Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 8 (8.1842)
- Date
- 1842-08-01
- Page
- Seite 256 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4872516-5427214-5427332--1930-4874381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Restorianer. 25« rend meine Gelenke vor Müdigkeit zusammen brechen wollten. Nachdem wir zwei beträchtliche Dörfer zu unserer Rechten gelassen, kamen wir eine Stunde vor Sonnenuntergang in einem der größten Dörfer des Distrikts an. Wir wurden sogleich nach der Kirche begleitet, wo der Patriarch und sein Bruder das Abendgebet der Dorfbewohner leitete, während unsere Leute in dem Borhofe Teppiche zu unserm Nachtlager ausbreiteten. Unser Nachtessen bestand aus Hirse, welche mit saurer Buttermilch zu einem festen Brei zusammengekocht und in einer gewaltigen hölzernen Schüssel aufgetragen war. Wir hatten hölzerne Löffel und Jeder nahm zu dem Brei, so viel er wollte, von zerlassener Butter, die sich in einem kleinen Schüffelchen mitten in der großen Schüssel befand. Gerstenbrod war rings am Rande unseres Tisches aufgelegt, welcher letztre aus nichts anderm bestand als der Haut eines Stcinbocks oder einer Bergziege. Diese Schilderung gilt zugleich von allen andern Mahlzeiten, die wir auf dieser Gebirgsreise hielten, ausgenommen daß bisweilen Reis, Weizen, Gerste, Mais oder Roggen die Stelle der Hirse vertrat, und auch als Brod und als Suppe erschien. Die Milch wird nicht leicht anders alS sauer genossen, und die Butter nur in zerlassenem Zustande. Im Winter liegt hier der Schnee sehr tief und es macht lange kalt, nichtsdestoweniger gedeihen die Weinreben trefflich, obschon sie in der Qualität denen der niedrigen Theile von Tijari nachstehen. Aepfel, Birnen und die im Norden bekannter» Obstsorten kommen hier nicht sonderlich gut fort und sind auch nicht so schmackhaft. Weizen wird von den Nestorianern des Gebirgs nicht viel gebaut, aber man erhält ihn durch Tauschhandel gegen Honig und die Erträgnisse der Heerden, denn die Nestorianer bewohnen ein Land, » das von Milch und Honig fließt.» (Fortsetzung folgt.)