Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 3 (3.1843)
- Date
- 1843-03-01
- Page
- Seite 84 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4872516-5427218-5427346--2155-4874597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
81 Geschichte Jerusalem«. Empörung unter den Juden des ganzen Reiches um sich griff und (wie Dio sich ausdrückt) die ganze Welt in Bewegung gesetzt ward, erwachte Hadrian auS seiner Unthätigkeit. Die aufrührerischen Juden hatten bereits von 40 befestigten Plätzen und 985 bedeutenden Dörfern Besitz genommen. Der Kaiser sammelte jetzt Truppen von verschiedenen Seiten und ergriff Maaßregcln, den Krieg mit Ernst zu führen. Er schickte seine besten Hauptleute nach dem empörten Lande, rief seinen ausgezeichnetsten Heerführer Julius Severus auS Britannien zurück, und stellte ihn an die Spitze der Truppen im Orient. Der Kampf war lang und blutig. Die Juden waren zahlreich und fochten mit dem Muthe der Verzweiflung. Julius griff ihre Schaaren an, schnitt ihnen ihre Dorräthe ab, nnd eS gelang ihm so, zwar langsamer, allein mit desto geringerer Gefahr ihre Kräfte zu erschöpfen, und sic endlich ganz zu zerstören. Seltsam ist es, daß die Belagerung und Einnahme Jerusalems durch die Römer während dieses Krieges nirgends ausführlicher beschrieben worden ist; selbst die Rabbinen sagen nichts von der Belagerung und erwähnen nur die Entweihung des Tempelberges. Zwar mußte Jerusalem für die Juden einer der wichtigsten Punkte sein, und anderseits mußte der römische Krieger vor, zugsweise nach der Gewinnung dieser Stadt streben. Dieselbe bildete aber nicht, wie in dem Kampfe unter Titus, den Schauplatz der letzten entscheidenden Ereig, niffe. Diese fanden vielmehr statt durch die Einnahme der Festung B ether, die nicht fern von Jerusalem gelegen haben soll, über welche aber nichts Gewisses mehr bekannt ist. Dort endete der erfolglose blutige Versuch der Juden sich aufs neue ihre Unabhängigkeit zu erringen im 18. Jahr der Regierung Hadrians, 135 Jahre nach Ehr.