Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 2 (2.1843)
- Date
- 1843-02-01
- Page
- Seite 62 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/4872516-5427218-5427344--2132-4874575- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Di« Juden in Jerusalem. es Jahr. Drei derselben sind zum Andenken an die Zerstörung von Jerusalem, und der vierte ist der große Bersöhnungstag. Die rabbinischen Juden verachten und hassen die Karaiten, und betrachten sie — namentlich in Jerusalem — als ärger denn die Heiden. Anderwärts dagegen zeigen deutliche Spuren, daß dieser alte Haß im Abnehmen begriffen ist und gegenseitige Annäherung stattfindet. Im Ganzen befinden sich die Juden in Jerusalem in einem Zustande großer Verwahrlosung, doch regt sich auch unter ihnen in neuerer Zeit ein frisches Leben. Bon beiden wollen wir aus den Briefen Ewalds ein Beispiel anführen. Er schreibt: ich besuchte mehrere jüdische Familien. In einer überaus elenden Hütte fand ich eine Anzahl Juden, welche miteinander ein einziges Gemach bewohnen. Ich sagte zu dem Bater eines neunjährigen Knaben: Ihr solltet ihn zur Schule senden. Er antwortete mir, daS würde er sehr gerne thun, aber es gebe in Jerusalem keine Schule, worin ein Kind etwas lernen könnte. Ich sagte ihm, wir würden bald eine errichten, und da möge er sein Kind dann senden. Er versprach eS zu thun. Rabbi Israel hat in seinem Hause eine kleine Synagoge , wo sich einige von den Chasidim zum Gebete versammeln. Dieser Rabbi Israel ist ein außerordentlich gescheuter Mann. Er hat kürzlich hier eine Buchdruckerei errichtet mit zwei Pressen, welche achtzehn Arbeiter beschäftigt. DaS merkwürdigste ist aber, daß alles was dazu gehört Hieselbst ist verfertigt worden unter Rabbi Israels Leitung. Die Lettern schneidet er selbst, und obschon das ganze Unternehmen noch in seinem Anfänge steht, so sind doch schon mehrere jüdische Bücher auS dieser ersten Druckerei Jerusalems hervorgegangen.