Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 9 (9.1841)
- Date
- 1841-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Da» Buch Henoch. »71 und der als Hauptgedanke durch das ganze Buch sich hindurchzieht, die Ankündigung der Gerichte GotteS über die abgefallenen Engel und gottlosen Menschen. AllrS andere ist > phantastische Hinzuthat und Ausschmückung. ES scheint daher wirklich, daß der schwärmende und träumende Verfasser alS alte Ueberlieferung nichts zur Hand gehabt hat, als die Nachricht: Henoch habe weissagend daS künftige Gericht GotteS angekündigt, und diese Ueberlieferung scheint ihm ungefähr in den gleichen Wotten Vorgelegen zu haben, mit welchen sie uns auch der Apostel in seinem Briefe mittheilt. Diesen, aus älterer Zeit überkommenen Stoff verarbeitete er nun, benutzte die allgemein verbreitete Sage von dem Geheimwiffen und den magischen Einsichten Henochs und wob aus diesem allem, mit Zuziehung von Träumereien, die er selbst hervorgebracht oder noch anderswo entlehnt, ein Gewebe zusammen, das als »Buch Henoch» unverdienter Weise durch ziemlich neunzehn Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag sich erhalten hat. Es stände demnach das Citat im Briefe des Juda unabhängig da von dem apokryphischen Buche*), und beide Verfasser hätten eine gleiche Ueberlieferung gekannt und benutzt, die ziemlich gleichlautend im 14ten und löten Verse der neutestamentlichen Epistel enthalten ist, und im Buche Henoch daS zweite Capitel und das Thema des ganzen schriftstellerischen Machwerks bildet. Nun bliebe blos noch zu fragen übrig, ob diese Weissagung Henochs als eine ächte Ueberliefe- »1 S« kann einige« Gewicht ,u Gunsten dieser Ansicht auch aus - den Umstand gelegt werden, daß Juda nicht »rin Buch» anführt, oder etwa sagt: «wie Henoch schreibt», sondern sein Litat ohne Be»richnung einer schriftlichen Quelle. am wenigsten eine« damal« bekannten Buche« beibringt.