Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath - M hilien. Der Kampf richtet sich gegen die Ladenbesitzer des Ostend, die sich weigern, ihre Läden am Samstag za schliessen. Die Hand• lungsgehilfCn, die bisher wie Sklaven sieben Tage in der Woche arbeiteten, ohne eine Zeit zur Ruhe und Müsse, geschweige denn für geistige Sammlung zu haben, Verlangen einen Feiertag, und die gesetzestreuen Kreise, vor allem die ״Sabbath cooperative“ ergreifen die Gelegenheit, den Handlungsgehilfen ihrem Verlangen nach einem Ruhetag zu Hilfe zu kommen, so dass man mit vereinten Kräften auf das gemeinsame Ziel hinarbeitet. Besonders bemerkenswert ist es, dass hier zum ersten Mal die Rabbiner in enge Fühlung mit einer Gewerkschaft treten. Es ist zu hoffen, dass sie diese Beziehungen benutzen, um auch in anderen Angelegenheiten einen günstigen Einfluss auf'die Arbeiterbevölkerung auszuühen. Die Misrachi-Vereine' haben sich dem Kampfe für den Sahbath angeschlossen und eine Konferenz der jüdischen Organisationen einberufen, in der über die weitere Förderung der Bewegung beraten werden soll. New-Yersey, im Februar. Von den hier wohnenden 2f>,000 Juden beschäftigen sich viele Tausende mit Ackerbau uud Mancfaktur. Wir erwähnen nur die Stadt Woodbine, welche eine überwiegende jüdische Bevölkerung hat und sogar einen jüdischen Bürgermeister besitzt, ferner seien die Kolonien Karmel und Kosenhain erwähnt. Alle diese fleissigen und armen Juden leben von ihrer Hände Arbeit, indem sie Artikel ersten Bedarfs erzeugen. Sie arbeiten augestrengt 6 Tage in der Woche und ruhen am siebenten. Der Ruhetag beginnt aber nicht am Sonntag Morgen sondern Freitag Abend und währt bis Sonnabend Abend. Dieses passte aber einer Anzahl christlicher Nachbarn nicht, deren Unduldsamkeit es nicht zu ertragen vermag, dass die Juden den Sonntag entweihen. Derartige Eiferer haben schon viel Unheil in Nordamerika angerichtet. . Wir erinnern an das Beispiel der christlichen Sabbathsekte, welche in grosser Anzahl als Farmer in Tennessee leben und die durch den Boükott ihrer christlichen Nachbarn von Haus und Hof weggcekelt Wurden. Nun beginnt das gleiche Treiben gegen die Juden in New- Jersey. Am 2S. Januar erschienen Mitglieder der Gesetz- und Ordnungsgesellschaft aus Bridgeton in den Kolonien Karmel und Rosenhain und machten bei allen Inhabern von offenen Läden Einkäufe. Am. folgenden Tage denunzierten sie unter Eid die Juden beim Richter Mulford von Bridgeton, worauf Polizei beamte nach Karmel und Rosenhain geschickt wurden, welche zusammen 17 Juden verhafteten. Man kann sich denken, welche Aufregung und Entrüstung dieses Ereignis in den beiden Kolonien hervorgerufen hat. Die gegen sie erhobene Anklage lautet auf gemeines Verbrechen und dürfte, falls sie verurteilt werden, harte Strafen eintragen. Einstweilen vermögen die Juden in New-Jersey nicht an eine solche Verurteilung zu glauben. Wohl bestimmt das Gesetz den Sonntag als den Ruhetag. Da aber Religion und Kirche fn den Vereinigten Staaten von Nordamerika offiziell nicht existieren, so ist wohl anzunehmen, dass der Gesetzgeber das Schwergewicht nicht auf den religiösen Sonntag sondern auf den sozialen Ruhetag gelegt hat. Und diesen Ruhetag beobachten die frommen gottesfürchtigen und fleissigen Juden, die vor 22 Jahren im Schweisse ihres Angesichts die Kolonien Karmel und Rosenhain begründet haben, gewiss strenger, als selbst ihre intoleranten Eiferer in der Nachbarschaft. Verbandsnachrichten. Seit Erscheinen der vorigen Nummer des ,Sabbath1־ haben folgende Versammlungen stattgefunden: 1. April Nürnberg. Ref. Herr •Moritz A. Loeb. (Gründung'einer Ortsgruppe) 1. ״ Fürth i. B. ״ . do. 1. , Schlüchtern. , ״' Rabb. Dr. Bamberger do. 2. , Würzburg. ״ ״ Moritz A. Loeb do. 18. , Kitzingen. ״ " ״ » do. 22. , Giessen. , ״ Rabb. Dr. Hirschfeld und Herr Moritz A. Loeb. (Agitationsversammlung). Ferner wurden Ortsgruppen ins Leben gerufen in ' Strassburg i. E., Darmstadt und Ichenhausen i. B. Die Gesamtzahl der vorhandenen Ortsgruppen ist damit auf 18 gestiegen. Da uns nur noch wenige Wochen von der heissern Jahreszeit trennen, die unsere Agitationsarbeit erschwert, bitten wir. unsere Freunde diese kurze Zeit entsprechend auszunützen. Jajin Kiddusch. Nach einer Sage \ TOB L. W6iML (Fortsetzung). letzt trat auch Dina in’s Zimmer; der Vater fasste ihre Hand■ ״Kind, preise unsern Gott, der Dich aus den Händen der Verruchten erlöste•“ Das Mädchen sah verwundert bald denVater, bald die Mutter ait- ״Ja, meine Tochter,“ fuhr Salum weiter fort, ״von diesem Augenblicke bist Du frei und hörst auf, die Bratit dieses elenden Menschen zu heissen.