Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 5 (5.1841)
- Date
- 1841-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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1§0 Tlunr der Dinge im Mvrgeniante. Bis jetzt hat, so viel man mit Sicherheit weiß, nur in einer Gegend des europäisch-türkischen Festlandes — von der Insel Kreta haben wir oben geredet — der Kampf zwischen den türkischen Herrschern und den unterdrückten Christen seinen blutigen Anfang genommen. Ueber die Einzelnheiten der betrübenden Vorgänge, welche statt gefunden haben, ist man noch nicht genauer unterrichtet. Man weiß nur, daß am 6. April die christliche Bevölkerung der bulgarischen Bezirke längs der Gränze von Serbien zu den Waffen gegriffen hat. Es hieß, sie wollten sich mit Vorstellungen unmittelbar an die Pforte wenden und erklären, daß sie nicht gegen die Autorität des Sultans, sondern nur gegen die Bedrückungen der Paschas sich aufgelehnt hätten. Doch scheint es, daß diese ihre Botschaft nicht nach Konstantinopel gelangt oder dort nicht angenommen worden ist, denn es erhielt Hussein, Pascha von Widdin, den Auftrag, den Aufstand in aller Eile zu unterdrücken. Dieser Hussein Pascha ist derselbe, der dem verstorbenen Sultan Mahmud die Janitscharen ausrotten half, und an dessen Namen blutige Erinnerungen kleben. Er hat das von der Pforte in ihn gesetzte Zutrauen auch diesesmal gerechtfertigt, und durch alle Maaßregeln der Strenge den Aufstand zu Boden geschlagen. Wenigstens sind die Insurgenten anseinandergetrieben und ihre Dörfer verbrannt worden. Ganze Distrikte sollen verödet sein, und diejenigen, welche der Grausamkeit des Pascha's entgingen, haben sich nach Serbien hinüber geflüchtet, oder irren in den Wäldern herum. Ob, wie behauptet wird, Spuren des Aufstandes sich auch in Makedonien und Thessalien zeigen, nud von welchem Umfange sie sind, wird erst die Zeit lehren. Den 15. Mai 1841.