Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- 1 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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8 "Der Sabbath. M mit seinem früher gesammelten \errfmsen gute Freunde, die ihm zu seinen stolzen Plänen behilflich sind: so muss die Gährung im Lande bald ausbrechen.“ Der ehrwürdige Greis schwieg und betrachtete aufmerksam den Leibarzt, .der in Nachdenken versunken, den Blick auf^en Boderi geheftet, vor ihm stand. V „Eufcr Geist scheint mit anderen Dingen beschäftigt, als mit unseren Staatsangelegenheiten.“ pahm der Erzbischof wieder das . Wort- -Verzeihet, gnädiger Herr! Ich dachte nur nach, wie dem L'ebel abzuhelfen wäre Die Grossmut Euer Gnaden hat meine Sparbüchse gefüllt, ich hab.e einiges Vermögen als Zehrpfennig für das Alter erübrigt, dazu bekam ich noch -heute ein namhaftes Geschenk von mehr denn hundert Golds.tücken. “Wenn die Beträge hinreichten fifr den eisten Augenblick die Ordnung zp erhalten, so wäre ich — “ ' „Nicht doch, lieber Leon,“ fiel der Statthalter rasch ein. -Ein Staat bedarf mehr, als ein Einzelner sich erspart- Ich kann von Eurem mühsam erworbenen. Vermögen keinen Gebrauch machen, aber um so mehr rechne ich auf eure Person selbst “ -Sprecht, gnädiger Herr! womit kann ich meinem Gebieter und dein Staate dienen? Ich bin zu allem bereit.“ versetzte mit Feuer der Arzt: ' - . ' „So hört denn!“ fuhr der Bischof fort. -Das meiste Gold befindet sich in den Händen unserer fleissigen. sparsamen. mi> unter auch.wijchernden Israeliten, lene Staatspolitik, die luden, nachdem sic im Lande Schätze gesammelt, gewaltsam zu plündern, wie cs im Frankenlande oft geschehen, halte ich für schändlich und allen Rechten der Menschheit zuwider. Wenn aber ein odeT mehrere reiche Männer dieses Volkes sich fänden, die dem Staate gegen.Schuldschein und biliige Zinsen einige hundert Mark Silber vorstr^ckten. so wäre .dem L'ebel abgehoben. Zu diesem Geschäft habe ich Euch gebrauchen wollen. Leon. Ihr seid mit diesem Volk bekannt, kennt ihre Schwächen und Tugenden, Eure Beredsamkeit, Euer einnehmendes Wesen wird sie geschmeidiger machen" Leon hörte aufmerksamdts Lrzbischofs Reden, und als diesergeendeterwiderte er : ’ -Herr!" es s&H geholfen werden! Wie viel verlangt Ihr? „Zweitausend Mark wäre hinreichend.“ war die Antwort. „Ght* Ich kenne\inen reichen, ehrlichen ,'lann, an den will ich mich halten." — Der erste Gang des Arztes war auf die Altstadt zu Salum. der ihn freudig empfing und alles aufbot. seinen werten Gast nach -Gebuht: zu bewirten. Dina war heute, wenn gleich nicht geschmückt doch -nicht minder reizend als vergangene Nacht. Sie sass im einfachen Hausgewande in einer Fenstervertiefung, mit weiblicher . Handarbeit' beschäftigt. Die Hausmutter ging hin und her die Wirtschaft zu besorgen. , .'•ach einigen gleichgültigen Gesprächen begann der-Gast: „Lieber Saium. als Ihr mir gestern Eure Dienste angeboten, hätte ich nicht gedacht, dass ich sobald Eure Güte in Anspruch nehmen würde. |a. staunt nur. ich bin gekommen. Euch an Euer gestriges Wort zu erinnern. ..Gnädiger Herr! was Salum einmal ausgesprochen, wird er auch halten.“; „Daran zweifle ich nicht! Ihr habt Cure. Erkenntlichkeit zur Genüg# bewiesen-, indem Ihr mir ein so bedeutendes Geschenk übersch’icktet. Lieber Salum, es i^t zu viel für einen kleinen Dienst, der nichts als Pflicht war. Ich nehme den Ring zum Andenken. doch die Goldstücke bringe ich Euch zurück,“ so sagte Leon, indem er den Beutel vor sich hin auf den Tisch legte. ..Guter Herr" bat Salum', ,.tut mir das nicht! nehmt hin, was ich leicht entbehren kann. Glaubt nicht, dass der Jude wirklich geizig ist und mit unlöslichen Banden an seinem Golde hängt; er ist haushälterisch, gibt Reinen Pfennig gern überflüssig aus, doch zur Zeit, wo es nötig, da bat Geld keinen Wert für ihn.“ Aber lasst mich döch ausreden“, fiel dfcr Doktor ein. „Ich gebe Euch Euer Geld zurück, um weit mehr zu begehren.“ „Pa, wenn dies ist, so lasst hören“. Darauf machte ihn Leon mit dem Verlangen des Statthalters bekannt und erklärte ihm deutlich den Zustand und die Verhältnisse und den Zustand des Landes. ^Zweitausend Mark?