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Der Sabbath · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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40 Der Sabbath *״ ״Ei. Frau Sabina, Ihr seid heute ganz verwirrt. Muss Euch die ganze Geschichte erzählen: Heute Abend kommt der schuftige Izzig in meine Stube, den Knaben an der Hand, ruft mich auf die Seite und spricht: Rybar. wollt Ihr zwei Schock Groschen verdienen? — O fa,.recht gern, antwortete ich. — Nun, so schneidet mir dem, Kleinen die Gurgel ab! sagt der Lump. Da erbarmte mich der schöbe Junge und ich nahm mir vor, ihn zu retten und den blutdürstigen Izzig abzuführen. Lehnte ich die Tat ab, so würde der Schuft vielleicht seine Feigheit überwunden und das Kind mit eigner Hand getötet haben. Ich willigte daher lieber ein und bestellte ihn hierher, die verlangte Flasche mit dem Kinderblut nbzuholenjf ״So ist’s» denn doch wahr, dass die fuden in dtr Osterzeit nach Christenblut verlangen?“ fragte erstaunt die Wirtin. T ״Seid doch nicht so kindisch, die Albernheit zu glauben. Das Ganze geschieht ajis Rache. Sie haben dem Izzig die Kalle weggeschachert, das tut-dem Lampenhund so weh, dass er sich vornahm,' der Altsehuler |udengemeinde einen Streich zu spielen, woran sie lange Zeit •denken wird. Der Knabe war früher bei Salum, dem ehemaligen, Schwäher Izzigs. zu Besuch und ist jetzt verschwunden r der Mutter sagt man, er sei im Hause der )uden geschlachtet worden und —11 ,Ich begreife.“ fiel Sdbina in die Rede, ״und die (udenhäuser werden “überfallen, dabei gibt’s Plünderung und Raub aber Du bist «fine durchtriebene, abgefeimte Bestie, foppst den Izzig und nimmst noch Geld dafür!“ lieh, werde doch nicht wegen eines )udenhundes, wie der Izzig ist, Onistenblut vergiessen? Das Kind bleibt, wie gesagt, hidr verborgen, bis der Spectakel mit den Juden angeht, dann lassen wir den Kleinen laufen. Indessen gebe ich dem Izzig eine Flasche mit .Kalbsblut; ich weiss nicht, was er damit tun will, aber ich glaube, es wird ihm denselben Dienst leisten “ ,,Eine ^ein durchdachte Schurkerei,־ versetzte die Wirtin, ■wenn zwei sßitzbuben einander betrügen, ist es eine Lust für den Teufel* und es tut mir ordentlich wohl, darum zu wissen. Sagt doch, Ivie viel bekomme ich dafür, dass ich Euch den Jungen fütteret ' Der l?zig scheint mir ein filziger Jude.־ .Frati, j<Jh kenne den furchtsamen Hasen mit der Wolfsnatur, wir müssen den Kerl zapfen. Horcht, man klopft! Er ists! Füllt geschwind die Flasche mit Blut, stellt sie auf den Tisch!־ Wirklich ward •an der Haustür gepocht und nachdem die Wirtin Bie Flasche mit dem Blute einer Gans angefüllt und vor Rybar hing#»tellt hatte, gimr sie die Türe zu öffnen, worauf Izzig in die Stube trat. ,Guten Abend, Frau Sabina, wie geht’s? Schon lange hab’ ich Euch nicht gesehen.“ 1 ״Ja, seit Ihr Bräutigam seid, habt Ihr mein Haus ganz vergessen,“ erwiderte spottend die Wirtin. ,.Die Pest und tausend Flüche über die Braut,“ murmelte Izzig zähneknirschend zu dem Spiessgesellen. ״Nun. Rybar, ist’s schon vorüber, kann ich haben das Flaschel Blut? He, Ihr seid verdriesslicn!?“ ״Der Teufel soll nicht verdriesslich sein, wenn einem das Winseln und Röcheln eines sterbenden Kindes noch in den Ohren gellt. Mich reut es, Dir gefolgt zu haben, ich hätte Lust, die ganze Mordgeschichte dem Gericht anzuzeigen,“ entgegnete Rybar. ״Seid Ihr bei Sinnen? Wollt Ihr Euch aufs Rad flechten lassen wegen einer Bagatelle?“ I Bagatelle? ein Christenkind ist bei Dir eine Bagatelle, blutdürstiger Hund!? meinst Du, wir haben gar kein Gewissen?