Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 9 (9.1842)
- Date
- 1842-09-01
- Page
- Seite 280 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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*80 Die Nrstorianer. wie man mir sagte, gibt es bei fünfzig solcher Jeziden- Dörfer auf dieser — der östlichen — Seite des Tigris. Den 24. August frühstückte ich in dem großen, von Jeziden bewohnten Orte Hattareh, welcher nach altern und neuern syrischen Schriftstellern mit der Stadt Calah identisch sein soll, deren im ersten Buche Mose — 10,11.— Erwähnung geschieht. Hattareh war lange die Hauptstadt der Jeziden auf dieser Seite des Tigris, feit aber die Revendus-Kurden vor etwa sieben Jahren den Ort zerstört haben, ist er beträchtlich heruntergekommen und seine Bevölkerung beträgt kaum noch 1000 Seelen. Sie sollen seit undenklichen Zeiten hier wohnen. Ich hatte eine längere Unterredung mit einem Jeziden, der das Türkische geläufig sprach, und unter seinen Leuten ein geachteter Mann zu sein schien. Er sagte mir unter ander«, sie, die Jeziden, besäßen Religionsbücher. Ein Umstand, dem die hieländischeu Christen widersprechen, der mir aber auch durch den Pascha von Mosul ist bestätigt worden und gewissermaßen auch von Herrn Rich, indem dieser von Gebeten sprach, die die Jeziden »ablesen». Ich hoffe in nicht langer Zeit mich näher zu unterrichten, über dieses eigenthümliche Volk, das unsere Theilnahme gewiß in hohem Grade verdient. Bis vor wenigen Jahren genossen die Jeziden eine Art von Unabhängigkeit, sowohl die hier herum ansäßigen, als die in den Bergen von Sindjar. Jetzt sind sie aber sehr unterdrückt und ihre Armuth und Entsittlichung hat einen solchen Grad erreicht, daß Fälle vorgekommen sind, wo Eltern selbst ihre Kinder zu Sklaven verkauft baden. Aber gerade diese Noth mag sie zugänglicher und empfänglicher gemacht haben für die evangelischen Belehrungen, welche die abendländische Kirche Christi im Falle ist ihnen zu bringen.