Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 8 (8.1842)
- Date
- 1842-08-01
- Page
- Seite 238 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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288 Die Nestormner. Unglücklichen aufgeknüpft hängen. Andere Verbrecher wurden eingebracht, während ich in dem Palaste war. Bei der Untersuchung wird die Folter angewendet und zuweilen sterben die Schlachtopfer unter der Bastonade. Allerdings macht es der anarchische Zustand des Landes nothwendig, daß strenge Maßregeln angewendet werden, und dennoch blutet einem das Herz, wenn man alle Tage von Gewalt und Gräuel hört, womit daS Land erfüllt wird. Den 22. Juni. Ich machte mich auf den Weg nach Van in Gesellschaft von etwa 40 Reisenden: Kurden, Türken und Armenier, die bunteste und gemischteste Gesellschaft, die man sich denken kann. Ich hatte keinen andern Mann im Dienste als den rüstigen Maulthier, treiber, welcher auf dem Pferde ritt, das meine Effecten trug. Letztre bestanden hauptsächlich aus Arzneien und Büchern, denn ich hatte mich aller übrigen Bequemlichkeiten und Bedürfnisse des gebildeten Lebens entschlagen. Eine starke Hungersnoth hatte in dieser Gegend seit bald zwei Jahren geherrscht. Auf dem ganzen Wege konnte ich kein Brod erhalten, und ich hatte daher für die ganze Entfernung bis Van einen Vorrath mit genommen. Mehrere meiner Reisegefährten kamen mit dem ihrigen zu Ende lange ehe wir am Ziele waren, und ich freute mich ihrem Mangel etwas auShelfen zu können. Im vorigen Jahre hatte ich auf dem gleichen Wege auch meinen Vorrath mitnehmen müssen, und viele Leute sagten mir, sie hätten seit zwei Monaten kein Brod gesehen. Die Leute lebten hauptsächlich von Kräutern, die sie mit Buttermilch oder Jugurt (saurer Milch) zu einer Suppe kochten; ihr Aussehm. war bleich und kränklich. Im laufenden Jahre war die HungerSnoth noch viel größer und Tausende, besonders in den Districten Musch