“ ״Mai! Gewissen! was ist das Gewissen? Anfangs ist es ein junges Füllen, das sich sträubt und bäumt gegen die kleinste Sünde, nach und nach wird es zahm und lässt sich ruhig die schwersten Verbrechen aujpacken. Gewissen sag’ ich Euch, ist nur ein leeres Wort. Viel Geld, ja viel Geld ist ein gutes Gewissen. Da nehmt den Beutel und beruhigt Euer Gewissen!“ sprach Izzig und reichte das Qejd dem noch immer verdriesslich tuenden Rybar. Fortsetzung folgt. Der Sabbath ist aus. Schaut mir doch flugs zum Fenster hinaus, Kinder, ich glaube, der Sabbath ist aus. O seht, auf der Strasse, da will es schon dunkeln Und droben am Himmel drei Sternlein funkeln. Ja, ja, Ihr Kinder, wie schad’ es auch sei, Der liebe Sabbath ist wieder vorbei. Bald wird der Vater nach Hause kommen, Dann wird vom Sabbath Abschied genommen. Der Vater stecket die Kerze in Brand Und füllet die Becher mit Wein bis zum Rand, Aus silbernen Büchslein steigt würziger Duft, Erfüllet mit Wohlgerüchen die Luft — Er saget den Segen, verlöscht das Licht! ״Gut Woch, gut Jahr,“ die Mutter spricht. Eine gute Woche voll Arbeitszeit — In acht Tagen ist wieder Sabbath wie heut. (Israelit. N'r. 14jI5 Jüdische Kinderlieder). y t. ' - f Hamawdil ben kaudesch lechaul. (Lied am Sabbathausgang) in freier metrischer Uebersetzung von Qr. Victor Nordheimer->ch\vet7.. Der das Heil'ge und üeiucine Hat geschieden, nröge keine Unsrer 'Sünden nehmen strenge; Wie dei_ Sandes reiche Menge Müg' er Sprössling' uns bescheren, Mög׳ er unser Geld vermehren. Gleich den ■Sternen voller Pracht In der sanften', stillen Nacht. Wie, der Palme Schatten wich, So der Sibbath mir Verblich. Jetaji neu ertönt mein Wort Laut zu dem gerechten Hort; Doch der Wächter zu u.ir spricht: ״Glänzend strahlet dir das Licht, .Und des Glückes Morgen lacht, Wenn anch kam der Sorgen Nacht.“ Deine Huld wie Tabors Höhe Meine Sünden ubergehe; Meines Herzens ächüld und Flecken 1 Wällest gnädig überdecken. Wie daß Gestern lass doch schwinden Meine Fehler, meine Sünden, Wie da schwindet jede Macht ln der •Finsternis der Nacht. Nicht mehr ist die Opferzeit, Wer nun Ruhe mir verleiht? Durch das Seufzen werd’ ich matt, Nur von Zähren werdL ich satt. Werde müde durch das Stöhnen, Schwimm und bade mich in Tränen, Wenn des Tages Lauf vollbracht, Mitten durch die ganze Nacht. Mein Gebet nnr dauert fort: ,,Oeffne mir die hohe Pfort.“ Denn ״das Haupt ist angefüllt Mir von Tau, so schön, so mild, Und von Tropfen sind die Locken .Voll und feucht mir, doch nicht trocken Glänzend auch in schönster Pracht Mitten in der düstern Nacht." Der du furchtbar, mögst erhören Und die Bitte mir gewähren. Du lass werden mir zu teil Deinen Beistand und Dein Heil, An des Tages spätem Ziel, In der Dämmerung so kühl. Wenn Du hast herbeigebracht Tiefe Finsternis der Nacht. Dich, o Gott, will ich anrufen, Will mich nahen Deinen Stufen, Hilf’ Du mir zu jeder Stund', Tu des Lebens Pfad mir kund, ' . Von'Bedrängnis mach mich frei, Dass beglückt ich immer sei, Wenn des Morgens , ich erwacht. Meiner Taten Fleck mach rein, ן Dass nicht meine Feinde schrei'n I Mit Verachtung und mit Spott: 1 ״Wo ist denn der macht'ge Gott?“ Dass sie niemals mich verhöhnen: ״Wo der!Schöpfer, der ertönen | Lässt Gesänge voll von Pracht ln der Dunkelheit der Nacht?“ Ich, ein schwacher Erdensohn, Bin in Deiner Hand wie Ton, Sei, sie leicht, sei schwer die Schuld, j Du vergieb in Deiner Huld I , Diese meine grösste Bitte i Immer vor Dir aus ich schütte, | Wenn ich früh hin aufgewacht! Und wenn spät ich schau’ die Nacht.

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