Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 6 (6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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48 Dir Sabbath i TT liess sich manche Umstände nochmals erzählen, und nachdem die Klägerin nichts mehr vorzubringen wusste, ward sie mit den Worten entlassen: »Gehet heim, Frau, wir werden die Sache genau untersuchen und findet sich bestätigt, wesshalb Ihr den Juden . anklagt,-soll Euch Genugtuung werden. Nur störet nicht durch Euer-1 übermässiges Klagen und Weinen den Gang der Gesetze; denn wo der gemeine Haufe tumultuaiisch sich zusammenrattet _und selbst den Scharfrichter macht, da werden auch Redliche und Schuldlose mit ins־ Verderben gestürzt. Verhaltet Euch daher ruhig und verlasst Euch auf mein Wort “ Ludmilla entfernte sich und Leon stürzte bleich und zitternd herein und flehte mit Ungestüm : ״Hochwürdiger Gebieter! Keine Uebereilung! Untersucht die Anklage genau, prüfet, forschet, ehe Ihr ein Urteil fällt, seid gerecht: und weise in diesem Falle, wie Ihr’s immer wart. Ich setze mein Leben zum Pfände, der Jude, den das Weib beschuldigt, ist schuldlos!“ ' י ״Euqfr interessirt der Jude? Ihr müsst ihn genau kennen, da Ihr Euer Leben für ihn einsetzen wollt“. ״Es ist derselbe, Euer Gnaden, bei dem ich das Anlehen gemacht; seitdem bin. ich öfters in sein Haus gekommen, Je'r Mann ist, glaubt mir, einer solchen Tat nicht fähig.“ j ׳ -Seid ohne Kummer, Leon, dem Manne soll kein Haar gekrümmt werden, so lange seine Schuld nicht. klar und offen ivor uns liegt; doch hört das sonderbare Zusammentreffen der ymstände. Nicht bloss die Anklage des Weibes, das Ihr gehört, . macht die hiesigen Juden verdächtig, sondern noch eine andere.! Ein jüdischer Glaubensgenosse hat sich dieser Tage bei mir gemeldet, der mir mit unwiderlegbaren Tatsachen beweisen will, dass; die Juden wirklich Christenblut trinken.‘‘ *״ ־Wie, ein JiftJe.hätte sein eigenes Volk angeklagt? .“Sunj er-! kenne ■ich, warum der Höchste so lange dem Volke zürnt. Gjebt! es solche Niederträchtige unter einer ׳ Natfön, die sich für die : auserwählte Gottes hält, so verdient sie, dass andere Nationen sie; unterjochen und wie Sclaven behandeln!־ ״Ihr seit) entlassen, Doctor,"־ nahm der Erzbischof das Wort, ״handelt vorsichtig, es würde mir leid sein um Euch, denn; ich; merke, dass Ihr mit dem Wolke in näherer Verbindung steht,: als s־hic!fclich ist.“ Schweigend verneigte sich Leon ■und ljerliess das .Gemhch Die ernste Warnung seines Herrn lag schwer auf seinem Herren. Umsonst •war sein Sinnen und Grübeln, woher das plötzliche jUn- , gewitter konftnen mochte. Er fühlte auch seine Ohnmacht; es : abzuwenden; denn wenn ein Jude seine Brüder solcher Verbrechen beschuldigte, welcher Arm vermochte in jener fanatischen;Zeit das winzige Häuflein vor der Wut des rohen Pöbels zu beschützen? j In diesen peinlichen Betrachtungen war Dina sein Hauptgedanke: diese wenigstens wollte er warnen und wo möglich der Gelfahr; entziehen, che der Sturm losbräche. Er eilte sogleich nach Salums; Wohnung, aber ach! sie stand leer und verödet Er etfuhr bald, was vorgefallen, und sein Herz erbebte bei *der Schreckensnachrieht, dass Salums ganze Familie bereits im Kerker schmachte- Er dachte fich die zarten Glieder seiner geliebten Dina unter der Folter schonungsloser Schergen, stellte sich das verzerrte Gericht des redlifhen Salum im Geiste vor, er glaubte ihr ScfVnerzertsgcschrei zu hören und eilte ohne Säumen wieder auf die Kleinseite,; um nochmals die Gnade seines hohen Gönners anzuflehen. Den edlen hochherzigen Greis rührte die Angst des Leibarztes und er ׳ gewährt^ dessen Bitte, die Angeklagten im Kerker besuchen zu dürfen. So kam Leon in das Gefängniss, worin die ganze Familie das erste Verhör mit Angst erwartete. Noch war keiner von ihnen vor dem Rjphterstuhl gestanden, ihre Körper waren noch von keinem'.Marterwerkzeug berühTt worden, und dennoch sassen die Unglücklichen •weinend, mit gesenkten Häuptern auf dem schmutzigen Boden des dumpfigen Kerkers• Ein Schrei des Entsetzens entfuhr den Dreien, als Leon hereintrat; sie meinten, man komme, sie Vor Gericht zu führen; und umhalsten und küssten sich wie zum ewigen. Abschiede. Als sie aber den Doctor »erkannten, verwandelte sich die Wehklage in Freudenrufe: ״Gelobt bist Du Gott meiner Väter, der Du 14ns einen Deiner Engel schicktest, uns zu trösten in der Not!