“ ״Kommt, lasst uns gehen, Vater! Der hohe Rabbi soll ent scheiden, ob ein echter Bekenner des Gesetzes Wort und Handschlag seinen Glaubensgenossen wegen einer so unwichtigen Sache brechen dürfe!“ sprach der junge Klebler, indem er den.-ganz zerknirschten Vater gewaltsam fortzog• ״Geht zu Scharch und Asasel“ rief der erzürnte Hausherr ihnen nach; dann wendete er sich an die anwesenden Verwandten. ״Ihr staunt über die plötzliche Veränderung? Ich kann die Ursache Euch jetzt nicht sagen, mit der Zeit werdet Ihr einsehen, dass Salum recht gethan.“ ' . ’ . Schweigend verloijen sich die Gäste Einer nach dem Andern, in Salums Wohnung ward es still und die’Fröhlichkeit des Purimfestes, die überall noch herrschte, hatte hier auf einmal geendet Am Morgen des nächsten Tages ward Salum zum Oberrabbi vors Gericht geladen, wo sich bereits die beiden Klebler befanden. Der Rabbi, ein ehrwürdiger Greis mit langem Silbe'rbarte, sass in einem gepolsterten, etwas erhöhten Lehnstuhle und horchte mit ernster Miene auf die Anklage, die der junge Klebler gegen seinen ehemaligen Schwäher, führte. ״Was habt Ihr, Salum, dagegen zu erwidern?“ fragte der Rabbi, nachdem der Kläger geendet hatte. _״Hoher Rabbi!“ entgegnete Salum, ״nichts anderes, als dass ich früher in der Einbildung war, mit redlichen Söhnen Israels in I Verwandtschaft zu treten, nun aber habe ich mich überzeugt, dass ich mit Niederträchtigen in Verbindung gestanden.“ ״Womit könnt Ihr Eure Aussage beweisen? Die Klebler sind stets fromm und gottesfürchtig gewesen.“ ״Wohl, der Schein hat auch mich betrogen; abeT Gott sei gelobt dafür, dass er mir bald die Augen geöffnet.“ . Hierauf erzählte er die Verbrechen des Klebler- Des Rabbi’s Antlitz verdüsterte sich immer mehr und mehr, und als Salum zu Ende war, sprach der Greis mit Zorn: ״Und Ihr, Chaim, wusstet um die Taten Eures Sohnes und habt ihn auf dem Wege der Sünde gehen lassen?״ ״Hoher Rabbi!“ nahm der alte Klebler demütig das Wort, ״ich wusste zwar, was mein Sohn unternahm, doch vfar mir un» bekannt, dass sein Tun Sünde gegen Moses Gesetze sei. Er. ist wohlerfahren, dachte ich, er wird besser wissen, was recht oder unrecht ist, als ich, ein ungelehrter, einfältiger Mann. ״Hast du däs gethan, Izzig fragte der Rabbi. ״Wloher hast Du diese falschen giftigen Lehren gesogen?“ ״Hm! woher anders als aus unseren heiligen Büchern“, entgegnete .grinsend der junge Klebler. ״Du sollst ihre Altäre veniich״ ten, ihre Haine umhauen, ihre Bildsäulen niederreissen,“ lautet das Gesetz, und ich halte es für ein verdienstliches Werk, wenn man die Gojim in ihrem Götzendienste hindert.“ ״Schweig, elender Heuchler, und entweihe mit Deiner Lasterzunge nicht das heilige Wort des Herrn!" zürnte der Rabbi. ״Hast Du darum so viele |ahre das schriftliche und mündliehe Gesetz durchforscht, um es zu Deinem Vorteil und niederträchtlichem Eigennutze apslpgen zu können? Wenn die Thora be* fiehlt, der Heiden ■ thörichte, widersinnige und verderbliche Vielgötterei von der Erde zu vertilgen, so hat sie darunter den Gottesdienst der Christen, die auch an den ewigen Gott glauben, picht verstanden, auch nicht verstehen können, weil damals noch keine Christen waren, und wenn däs Gesetz verlangt, der Heiden-Affäre zu zerstören, so verbietet es zugleich : Lass dich das Silber und Gold daran nicht gelüsten! Du aber hast Dich bereichert dem, was Dir hätte ein Abkcheu sein sollen.“ ״Hoher Rabbi,“ ■sprach jetzt der alte Klebler, von Worten des Rabbi zur Reue geführt, ״sagt nur, was soll ich um die Sünde rein zu waschen? Ich will einen Teil meines mögens zu frommen Werken! hergeben.“ ״Schweigt!־* unterbrach ihn der fromme Greis, ״mein! Ihr, man kann solche Verbrechen mit Geld sühnen? Habt Ihr darai gedacht, dass durch solche Tat Gottes Name und das ganze entweiht werde, dass, wenn man die Schurkerei entdeckt, Leben unserer sämtlichen Brüder in Gefahr steht. Für Euer brechen gibt’s gar keine Sühnung, das ungerechte Gut könrit Ihr nicht zurückgeben und so müsset Ihr in Sünden zur Gruft fah reri! Und der Rabbi schwieg eine Weile und schien nachzudenken mit den tun, Ver-!Israel das Ver- Zitternd stand der reuige Chaim vor ihm und flehte( mit tränenden Augen um Busse und Versöhnung. ״Noch ist Euch zu helfen,“ nahm der Rabbi wiederl das Wort: ״Entsaget allen Euren gesammelten Schätzen, verteil; sie unter die Armen der Christen und bleibet ein frömmelt reuiger Sohn Israels.“ w ״Und was soll aus mir werden?“ fragte hämisch#läcjtelnd der junge Klebler, ״gibt’s für mich keinen Balsam, muss ich ewig ein Sünder bleiben?!