Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 2 (2.1841)
- Date
- 1841-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Stand der Dinge im Morgenlande. marizza zurück gezogen. Nur die eroberten KüstenstLdte blieben besetzt, und namentlich Akre von den Engländern, welche dort eifrig bemüht sind, die von ihrem Geschütz zerstörten Befestigungen wieder herzustellen. Bei dieser Abwesenheit der europäischen Kriegsmacht trat es aber an den Tag, wie wenig Syrien im Stande ist, ohne kräftige RegkerungSgewalt zu bestehen. Für die aufgestandenen und befreiten syrischen Bevölkerungen ist die Fahne des Sultans nur das Vereinigungszeichen und das Banner, das man dem Ibrahim entgegenhält, aber Niemand fällt es im Ernst ein, für den Sultan kämpfen und die Wiederkehr der türkischen Herrschaft erringen zu wollen. Und daran mögen sie vollkommen Recht haben. Nicht nur aber sind sie durch kein Interesse für den Sultan vereinigt, sondern sie sind auch durch kein anderes unter sich verbunden. Es gibt überhaupt kein Band, welches die an Religion, Abstammung und Art so vielfach verschiedenen Völkerschaften Syn'enS zusammenhielte. Im Gegentheile, sie Haffen alle einander und mißtrauen sich gegenseitig. Nur die äußerste Gefahr kann sie daher auf einen Augenblick vereinigen, ist aber diese vorübergegangen, so löst sich alles in die wildeste Anarchie auf. So ging es diesen Winter in Syrien. Alle Bande öffentlicher Ordnung sind gelöst und es herrscht eine unendliche Verwirrung. Nimmt man dazu, daß selbst die verschiedenen Anführer in größter Uneinigkeit sind, so springt es in die Augen, daß nur ein starker Arm in Syrien wird Ordnung schaffen könne. Es ist die Anarchie in Syrien um so beklagenswerther, als dabei besonders auch die Christen zu leiden haben von dem wiedererwachenden Fanatismus der Muhammedaner, welche unter Ibrahims eisernem Scepter gezwungen gewesen waren tolerant zu sein. Auf der andern Seite hat dieser unglückliche Zustand die glückliche