“ rief Salum mit emporgehobenem Arm.“ I ״Hochgepriesen sei der gewaltige Gott Israels, dessen Hilfe am nächsten ist, wo Gefahr droht!“ jauchzte die Gattin — und Dina stürzte an des Geliebten Brust, klammerte sich fest an seinen Nacken und flüsterte: ״Nein Herz hat mir ja immer gesagt, Ihr ’ werdet yns nicht verlassen!“ . Leon yetmochte nicht seine Gefühle zu bemeistern; die Hingebung und das Vertrauen der furchtsamen Jungfrau waren! ihm Beweise von inniger Liebe; denn ein liebendes Weib dünkt' sich in der grössten Gefahr in den Armen des geliebten Mannes! vollkommen sicher. Nögcn Stürme brausen, die Wogen wie Berge sich türmerijfBnd Blitze die Luft durchkreuzen, an der Seit«( des geliebten Mannes fühlt das schwächste Mädchen weder Furcht noch Angst So ward auch Dina wieder von Hoffnung erfüllt, als sie sich von Leon’s Armen umschlungen füHlte, die Gefahr war verschwunden und eine heitere Zukunft öffnete sich vor ihrem geistigen Blicke. — ״Nicht wahr; Ihr werdet uns retten, Herr?־ sprach sie kindlich •vertrauend. ״Ja holdes Mädchen, das will ich, oder mit Dir zu Grunde: gehen!“ entgegnete Leon. ״Doch sagt, wie ist dieses־ Elend so plötzlich über Euch gekommen?“; ״Die Wege des Allmächtigen sind unerforschlich!“ entgegnete der gottergebene Salum, ״wie kann ich wissen, warum mich Gott seine Strafrute empfinden lässt, dass Angst und Schrecken mich überfallen wie gewaffnete Nänner! Beim Namen des Höchsten, den meine Lippen nicht ausspreehen dürfen, ich bin schuldlos!“ ״Nicht nur schuldlos",“ fiel die Gattin ein, ״er hat die Christenfamilie mit Wohltaten überschüttet und dafür den Dank geerntet, dass wir wie Verbrecher eingesperrt sind.“ ״O! redet nicht so viel von Eurer Unschuld,“ nahm die Tochter das Wort; ״dieser edle Mann zweifelt gewiss nicht an unserer Redlichkeit; solche niederträchtige Anschuldigungen finden nur in der Hefe des Christenvolkes Anklang. Nur die Dummheit und der Hass, dieses fürchterliche Paar, das sich von Menschenblut nährt und die Völker gegenseitig aufhetzt, hat auch die Meinung ausgeheckt; der Jude sei ein ,Christenkinderfresser“ — doch es kommt die Zeit wo die Enkel sich der Torheit und Grausamkeit ihrer Väter schämen und die blutigen Auftritte aus ihren Geschichtsbüchern streichen werden,“ so sprach die Jungfrau und ihr Antlitz leuchtete jn verklärtem Lichte einer Seherin. (Fortsetzung folgt.i Sabbath. Sechs Tage sind zur Arbeit wohl befohlen, Am Sabbath aber magst, — ja sollst Du ruh’n Bedarf der Seele ist's sich zu erholen, Beobacht’ nur am W'erktag all Dein Tun. Als Gott der Herr die Menschen hat geschaffen, Trug er im Sinn, sie möchten nicht erschlaffen, — II ör' Israel, drum folg’, Dich aufzuraffen! L. Sch. Kol mekadesch schewii. Wer heiligt den Siebten, so wie sich’s gehört, Wer hütet den Sabbath und ihn nicht entehrt, Nach seinem Tun wird Lohn ihm gewährt, Nach Lager und Fahne wifd jedem beschert. Die Ihr dem Tempel entgegen seht, Gleich denen vom Sinai den Sabbath begeht, Erhebet die Hände zum Dankgebet: Gelobt sei Gott, dess Ruh’ uns umweht. Ihr, Abrahams Söhne, den Gott so geliebt, O, feiert den Sabbath doch ungetrübt. Und gebet ihm freudig, was Bürgschaft ihm giebt. Den Tag zu feiern hat’s Gott ja belieb:! Der Thora sei auch am Sabbath gedacht, Sie beide umschliesset bräutliche Pracht, *) Nit beiden hat Gott die Reinen bedacht Als Er sein Werk am Siebten vollbracht. Der Tag ist heilig von Anfang bis End’ Ihn ehret, wer. sich zu Jakob bekennt, Und gönnt ihm Ruh und gönnt ihm die Spend’ Ihn feiern soll jeder, der Jude sich nennt! Sei gnädig den Deinen im strengen Gericht, Die feiern den Sabbath, verlasse sie nicht! Es freu' sie Dein Haus, es leuchte Dein Licht, Es lab’ und erquick’ sie Dein Angesicht I Beschütze, o Gott, in jeder Gefahr Die ehren den Saboath ganz und gar! < Du, Israels Gott, dess Liebe so wahr, Du, Israels Hilfe für immerdar! * Abraham Tendlau. *) Nach einem Midraschwarte sprach die Thora •zu Gott: ״Herr der Welt! Wenn Israel in das heilige Land eingezogen sein wird, dann wird sich Der zu seinem Weinberg und Jener zu seinem Oelberg wenden; was soll da mit m i r werden? Da antwortete ihr der Heilige, gelobt sei er: Ich habe einen Genossen für Dich, den Sabbath; den will ich Dir zugesellen und so werden sie einen Tag von der Arbeit ruhen und Zeit haben sich mit Dir zu beschäftigen.״•