Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 6 (6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. Wenn wir uns fragen, wodurch die Heilighaltang des Öabbatlis im Handelsgewerbe (und auch in der Klein-Industrie) hauptsächlich erschwert ist, so ist es in erster Linie der Umstand, dass die liebe Concurrenz am Sabbath arbeitet. Hierdurch ist nämlich der| C011current in mehrfacher Beziehung im Vorteil. Während eine am Freitag Abend einlaufende־Bestellung in den. am Sabbath gcschlossenen Geschäften frühestens am Montag ausgeführt werden kann, wird dieselbe bei der Concurrenz-Firma noch am Freitag Abend oder Samstag früh in Angriff genommen. Ferner verteilen sieb die allgemeinen Spesen, (Geschäfts- und Haushaltungskosten) viel besser auf einen (i tägigen'Arbeitsverdienst, als auf einen '5 tägigen. Die Haushalts •Spesen sind die gleichen, einerlei, ob in der Woche ö oder G Tag6 lang gearbeitet wir, und ebenso geht es mit einem grossen und gewichtigen Teil der Geschäftsunkosten, wie Localmiete, Gehälter, Steuern etc. Da es nun nicht möglich ist, die Concurrenz zu zwingen, ihre Geschäfte ebenfalls am .Sabbath geschlossen zu halten, so liegt der! Wunsch nahe, ein solches Geschäft zu betreiben, in dem man keine 1 Concurrenten bat. So lächerlich nun dieser Gedanke auf den ersten! Blick erscheint, so giebt es docli eine ganze Heilte von Artikeln, bei : denen dieser Wunsch erfüllt ist; nämlich bei allen durch l’atent oder Ähnliches geschützten Gegenständen. Freilich gilt hier, .wenn; irgend wo im Leben, das Wort,!lass wo viel Licht, auch viel Schatten sei. Wohl die weitaus grösste Zahl der Patente erlischt nach dein ersten Jahre, da es sich meist erweist, dass 11er tiegenstand aus irgend einem Grunde keinen Gewinn verspricht. i Lin das l’atent-Wesen in den Dicust der Sabbath-Heiligungs- Idee zu stellen, könnte sich der Verband der Sabbat!!freunde mit einem I’ateut-Anwalte iu Verbindung setzen, damit Dieser auf etwaige aussichtsreiche Patente (besonders solche, hei denen mit kleinen Mitteln fabriziert werden kann) aufmerksam mache, und könnte die Vorschläge durch eine Commission von tüchtigen, durchaus nüchternen, ja sogar pessimistischen Geschäftsleuten nachprhfcn lassen. Krst wenn so durch wiederholte Musterung die Spreu vom Weizen getrennt ist, dürften diejenigen .Sabbathfreundc, welche über genügende Mittel verfügen, auf die •übrigbleibenden Patente hingewiesen werden (eventuell nachdem •der Verband sich eine < tp'.ion darauf für ganz Deutschland oder einzelne Teile vom Patent-Inhaber gesichert.) Trotz oder vielmehr bei genügender Vorsicht könnte vielleicht auf diese Weise im /Laufe der Jahre eine Leihe von selbständigen Existenzen gegründet werden, welche den Sabbath ohne wesentlichen geschäftlichen Nachteil heiligen können und auch Angestellten die äabbathheiligung ermöglichen. Dies wäre der schönste Lohn für den Schreiber dieser Zeilen, i .Mit vorzüglicher Hochachtung: j G. M. ,X. Nachschrift der R e A a c t i 0 ». Das Patentwesen ist ein schwieriges Kapitel und von je 1000 Patenten ist vielleicht ein einziges realisirhar. Immerhin verdient diese Anregung unsere Aufmerksamkeit. Praktische Gestalt kann sie unseres Erachtens erst finden, wenn unser geplantes Kreditinstitut ins Lehen getreten sein wird. Jajin Kiddusch. Nach einer Sage von L. Weisel. '''׳׳'־*£*־־' (Fortsetzung). ״Ich mag nicht Dein Blutgeld,“ entgegnete dieser, ״Dich will ich auf dem Scheiterhaufen lodern sehen, dann selbst sterben durch des Scharfrichters Beil und meine Sünde büssen.“ ״Aber seid Ihr denn heute betrunken oder verrückt? Sind 1 ein Schack Groschen Euch zu wenig, so sollt Ihr noch einmal so! viel bekommen; denkt an die Zukunft, welche Vorteile sich Euch j bieten bei dem bevorstehenden Spectakel in der judengasse," sprach : Izzig mit furchtbarer Angst und reichte dem Spiessgesellen noch; -einen zweiten Beutel hin. Dieser nahm ihn mit den Worten: ,.Ich will diesmal s|tilj sein; da hast Du Deinen Lieblingssaft.:‘ Izzig nahm die Flasche, hielt sie gegen das Kamihfeuer. s cli vom Inhalt zu überzeugen, doch immer noch •nicht recht trauend liess er einige Tropfen auf die flache Hand fliessen. ״Hm, schönes Blut, das Kinderblut!•‘ grinste er, höllische Freude malte sich auf seinem Paviangesichte, und aus den tiefliegenden Augeu sprühten die Flammen der Rache und ,'lordgier. ,j)iese Flasche! vTtfl Blut soll ganze Fässer voll kosten. Ihr habt mich ausgcl stossen und ich gehöre .rricht mehr zu euch, gut. ich bin euer Feitidj und ihr sollt erfahren die furchtbare Rache izzigs.'