Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 3 (3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 24 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der äabbath 24 dsrznkegen. Er stützt sich dabei auf § 618, Absatz 2 des Bürgerl. Gesetzbuches, welcher lautet: ״Ist der Verpflichtete in die häusliehe Gemeinschaft aufgenommen, so hat der Dienstberechtigte in Ansehung des Wohn- und Schlaf raumes, der Verpflegung sowie der Arbeite- und Erholungszeit diejenigen Anordnungen und Einrichtaugen zu treffen, welche mit Rücksicht auf die Gesundheit, die Sittlichkeit und die Religion erforderlich sind. Redner ist nun beim Urteil davon ausgegangen, dass der betr. Kommis nicht in Kost und Logis, also nicht in der häuslichen Gemeinschaft aufgenommen war; wäre er Jbeim Chef in Kost und Logis gewesen, so hätte er nicht zu arbeiten brauchen; da-dies aber nicht der Fall und sein ebenfalls jüdischer Chef gearbeitet, so hätte er der Aufforderung desselben Folge leisten und zur Arbeit erscheinen müssen. — Dieser Begrün■ düng werden sich wohl andere Juristen durchgehende nicht anschliessen können. Nach dieser Auffassung würde nämlich durch das Gesetz der von einer eventnellen willkürlichen Bestimmung seines ihn jederzeit unigebenden1 Chefs abhängige junge Mann geschützt; die andere.Kategorie von Angestellten betrachtet aber der Gesetzgeber als selbstvertändlich und genügend geschützt und . braucht deshalb auch nicht in einem Extra-Paragraphen davon zu sprechen. Wenn »Iso auf Grund des § 618 B.-G.-B. der Angestellte, der sogar in Kost und Logis seines Chefs ist, von diesem zum Arbeiten an den frohen Festtagen nicht angehalten werden kann, wieviel weniger erst derjenige, der in' dieser Hinsicht von Kost und Logis sein freier flerr ist. 4 ' Jajin Kiddusch. Mach einer Sage, von L. Weinei. ——- (Fortsetzung.) -Was geschehen ist? Siehst Du denn nicht, dass ich im Blut schwimme? Lass mir geschwind einen geschickten Bader holen, dem man sich an vertrauen kann! Mir fehlt’s an Geld.1 Der Teufel hat *uns das Spiel ־verdorben. Weisst ja, es war heute auf die St. Markuskirche abgesehen. Alles ging prächtig, wir waren ihrer drei in der Sakristei versteckt, die anderen sollten kommen und das Hinterpförtchen öffnen. Schon hatten wir die Monstranz und Kelch sfemmt silbernen Leuchtern zusammengepackt, als das besagte Pförtchen aufgeriegelt ward, doch schien mir’s gleich etwas zu früh. Seid Ihr’s Kameraden? fragte ich. ja, ja, wir sind’s, war die Antwort, und im Nu waren wir von einem Haufen Söldner umringt• Meine zwei Gesellen, vorsichtiger als ich, waren, von der!Dunkelheit begünstigt,, glücklich bis zur Kuppel gekommen. und*wahrscheinlich durch eine Oeffnung entwischt. Ich aber, der zu weit vorgedrungen. sah keine andere Rettung, als mich mit Gewalt duflfchzuschlagen Vertrauend auf Dein Amulet entriss ich dem Nächsten die Hellebarde, schleuderte die Söldner rechts und links und erreichte glücklich den Ausgang. Ich floh, was ich konnte bis zur Moldau, hinter mir drein die Häscher, denen ich nur dadurch entging, dass ich mich.in den $trom stürzte. Ich schwamm eine Strecke unter dem Wasser und nahm dann die Richtung nach dem