Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 4 (4.1842)
- Date
- 1842-04-01
- Page
- Seite 114 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4872516-5427214-5427324--1783-4874238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
114 Der Prophet Nahum. Zeiten die Umschiffung deS Caps der guten Hoffnung geleistet hat und in unfern Tagen die Landenge von Suez in den Händen der Engländer werden soll, das war für die Assyrer die Tigrisbrücke in Ninive. Die Brücke, über welche heutzutage die arme Bevölkerung jener Gegend, Kurden, Araber, Türken, Restorianer, Juden ihre Bodenfrüchte und ihr Obst nach Mosul zu Markte bringt, trug ehmalS die unermeßlichen Schätze des Großhandels mehrerer Welttheile, der in Ninive für seine weitauSlaiifenden Strahlen den einigenden Mittelpunkt gefunden hatte. »Du hast mehr Kaufleute als Sterne am Himmel sind», sagt Nahum zu Ninive (3,18.). Es läßt sich leicht denken, welcher Reichthum in dieser Stadt sich häufen mußte, und daß dieselbe in allen Künsten der Lebensverfeinerung und der Ueppigkeit daS Vorbild der andern Völker ward. Hierin liegt der zweite Theil der Schuld Ninive's (3, 4—7.). Man verstehe wohl; wir wollen nicht sagen, der Handel und Völkerverkehr an und für sich sei vor Gott verwerflich; das kommt unS nicht in den Sinn, aber hören müssen wir, wie das prophetische Wort die Ausartung desselben und die mißbräuchliche und sündliche Ausdehnung und Benützung rügt. Wenn zu Gunsten des eigenen Handelsverkehrs treulose und arglistige Ränke angesponnen werden, wenn das schmutzige Ziel, auS dem Ruin des Nachbars sich selber zu bereichern, heuchlerisch unter dem Mantel der Freundschaft und der allgemeinen Menschenliebe versteckt wird, wenn von dem Handelsvolke alle andern Völker nur betrachtet werden als Mittel zu dem Zwecke der Selbst« bereicherung, wobei alle die heilige Achtung aus de« Augen gesetzt wird, die Mensch dem Menschen, Volk dem Volke vor Gott schuldig ist, — so stellt sich eine