Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 12 (12.1843)
- Date
- 1843-12-01
- Page
- Seite 364 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Ci« Zuven in Maroerv. S«4 den — so weit die religiösen Borschriftcn nichts anderes fordern — sind die gleichen wie bei den Mauren selbst. Rach meiner Erfahrung sind die Vorstellungen sehr übertrieben, die man sich gewöhnlich von der Grausamkeit und Barbarei der Mauren gemacht hat. In Tanger und in allen Städten der Seeküste könnte ein Missionar, der sich der Juden annehmrn wollte, ohne Schwierigkeit und ohne Gefahr seinem Berufe leben. Die Juden in Tanger (dem Sitze der europäischen Eonsuln) sind wohl, habend und ahmen-Uue Silten EluvpaS^tSch. lieber- Haupt kann man sagen, daß die Juden in Marocco in allen wichtiger» Angelegenheiten die Hauptrolle spielen, obschon sie dem äußern Anschein nach in völliger Knechtschaft stehen, und da bekanntlich der gegenwärtige Kaiser Abd-er-Rahman vorzugsweise den Handel und Gewinnst im Auge hat, so haben die Juden bei ihm viel zu bedeuten. Uebrigens muß man den Juden daS Zeugniß geben, daß sie ihre Gesetze und namentlich die Feier des Sabbaths strenge halten, selbst dann wenn es für sie mit augenscheinlichem Schaden verbunden ist. Ein neuerlicher Vorfall zeigt dieses deutlich. Längere Zeit hatte ein Ostwind geweht, der es den Juden unmöglich machte, nach Gibraltar zu fahren und die der dortigen Garnison nöthigen Lebensmittel abzusetzen. Der Wind sprang um und wurde günstig, aber es war Sabbath. Erst' am folgenden Tage meldeten sich die Juden auf dem Zoll-. Hause um die nöthigen Papiere zu erhalten. Der Beamte sagte ihnen: »Warum seid ihr nicht gestern gekommen? Heute und an den nächstfolgenden Tagen haben wir ein Fest.» Die Juden aber hatten lieber den Schaden getragen, der für sie aus der Verspätung entsprang, als daß sie am Sabbath mit ihren Handelsschiffen in See gegangen wären.