andern Ufer. Aber Dein sogenannter Talismann besitzt nicht viel Wunderkraft; Du versicherst mich, er mache hieb- und stichfest, und doch hatte das spitzige Eisen eines Söldners mir den Schenkel durchbohrt- Da nimm Deinen trügerischen Talismann wieder zurück, er hilft ebenso viel als die Salbe der alten Zigeuner von Podol“ Dies sagend, warf ervein Amulet dem erstaunten Leon zu, und sank, vom vielen Reden erschöpft, ohnmächtig aufs Lager zurück. Durch, die Bewegung war die Wunde wieder aufgerissen, and ein neuer Blutstrom quoll hervor. Leon vergass seine Rolle׳ und eilte, als Arzt, die Wunde soviel es sich tun liess, zu verbinden und den Ohnmächtigen wieder ins Leben zurückzurufen. ״Ichgehe jetzt einen Arzt zu holen,“ sprach Leon, nachdem der Verletzte wieder zu sich gekommen. ״fahre zur Hölle, spitzbübischer Jude, lass einen Barbier kommen, d6r nicht plaudert, vergiss auch nicht, einen Beutel mit Groschpn zu schicken,“ erwiderte Waclaw Rybar- Leon batte genug erfahren, ihm graute, länger in der Wohnung eines Verbrechers zu weilen und nachdem er dem Kranken einige Silberstücke tn die Hand gedrückt, verliess er eilig das unheimliche Raubnpst, jr- JEin schwerer Kampf war es, der jetzt in Leons Brust yorgjnE .•" Säfltfc er als redlicher Mann seine Entdeckung der Befc&rde anz«(«■, Salum und die geliebte Dina der Schande und 4aäs4iKder9&-p reisgeben, oder sollte er das Schändliche ver- *eMrwWen *und «Tie Entdeckung dem wachenden Auge der bürge rliehen Qesfchtr überlassen? Die Liebe verlangte Stillschweigen, die י Fjfljcht’’'gebot zu reden. Gern hätte er dem Gerichte die Verbfewer überliefert, wenn er nur die unschuldige Familie Salums retten konnte, Das Verbrechen des Eidams hätte aber auch den Schwäher mit ins Verderben gerissen■ Da schlug seine lieberlegung den Mittelweg ein. Erst sollte das Bündnis zwischen Salum und Klebler gelöst werden, danh die Gerechtigkeit ihr Opfer hinnehmen. Diese Vorstellung tat dem liebenden Manne wohl, er dachte sich die schöne Dina frei und die Hoffnung, sie zu besitzen lebte in seinem Herzen wieder auf. Unter diesen Betrachtungen kam er zum zweiten Male vor die Wohnung Salums, in welcher es_ noch lebhaft zuging.׳ Er trat vermummt wie früher unter die fröhlichen Zecher. ״Itzigs Ebenbild ist schon wieder dal* schrieen die Gäste und sammelten sich um die Maske. Diese aber verlangte bloss mit dem Hausherrn im Geheimen zu reden und Salum führte sie in ein besonderes Gemach. ״Salum,‘ begann hier Leon, ״trachtet so schnell als möglich das Verhältnis zwischen Euch und dem Klebler aufzulösen, denn icn. schwöre Euch bei dem Allmächtigen, dem die tiefsten Geheimnisse nicht verborgen sind, des Kleblers unvermeidlicher Sturz ist nahe und wenn Ihr Euch nicht bald von ihnen lossagt, reisst er auch Euch mit in den Abgrund.“ Leon sprach dies mit soviel ] Ernst und Nachdruck, dass es der Jude unmöglich für einen Purimscherz halten konnte und erschrocken erwiderte Salum: ״Was kann dem Klebler widerfahren? Er ist ein steinreicher und grundehrlicher Mann.“ ״Reich mag er sein, doch ist von Redlichkeit keine Spur an ihm, denn wisset, dieser.Klebler. Euer Eidam, ist ein Geselle der ן Kirchenräuber und Wegelagerer!