Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 5 (5.1841)
- Date
- 1841-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Oer Prophet f)o|'ea. unfern Forderungen von äußerlicher Geziemendheit nicht wohl reimen lassen, und die dennoch damals nicht nur statt fanden, sondern auch kein Aufsehen erregten. Wenn, um nur eines der weniger auffallenden Beispiele anzn« führen, Jeremia (Cap. 27, 2.) ein hölzernes Joch mit den dazu gehörigen Riemen an seinem Halse trug (Cap. 12, 10.), um das politische Joch Babels und die Nothwendigkeit der Unterwerfung symbolisch darznstellen, so hat darin Niemand eine wunderliche und tadelnswerthe Handlung gesehen, während bei uns ein Lehrer der Wahrheit von vorneherein alles Zutrauen verscherzen und das entscheidendste Vorurtheil wider sich Hervorrufen würde, wenn er ans ähnliche Weise durch eine äußerlich auffallende Handlung seine Lehre nachdrücklicher und anschaulicher machen wollte. — Fest steht der Satz, daß nichts den allgemeinen sittlichen und religiösen Gesetzen zuwider laufendes von einem Propheten hat dürfen vorgenommen werden, aber wir dürfen nicht unsere Begriffe von änßerm Anstand ans die alte Zeit znrücktragen wollen. Schließlich wollen wir denen, welche, nm nicht die Wirklichkeit dieser Geschichte zuzngeben, zu einem blos visionären Vorgänge ihre Zuflucht nehmen, noch Eins zu bedenken geben. Eine Handlung, welche in der Wirklichkeit ausznführen unwürdig wäre, die wäre auch unwürdig in der prophetischen Vision. Wenn ich erkläre: das kann der Prophet nicht wirklich gethan haben, denn es wäre ungeziemend gewesen, — so trifft mein Tadel t(ie^ Sache, sie mag nun in Wirklichkeit oder nur in prophetischer Anschauung vor sich gegangen sein, und ich meistere in allewege die Eingebung des prophetischen Geistes als eine ungeziemende. Ja wir müssen sogar annehmen, daß ein Prophet, wenn ihm im Gesichte eine Zumuthung gekommen wäre zn einer Handlung, die er