__Viel, sehr viel für mich allein! Schuldschein!“ setzte er kopfschüttelnd hinzu, „der Schuldschein eines Staates in der Hand eines luden ist nur ein schwaches Papier. Bei wem soll ich mein Recht suchen, wenn der Schuldner selbst der Richter ist?' Döch Euch zu lieb will .ich das Geschäft mit dem Statthalter eingehen, wenn ich noch einige dazu bereden kann. Wie'gesagt, für mich allein ist die Summe - zu gross. Verweilet noch einige Zeit in meinem Hause, ich werde Euch bald Antwort bringen “ Rabbi Salum nahm hierauf sein Barett und seinen Stock und entfernte sich. Indessen unterhielt sich der Doktor mit der Töchter des Hauses. Diese war aber heute bei weitem nicht so gesprächig als gestern. Sie horchte zwar auf Leons Worte, erwiderte kurz dessen Fragen, doch jenes hingebende Vertrauen, das er gestern be! der Jungfrau wahrgenommen, konnte er heute in ihrem Betragen nicht finden. Das Mädchdn schien ihm zurückhaltend, ja mistränisch zu sein und der sanfte Blick ihres himmlischen Auges, der ihm vor wenigen Stunden; so wohltuend begegnet, hatte sich in einem düstern, wehmutsvollen, umgewandelt. Leon schrieb diese Wandlung ihrem Brautstaide zu „Sie karin den wiqrigen Menschen unmöglich lieben,“' dachte er bei sich selbstj und eine verlobte Braut kann immer noch das Weib eines Andicrn werden“. Mach einer Stunde kam Salum zurück. Freude malte sich auf scinem»-Ant;itz. j „Ge/oht sei der Hefr Zebaoth! Die Sache hat sich gut gemacht' . Sprach er lächelnd zu Leon. „Ihr könnt unserm gnädigen Statthaljeg_jiie frohe Nacjhricht bringen, dass er noch 'heute die verlangte Summe erhält. [Ich habe mit den Reichen und Wohlhabenden unserer Gemeinde gesprochen, jeder ist bereit, "so viel als mögUglt beizutragen, j Mit inniger Freude; vernahm dies der Arzt, dankte Salum,- verbeugte sich vor Dina und wollte sich entfernen, aber der Hausherr fasste ihn beini Arm und drückte ihm den Beutel mit den Worten in die Hand:! „Nehmt, Herr! Was wir Euch zu -Liebe dem Staate tun, hat mit meiner Dankbarkeit und Eurem Edelsinn nichts gemein. Vergebt, dass ich. ein uhwissender |ude. Euch belehre. Ihr seid ja hier ein. Fremder, npr Eures Fürsten Diener. Die. Huld der Vornehmen ist oft nichts als ein Traum, ihr könnt einst das Geld noch brauchen, vielleicht zu einem edlen Zwecke, denn auch Wahrheit de$ gutmütigen drückte des Gebers Hand an demselben Tage wurde und — die Ruhe war auf dazu.braucht man oft Gejd. Der Arzt fühlte sich von der Salums getroffen, nahm' den Beutel, mit Wärme und eilte davon. Noch das Geld dem Erzbischof übergeben einige Zeit im Lande hergcstellt. - . Von nun an war Leon täglicher Gast hei Salum, und je öfter er ins Haus kam,'tun so mehr entfaltete sich Dinas Lieblichkeit. um' so höher wuchs seine Neigung, die endlich zur Leidenschaft wurde. Mit unwiderstehlicher Gewalt fühlte er sich zu der schönen Jüdin hingezogeni. es war ihm, als sei sein Leben mit dem ihrigen verschmolzen und seine Seele nur ein Teil der Ihrigen. Dina blieb sich hingegen in ihrem Benehmen immer gleich- Sie verehrte den Mann, deri ihr selbst und ihrem Vater zur Zeit der Not einen mächtigen Djenst geleistet, wie einen schützenden Genius, aber sie betrachtete "ihn zugleich wie einen vornehmen Herrn, der sich blos aus Cjüte zu ihr herablasse,'und niemals nahm sie die schmeichelnden Worte des beredten Doktor lür Wahrheit. Ihr Auge und ihr Ohr lauschten mit Wohlgefallen auf den Klang seiner Laute und seine süssen Liebeslieder, und ihr reines Herz, fühlte himmlisches -Entzücken, Wenn der kraftvolle, feurige Mann ihr die Freuden reiner Liebe schilderte; wie-der Strahl der Frühlingssonne in die schlummernden Heime frisches Leben haucht, so weckten seine glühenden Seeleneirgfisse nie gefühlte Regungen in ihrer Brust. So oft er aber vop Verbindung und Ehe sprach, schüttelte sie bedächtig das niedliche Köpfchen und erwiderte: | ^Fortsetzung folgt.) ’r An alle Freunde unserer Sache in Stadt und LandJ iderbet TTTitglicdcr! Bildet Ortsgruppen! Spendet für die! Zwecke des „Verbandes“! Der ^eschäftsführende Ausschuss des Verbandes der 5abbathtreunde i. A.: Dr. Eduard Biberfeld. Vorsitzender Berlin C. 54, Dragonerstr.