“ ״Um Gotteswillen, was sprecht Ihr da? Welche Beweise könnt Ihr mir geben, dass Eure Aussage nicht Verleumdung ist?־ Jeder Mensch hat seine Feinde “ ״Ich habe Euch bei dem höchsten Wesen geschworen, Euer Eidam ist ein niederträchtiger Mensch. Lasst ihn rufen, nennt ihm die St. Markuskirche, den Namen Waclaw Rybar, und zeigt ihm dieses Pergament, das er als ein schützendes Amulet dem Spjessgesellen gegeben.“ Mit diesen Worten überreichte er das Stück Pergament dem fast zur Bildsäule Erstarrten Juden und entfernte sich rasch aus dem Hause. Wie ein Blitzstrahl hatten diese Reden den gutmütigen Salum erschüttert, er konnte lange nicht zu sich kommen und stand wie vernichtet da, bis ihn die Gattin aus seiner Betäubung weckte. ״Was ist geschehen,“ fragte sie mit Besorgnis, ״wer war die sonderbare Maske und was hat sie Dir gesagt?‘־ ״O viel, sehr viel, Weib!" erwiderte Salum, trat zur Türe und rief seinen Eidam und dessen Vater, die in dem andern Zimmer waren, zu sich. ״R. Chaitn,“ begann Salum mit erzwungener Ruhe, ״ich habe wichtige Dinge mit Euch zu reden. Die Welt zweifelt an Eurer Redlichkeit, und heute hat mich jemand versichert. Ihr seid nicht auf redlichem Wege zum Vermögen gekommen “ ״R Salum, was denkt Ihr von mir? Wodurch habe ich; solchen Verdacht in Eurem Herzen erregt? •Oder scherzet Ihr vieli leicht?“ entgegnete der alte Klebler i ״Nein, nein, ich bin von Scherz weit entfernt! Wirklich wahr! Mich hat jemand gewarnt vor Euch “ ״Vater,“ fiel der junge Klebler lachend ein, ״siehst Du denn nicht, dass der Purimtrank meinem Schwäher ein wenig in den Kopf gestiegen und ihm den Verstand verrückt?“ ״Schweig I“ donnerte Salum aus der Fassung gebracht, ״rede nicht früher, bis ich Dich frage! Ja, so ist’s, R. Chaim,“.wandte er sich zu dem Alten. ״Mun spricht sonderbare Dinge von Eurem schnell erworbenen Reichtum. Ich wollte keinen Teil dabei haben!“ Der alte Klebler schwieg. Izzig hingegen geriet in Zorn und fragte: ״Wer ist der Schurke, der uns etwas Unrechtes nachweiscn kann I?“ ״Poche nicht so sehr auf Deine Ehrlichkeit“ unterbrach ihn Salum, ״ich könnte Dir Namen ins Ohr schreien, die Dich wie der Donner zerschmetterten!“ 1 ״Nun, so lasst hören; wie lauten diese Schreckensworte entgegnete trotzig der Schwiegersohn “ ״Kennst Du einen gewissen Waclaw Rybar?“ Bei diesem Namen erblasste der alte Klebler und begann am ganzen Leibe zu zittern; der junge aber lachte hell auf und sprach: ״Der arme Kerl, was ist’s mit ihm? er verdient öfters einen Kreuzer bei mir, weiter nichts. ״Und die Kirchenplünderei ist auch nichts?“ ,,Hel. vrill’s da hinaus? Seht Schwäher, wenn wir zuweilen so einem Tropf einige Stück Silber abkaufen, so ist das ein gutes Werk, das Gott gefällt, denn die upoarmerzigen Gojim plündern auch unsere Schulen, die doch hwtig sind.“ Länger konnte Salem nicht an sich halten. So ist es alsodoch wahr? Fort, niederträchtiger, abgefeimter Schurke I“ rief er entrüstet. ״Sorget, dass Ihr aus meinem Hause kommt, ehe ich Euch hinauswerfen lasse; Mein Gott! warum hast Du mir das zugeschickt? Geht, Hundei Von diesem Augenblicke an soll jede Verbindung zwischen uns aufhören.“ (Fortsetzung folgt.'!