Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 9 (9.1906)
- Date
- 1906-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4874912-5428444-5428501--122-4875014- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Sabbath. 63 Lichte Wölkchen hangen droben Hoch am blauen Himmelszelte . Und die abendliche Sonne j Säumet sie mit goldnem Strahl. —! Aber jetzt mit wildem Zucken Sprühen die Lichter durch die Aether, Und die Sonne geht zu Rüste I Und der goldne Tag verscheidet. Da noch einmal im Verlöschen Flammt er auf und hastig giesst er! Seine letzten Purpurfluten In das stille Festgemach. An dem Fenster steht der Vater, Schaut hierauf zum Abendhiinmel, Und es schleichet bange Wehmut Leise in sein Herz hinein. 1 Wie ein fernes Abendläuten, Hört er’s klingen bang und innig, , Und ein schämig stilles Tränlein l Rollt ihm in den Bart hernieder. — I Ach es sind die alten Träume Und die alten süssen Weisen, Die bei Sabbath’s bangem Scheiden Trüb ihm durch die Seele ziehn. — In des Sessels weichen Armen Ruhet schlummermüd die Mutter, Ihr zu Füssen sitzt die Tochter Mit den glühend schwarzen Augen. Und die glühend schwarzen Augen Schau’n zur Mutter sinnend aufwärts, Und ein ahnungsvoller Dämmer Spielet um das süsse Antlitz. — Aber plötzlich durch die Stille Geht ein wunderseltsam Singen, Jetzt wie mächtig Siegesjauchzen, Jetzt wie bange Tränenklage. Gar ein altes schönes Lied ist’s, Das der Vater angestimmt, — Einst zur goldnen Gottesharfe Hat’s gesungen König David. Und er singt von grimmen Freuden Singt von blutig heissen Schlachten, ״Von den Händen speergewaltig Die Gott Zions kämpfen lehret.“ ״Und so neige deine Himmel Steig’ herab ins Schlachtgebrause, Lass erkrachen deine Donner Und die Berge flammend bersten; ״Dass die Glutenpfeile zischen Um das Haupt der blut'gen Horden ,׳ Dass sie wild Entsetzen fasse | Und sie stürzen schmachbelastet!!!! Sabbath-Ausgang. (Aus ״Jeschurun“ 4. Jahrgang 6*118). ״Doch was sind wir Erdenkinder, Wie der Schatten schwank zerfliessend, Wie der Staub vom Hauch verwehet — Dass du unser sollst gedenken?- ״Aber du bist ja der Alte, Unser Gott voll ew’ger Treue, Du wirst, gnädig uns erlösen Aus der Knechtschaft finstern Banden — ״Dass die Kinder deines Volkes Himmelswärts sich freudig heben, Wie die Ceder, wie die Palme, Deines Tempels stolze Säulen — — ״Auf den würz’gen Sammettriften Grasen zahllos unsere Heerden, Und der Speicher mächt’ge Räume Fassen nicht den goldnen Segen. ״Wo ist Klage? Wo ist Träne? — Durch der Strassen froh Getümmel Geht ein jubeln, geht ein jauchzen, — Und die Cedernwälder rauschen Und die stolzen Ströme wallen Und von blauen Wolkenbergen Bis zu tiefsten Blumengründen Klingt’s und singt's in tausend Weisen, Wild und mächtig, weich und innig י ״Heil dir, Heil dir, Volk des Ewigen!!““ Damit eins verstummt das Singen Wie erstickt ,von bittrem Wehe, Und im dunkeln, stillen Zimmer Zittert’s leise und verklinget. Doch die Mutter hat erwecket jener stolze Siegessang; Heftig fährt sie aus dem Schlummer Und auch sie hebt jetzt ein Lied an. Aber nicht so kühn begeistert In der heil’gen Vätersprache —• In den weichen Mutterlauten Singt sie's leis’ und rührend innig. ״Jetzt geht der heil’ge Sabbath hin, Mein süsser, lieber Gast, Er sieht schon Sterne am Himmel stehn Und hat nicht Ruh, noch Rast. ״Und musst du denn schon von mir Du guter Sabbath mein, [gehn So geh’ zu Gott nur wieder heim Und zu den Engelein. ״Ich aber bet’ zu dir, mein Gott, Aus tiefstem Herzensgrund, Dass nun soll kommen die volle Woch, Zu Leben und Gesund, ״Zu Glück und gutem Segen Ein jedem jüdischem Kind Und dass wir. sollen behüt't seih Vor jeder bösen Sünd’ — sUnd weiter soll sie bringen Uns viel Gewinn und Ehren, Und lauter gute Botschaft Soll uns vermeldet werden!! ״Vor bösen Traum und Zeichen. V'or Angst und vor Gefahren Schick' uns wohl zu bew; hren Viel’ gute Engelscharen.'“ II. Jetzo hat am blauen Hii itntel , Er, erspäht der Sterne Dritten, ■ Und mit andachtsvoller Seele Schickt er sich zum Nachtgebete. j ' Denn erst jener vollen Dreizahl Siegreich stolzer Nachtgestirne Mag er's glauben, dass geschieden Wirklich nun sein heil’ger .Sabbath. Da er jauchzend eingezogen, Hat er nicht befragt die Sterne, Nur beim trüben stillen Ausgang Schauet^ himmelswärts sein Auge. — Aber wie sie niederleuchten, Ahnungsreich und trostverheissend, Haben sie auch seiner Seele Leise Hoffnung zugeflüstert. Er gedenket seiner Ahnen, Ihrer Lichtgestalten Dreizahl, I Und gedenkt des Herrn Verheissung j ״Eure Kinder gleich den Sternen.“ — Wundermächtig durch die Zeiten Geht dein Wort, du Hort Jisraels^ Gottgewaltig, unerfassbar, — Manch Jahrtausend hat’s bewähret. ׳ Unzählbar am Himmelszelte Kreist der Sterne Lichtgewimmel: — Um den Erdball nimmer rastend Wandern zahllos Jacobs Scharen Und das blöde Menschenauge , Schaut sie droben, schaut sie dranten! Ziehn auf irren, schwanken Bahr en, Eingehfillt in Nacht und Wolken. — . Doch die Bahnen Gottes sicher •Leiten zu den ew'gen~Zielen, Denn die Bahnen hat verzeichne : Jene Hand, die;schuf das Weltal . — Und ein Kleid von Nacht und , Volke Schützend um sie her gewoben, } Dass die bösen Abgrundnebel Nicht ihr Aetherleuchten trüben.