Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 12 (12.1843)
- Date
- 1843-12-01
- Page
- Seite 380 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Stand der Dinge im Morgenlante. jetzigen König der Belgier, Leopold, seiner Zeit Anträge gemacht wurden die hellenische Krone anzunehmen, aber die Bedingniß eines RcligionswechselS beigefügt war, lehnte er entschieden den Ruf ab. Dem König Otto wurde bekanntlich ein Religionsübertritt nicht zugemuthet, wenn aber für den nächsten Thronfolger diese Forderung Gesetzeskraft erhält, so steht zu erwarten, daß keiner der baierischen Prinzen cinwilligt, dann stirbt die deutsche Dynastie in Athen schon im ersten Glirde wieder ab und das der Ruhe so bedürftige Griechenland sieht sich von neuem in die Stürme einer Königswahl hineingeworfcn. Ja schon die Voraussicht, daß mit König Otto auch seine Dynastie abstirbt, läßt von Stunde an seinen Thron der nöthigen Festigkeit nnd alle staatliche Entwicklung Griechenlands der unentbehrlichen, gedeihlichen Stätigkeit ermangeln. Hiezu kommt noch, daß es in der Welt ein einziges Herrscherhaus gibt, das der griechischen Confessio» zugethan ist, das russische. Wenn also die Griechen auf einem orthodoxen Thronfolger bestehen, und um ihrer Krone willen Keiner seinen Glauben ändert, so geht der griechische Thron nothwendig in russischen Besitz über, weil man nur von dorther einen rechtgläubigen Herrscher bekommen kann. Das ist aber ausdrücklich von den Mächten, welche Griechenland errichtet haben, stipulirt, daß kein Prinz aus einem Hause dieser Großmächte den hellenischen Thron besteigen soll. Es thut sich daher bei der Entscheidung dieserFrage ein weites Feld auf vonReclamationen, Verwahrungen und möglichem bittern Hader. Alle diese Rücksichten sind ohne Einfluß geblieben auf die griechische Nationalversammlung. Der Artikel 40 der neuen VerfaffungSurkunde lautet: »Jeder Nachfolger auf dem griechischen Thron muß nothwendig die Religion der orthodoren orientalischen Kirche Christi bekennen.»