Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 10 (10.1842)
- Date
- 1842-10-01
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4872516-5427214-5427336--1966-4874415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
390 Der Prophet Habakuk. benS willen in die Löwengrube zu werfe«/ ihn aber Gott wunderbar beschützt und erhalten hat. An dieser einfachen Geschichtöerzählung hatte die Sage nicht genug; sie ließ den Daniel gegen dm Drachen, d. h. die große Schlange, auftreten, welche die Babylonier sollten ver, ehrt haben, und seine Verurtheilung zum Tode in der Löwmgrube sollte darum erfolgt sein, weil er den Drachen durch eine vorgeworfene Speise getödtet habe. Auch mußte Daniel nicht n»r von einem Tag auf den andern (Dan. 6,18.19.) bei den Löwen gewesen sein, sondern, um das Wunder größer zu machen, ließ ihn die Sage bis am siebenten Tage in der Grube verweilen. Um nun Wunder auf Wunder zu Haufen und auch die Schwierigkeit zu heben, wie der Prophet so lange Zeit ohne Speise habe aushalten können, wurde die Geschichte erfunden, die wir hier im Auge haben. Es wird nämlich behauptet, Während Daniel in der Löwengrube gesessen, habe der Prophet Habakuk in dem Lande Judäa seinen Schnittern aufs Feld die Mahlzeit bringen wollen; plötzlich aber habe ein Engel ihn ergriffen und durch die Luft fort die weite Sttecke nach Babel, wie auf den Flügeln des Windes, ihn gettagen, damit er dort den gefangenen Propheten speise. Hätte diese Geschichte nicht ihren Weg gefunden in die, von der alten Kirche in die Bibel aufgenommenen apokryphischen Bücher, so würde sie, wie hundert andere im jüdischen Talmud befindliche, rabbiiiische Legenden, keine Erwähnung verdienen. Da sie nun aber einmal in unsem Apokryphen steht, so wollten wir sie nicht ohne Bemerkung übergehen, und benützen diese Gelegenheit, unsere Leser daran zu erinnem, daß die evangelische Kirche den Apokryphen durchaus keinen andern Werth einräumt, als jeder sonstigen menschlichen Schrift. Jnsoferne also dieselhen geschichtliche Dar-