dass die These Thora kenn und profane Bildung seien unvereinbar auch einmal kurz zu des Sabbi Seiten der Gesetzestreuen unwidersprochen hingenommen ward. Es bedurfte der Arbeit von Decennien, uni den hierdurch entstandenen unermesslichen Schaden nur eini-' atlis eute xung ge-־ n. Vor Tür tn is von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.