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Der Sabbath · 1906-04-01 · 4 (4.1906) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
6 (1906)
Issue
4 (4.1906)
Date
1906-04-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Der Sabbath F 32 ״Auch Dil• kann vergeben werden, wenn Du mit wahrer Reue und zerknirschter^ Herzen zu Gott wiederkehrst und die Busse, die ich Dir auferlege, vollständig ausübst So höre denn : auseeschlos״ sen sollst Du sein von jeder Gemeinsschaft mit Israel, kein Sohn des Glaubens soll Dir einen Genuss zukommen lassen, noch von Dir einen annehmen. Weder Trank noch Speise, weder Herberge noch Wohnstätte soll Dir von einem Glaubensbruder gegeben werden. Die Türen der Schulen seien für Dich versperrt, es werde ' Dein Marne nie vor der Tora gelesen, kein Priester möge seinen ־ Segen über Dich aussprechen. Arm wie ein Bettler sollst Du umher״ irren von Ort tu Ort, und fasten sollst Du zweimal in der Woche den ganzen Tag. Ein harter Stein soll Dein Kopfpolster, eine Strohmatte Deine Decke sein- Und wenn Du dieses durch volle 12 Monate geduldet und ernstlich Dich gebesert hast, dann erst wollen wir Dich wieder in die Gemeinde Israels aufnehmen.‘• ״Rabbi, Ddin Urteil ist fürchterlich," nahm hierauf Itzig das Wort, ״es ist kaum zu ertragen; doch saget, wenn die Busszeit vorüber sein wird, habe ich dann "noch auf die Tochter dieses ' Mannes Anspruch? Bleibt Dina meine Braut?“ ״Elender, Verworfener!“ fiel Salum zürnend ein, ״Du wagst noch den Wunsch zu hegen, diesen reinen Engel an dein boshaftes Herz zu. drücken? Beim allmächtigen Gott Abrahams, eher würde ich dem Kinde einen Stein an den Hals hängen und es in die Gewässer der Moldau stürzen, als zugeben, dass sie Dein Weib ׳״ werde!“ ״Nun, so verachte ich Euern ohnmächtigen Bann, Rabbi!“ rief Itzig mit kreischender Stimmer aus seinen Augen funkelte es wie ein verderbender Blitzstrahl, auf dem widerwärtigen Gesichte wechselte Zorn und Rachgier und das krampfhafte Zucken der Lippen.• Das Zusammenballen der Faust verriet die furchtbare Auf״ , regung seines Innern. . nGüt!“ fuhr er nach einer Weile fort, ״ihr habt mich aus Eurer Gemeinde ausgestossen, so will ich auch weiter nicht zu Euch gehören. Aber Dir. Salum und die ganze Gemeinde, ihr sollt Ach und Weh schreien über mich ־ Mit diesen Worten stürzte er wütend, aus dem Zimmer. Itzig, mein Sohn! Gott steh’ mir bei, rette den Verirrten! Er hat nichts Gutes hn Sinn!“ rief der alte Klebler, dem Sohn nacheilend. Salum betrachtete schweigend den sinnenden Rabbi. Dieser schien seine Gedanken zu erraten und sprach in wehmütiger Stirnmung: ״Ach, Viele Sind wider uns, Herr; Viele trachten nach ■ unserem Leben; aber Du mein G’tt, machst ihre bösen Anschläge ׳ ן ■ ■ ■ »---!-!• Der Sabbath kennt zu nichte und fängst den Arglistigen in seiner eignen Schlinge.. Sieh, Salum, dieser Mensch hat, ich weiss es. Böses im Sinn, aber lass uns auf den vertrauen, der sein Volk Israel so oft schon aus Gefahr und Drangsal gerettet.“ Salum verneigte sich ehrfurchtsvoll, und gestärkt durch des Rabbi Trostworte kehrte er heim zu den Seinen. Nun kehren wir, lieber Leser, wieder einmal, in die Wohnung der Witwe Ludmilla ein und horchen auf das Gespräch,' das darin gehalten wird. Frau Dorka, eine fromme, gottergebene Nachbarin, hatte Ludmille besucht, um mit ihr bei Beginn der Charwoche An״ dachtsübungen vorzunehmen. Hierbei entstand folgendes Gespräch zwischen beiden Weibern : ״Wo habt Ihr denn, Frau Ludmilla, Euern Knaben Heinriehl Ist er schon ganz gesund?' fragte Frau Dorka? *Gesund wie ein Fisch, Nachbarin. Er Sollte sich nicht länger halten lassen, ich musste ih inm die )udengasse erlauben den guten Salum heimzusuchen.