Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 1 (1.1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeichen der Zeit. I» Israeliten von mehrerer und von minderer Bildung die DenknngSart, welche den Glauben der Väter wegwirft, um an dessen Stelle nichts, ganz nichts, aber doch zeitlichen Vortheil zu fetzen. Wenn wir . von dem Wegwerfen des Glaubens der Väter reden, so meinen wir damit nicht die Satzungen und kleinlichen Bestimmungen deS Talmud, sondern wir verstehen darunter die wesentlichen Vorschriften des mosaischen Gesetzes und die größten den Vätern gegebenen und von den Propheten verbürgten Verheißungen. Selbst diese verachten Tausende in Israel und würden, wenn der platteste Rationalismus irgendwo ein Reich gründete, als willige Bürger schaarenweise in dasselbe einziehn. *) *) Wenn in unser» Tagen viele Juden die strenge Gesetzlichkeit ihrer Religion«form abzustreifen und stch in politischer und religiöser Bestehung dem christlichen Staate, in dem sie leben, mehr anzunähern wünschen, so hat man diese« oft nicht so zu verstehen, al« ob sie da« menschliche Flickwert in ihrem Religion«bekenntniffe einsahen, daneben aber doch an dem von Gott geoffenbarten Kern desselben getreulich festhielten, und al« ob sie dem Ehristenthum stch annäherten, weil sie eine innere Ueberzeugung von der Göttlichkeit desselben in stch trügen» sondern in den meisten Fällen ist .ihnen der Glaub« der Vater entleibet, weil er ihnen Lasten und Entbehrungen auflegt, wobei Ke keinen Unterschied machen zwischen Gotte« Wort und Menschensatzung. Einer großen Zahl unter ihnen ist Mose selbst nur ein weiser Mann, aber nicht der Vertraute de« Gotte« Israel«, der stch offenbaret. Diese Leute sehen natürlich auch in Ehristu« nicht« mehr als den wohlwollenden, weisen Lehrer und er steht ihnen nicht höher al« er den Muhammedanern steht. Ihre Annäherung an da« Ehristenthum hat kein geistige« Motiv, sondern Ursache und Ziel ist zeitliche« Jnterrffe. Di« Religion Solcher läuft auf einem färb- und gehaltlosen vei«mu« hinau«, ohne irgend einen posttiven Kalt. Diese Tendenz ist gefährlicher al« ste scheint. Sie untergräbt die Fundamente de« Bestehenden, ohne an die Stelle de« Aufgegrbenen etwa« Bessere« zu setzen. E« ist ein Hinaustreten au« den Schranken de« ererbten Heiligthum« um die Hoffnungen