“■ jetzt trat die Wirtin, die während der ganzen Zeit scjtw;igend das Gespräch mit angehört, zu dem luden und sprach: ״Lieber Klebler, vergesst mich nicht; wie viel bekomme ich für’s Schweigen?‘־ ״Weh mir! Hab ich denn nicht teuer genug das Bissei Blit: gekauft? Bedenkt, zwei Schock Silbergroschen,■‘ kreischte wehmütig, der Jude. ״Hund, sträube Dich nicht! Heraus mit dein Geide.!“ donnejr te ihm Rybar zu. ״Glaubst Duj dass wir eine Christenseele wohlfeil hingeben? Wenn wir für Euch Schufte sündigen; so zahflt uns dafür!־ Izzig sah wohl, dass er sich hier in Alles fügen müsse und holte* abermals einen Beutel aus der.Tasche, ihn seufzend dir ehrsamen Hausfrau darreichend. So war denn der Bluthandel ur -; ter den Dreien abgemacht. Rybar leerte den Krug, steckte sein Geld ein, Izzig verbarg die Flasche unter dem Mantel, Frau Sabb - 1 na öffnete die Tür, und das würdige Kleeblatt trennte sich. In seinem Arbeitszimmer sass der ehrwürdige Peter. Er; -; bischof von Mainz, und vor ihm stand ehrfuchtsvoll der Leibar; t j Doctor Leon, die Aufträge seines Gebieters erwartend. ״Doctor,‘! begann nach einer Weile der Statthalter, ״heute bedarf ich keines Rates für meinen Leib, aber. Eure Belesenheit in den Schrifte 1 ו aller Völker, besonders Eure Bekanntschft mit den Sitten und Gebräuchen des'jüdischen Volkes möchte ich in Anspruch nehmen.‘ ״Gnädiger Herr! So viel mein geringes Wissen Euch dienen kann, bin ich bereit, Auskunft zu geben. Ich habe mich zwar viel mit dem Studium des Talmuds befasst, doch ich zweifle, das» icli Ew. Erzbischöflichen Gnaden werde genügen können“ ״Sagt mir. Doctor, wie hat sich die Sage unter den’Christen verbreitet, dass die juden zu Ostern Christenblut brauchen ■ Keine Sage, sie mag noch so alhßfn sein, ist ganz ohne Grund. Findet man vielleicht in nrntieeffen Büchern oder Handschriften Andeutung davon, oder ist’Srnündliche Ueberlieferung, ein Natio• nalgeheimniss, dem Eingeweihten nur bekannt?“ ,.Hochwürdiger Gejy/ter!. Weder im Talmud noch in einen ׳ geheimen Buche findet/Tsich eine Spur, auf welche marf die ab scheuliche Beschuldigung stützen könnte; sie ist eine boshafte Verleumdung der Feinde der luden, eine Ausgeburt des Hasses.“ -״Es musste doch einmal etwas geschehen sein, was zu eine־ so allgemeinen Meinung Anlass gegeben.“ _ . - ' ,ich denke, Ehrwürden, die Sage stammt von den vetschiedenen Bräuchen, die dieses Volk am Osterabend beobachtet, namentlich von der Sitte, roten Wein zur Erinnerung an <das Blut der im Nil ermordeten Kinder zu trinken, her.“ Eure Vermutung scheint mir einleuchtend; allein die eigenen Geständnisse der Gefolterten, wie wollt Ihr diese widerlegen?“' ״Wo, wann hat man d$m Volke solche grausame Tat nachgewiesen? Auf blosse Mutmassurigen wurden die armen juden־ ge• peinigt und ihnen Geständnisse von Verbrechen erpresst. Um nicht länger gequätt zu werden und die, Marter mit dem Tode zu enden, redeten sie was der Richter verlangte. Hätte man abe־ die .Sache genau untersucht, wäre der Richter nicht selbst von Hass befangen gewesen, so würde sich jedesmal die Schuldlosigkeit des Angeklagten, die Nichtigkeit der Sage gezeigt haben.“ ״Ich lobe den Eifer, womit Ihr das arme Volk verteidigt; allein ich fürchte, dass Ihr Euch täuscht. Was werdet Ihr sagen, wenn ich Euch versichere, dass eben jetzt in unserer Stadt ein solcher Process vorkommt, das^ man einen juden eine» Christen kindesmordes anklagt, den map durch unverwerfliche Zeugnisse? Ein Jude ein Christenkind ge• 1 das Nebencabinet und höret mi Erzbischof und der Leibarzt tat chof schellte einem seiner Diener r. __ _ 1 und balddarauf trat Ludmilla mit verstörtem Antlitz und gebeugt von Kummer ins Gemach. Sie fiel vor dem Statthalter nieder und flehte unter Weinen und Schluchzen um Gerechtigkeit — Auf des Bischofs Verlangen^ er■ zählte sie, wie der jude Saturn sie'lange mit Wohltaten uberhauft, wie sie, auf dessen Scheingüte vertrauend, ihren Knaben oft jn das judenhaus geschickt, wie das Kind gestern nicht mehr zuruckgekommen und wahrscheinlich hach der Aussage des Unbekannten umgebracht worden sei- Der Bischof hörte sie aufmerksam an, ICWCIÖCII Will. ״Wie? In unserer Stadt nordet?“ ״So ist’s, Doctor tretet •igenen Ohren!“ — sprach der /ie ihm geboten ward. Der Bis Lasst das Weib vor!“ befahl e