Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 1 (1.1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Zeichen der Zeit nach Aemtern und Würden streben, wenn da- Schreiben am Sabbath ihnen verboten wäre." Wir wollen nicht behaupten, daß der Jude, welcher am Sabbath schreibt, das Gesetz Mose's bricht, und man kann sich denken, daß ein Jsraelite der Vorschrift, wie sie in der Bibel selbst enthalten ist, nachkäme und seinen Sabbath heilig hielte, während er doch ein paar Zeilen an diesem Tage schriebe. Hievon ist aber in dem gegenwärtigen Falle nicht die Rede. Der Landrabbiner erklärte nicht da- Gesetz Mose's für göttlich und verbindlich und will nur den Buchstaben etwas weicher und weiter fassen als die rabbinischen Satzungen eS sonst thun. Nein, er scheint der Meinung zu sein, daß das Sabbathgesetz an nnd für sich könne gebrochen werden, daß der Jude auch die mosaischen Gesetze den Landesgesetzen , der Emancipation, den Aemtern und Würden zu Liebe, dürfe übertreten und aufgeben; ja er will sogar den unerhörten Satz aus dem Talmud beweisen, daß einem Juden die Landesgesetze, selbst in den Punkten wo sie dem jüdischen Glauben entgegcnstchen, höhere Geltung nnd mehr Verbindlichkeit haben alS die mosaischen Gesetze. Das ist nun freilich stark. Aber verwundern und überraschen kann es nicht. ES tritt uns ja auf allen Seiten diese Laxheit entgegen. Uebe^all finden wir bei so viele bürgerliche Rechte in Anspruch nehmen kann als jedes andere Glied des franjdfischen Staates. Diese« findet in den meisten andern Staaten nicht statt, und darum dringen die Juden auf Emancipation, wörtlich Freisprechung, und verstehen darunter die ihnen bisher verweigerte Gleichheit im Rechte mit allen andern Gtaatsbürgern. Ob diese Smancipation wünschenswerth, ob sie ausführbar, ob sie den wahren Interessen Israels ruträglich wäre, ist «ine sehr weitführente Frage zu deren Erörterung unser Blatt nicht bestimmt ist.