*‘ ״ Fortsetzung folgt■ ->פסח ־-Rätsel. ־*- ln Aegypten, wo die Israeliten > Vier Jahrhundert Folterqual erlitten, Hatte schliesslich Gott für uns gestritten. Eilig wurden wir hinausgetrieben, — Für den Brodteig war nicht Zeit geblieben, In die Ofenhitze ihn zu schieben. Doch die Sonne liess an Brod nicht fehlen, Und wie Bibelverse klar erzählen, Galt die Wüste mehr zum Heil der Seelen.' Denn Gebote sind uns dort gegeben, Selbst im Todeskampf nicht zu erbeben Im Vertrauen auf das künft’ge*) Leben. Wer vermag die Lösung wohl zu nennen? -- Die sich nicht vom Väterglauben trennen | Und den Doppelsinn hebräisch kennen.. *) דעתיד roe ZJRA2 - C'.JLl! :3uns0|jny Leals Schwarte. die träne nicht! Von Max Neuberger-Frankfurt a. M. (nach einer wahren Begebenheit.) Ach! wie wird’s der Rabbi tragen? Wird den greisen es erschüttern* Quälend angstvoll ihn durchzittern? Stumm und lautlos diese Fragen Standen ins Gesicht geschrieben. Da in unheilvollen Stunden Kindleiu frühen Tod gefunden, — Die sie wie die eigenen lieben, — Allen Betern. — Sabbathklänge In dem Gotteshaus, dem hehren, Hoben sich zu- Himmelssphären — Und das Herz so bang, so enge. — Bringst uns Sabbath eine Seele, Ejne. ungeahnte Süsse, Die wie ferner Welten Grosse Unsrem Sinnen sich vermähle. Heute liessest fern entschweben '• Du zwei Seelchen blütensam. Trogest sie zum ew’gen Leben, Allwoher ihr Dasein kam. Eckelein des Rabbi beide, Der mit Liebe sie umgab. Seines Alters reinste Freude, Sanken jäh ins frühe Grab. — Wo Oie heil’ge Lampe glühet, Vor der Thora heil’gem Schrein Steht der Rabbi, und es sprühet Ihm vom Aug’ hin milder Schein. Sonst gebeuget Haupt und Rücken Leicht ihm unter Alters Last. Heute aufrecht anzublicken,] Wie des Schiffes starrer Mast. Tanzt im Wirbel auf den ]Wogen Einsam im Orkan das Schiff, Wirft die Brandung es inj Bogen Wider Klippe, Fels und Ipff — Ha! — noch ist der Mast|geblieben! Todesangst! — ha, ein Zurück! — Von dem Fährnis abgetrieben, Dankt das Schiff dem Mastjsein Glück. Also stark in Sturmestoben, In dem dumpfen Schmerz uiid Leid, Hört des Rabbi Mund man loben: ,Einzig Gott in Ewigkeit“! Und mit Staunen schau’n die Beter Auf des Rabbi Haltung, Tun, Jetzt erkennt erst, fühlet jeder, Sabbath, alle Stürme ruhu! Sabbath ist’s, picht kennt die Zähre Heut' das. Aug’, der Mund klein Fleh’n, Sabbath ist’s, gebt Gott die Ehre! Menschenweh darf nicht besteh’n. * Hoch am Himmel blinken Sterne, Wieder stehen zum Gebet * Sie im Gotteshause, ferne Nun zur Ruh’ der Sabbath geht. — Einmal noch im Liede preiset Sabbathlich der Jude Gott, Der ihm Schutz und Trost erweiset, Ihn bewahrt vor Grimm und Spott. Und der letzte Vers nun endet, Und der Rabbi wankt empor, Und zur Lade hingewendet Tritt zum Betplatz er nun vor. Und ein Schluchzen und ein Stöhnen Ihm aus tiefster Kehle steigt Und im Aug’ — der ersten Tränen Schimmernd, seltnes Nass sich zeigt. — Da! ein Wimmern in den Reihen, Stärker wird’s, — ein Tränenschwall — Mit dem Rabbi die Getreuen Aufgelöst im Schmerze all. — — Aus den sturmbewegten Herzen Wächst empor dann allgemach, Zitternd erst — des Rabbi Flehen — Und die Beter schluchzen’s nach : ,Allerbarmer lasse schwinden Das Verderben, — halte ein! — Spreche frei uns unsrer Sünden! Hilf uns! Lass’ uns nah dir sein!“ ו

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