Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 3 (1840)
- Issue
- 10 (10.1840)
- Date
- 1840-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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308 Ibrahim Pascha. haßt ist Ibrahim wo möglich noch mebr als Mehemed Ali. Dieser hat doch noch Anhänger, wenn gleich keine Freunde; Ibrahim aber hat nur Feinde, gefährliche Feinde, erbittert durch erlittene Mißhandlungen, durch seinen brutalen Hochmuth, seine Mißachtung alles Menschenwerthes, die selbst die Brust des langmüthigsten Türken mit Rachegedanken gegen ihn erfüllen. Die in ihm wohnende Menschenverachtung legt sich nur dann Zügel an, wenn er mit Ausländern zu thun hat, und auch diese Rücksicht der Politik, die er von seinem Adoptivvater gelernt, übt er erst seit seinem Mordjuge in Mo, rea und der dadurch veranlaßten Schlacht von Navarin (27. Oktober 1827). Ibrahim ist sehr reich. Er hat, außer den Erpressungen für seinen eigenen Beutel, in wenigen Jahren die Abgaben des armen Syriens, in Vergleich mit de, nen die es an die Pforte zahlte, mehr als vervierfacht. Sein System, wie das Mehemed Ali's, ist, allen Reichthum der Unterthanen zu vernichten, weil ein armes Volk leichter zu regieren sei als ein wohlhabendes. Hierdurch wird aller Handel gelähmt und der Druck unerttüglich. Die Gelderpressungen, welche er sich erlauben darf, weil Mehemed Ali nicht mehr zu widersprechen wagt, übersteigen alle GrLnzen, und mit der gleichen Willkür wird selbst über das bewegliche Eigenthum der Menschen verfügt. Pferde, Kamele, Maulthiere, Esel werden zu Tausenden in Beschlag genommen und nie wieder zurückgegeben. Man muß sehen, wie er gegenwärttg die Befestigungen von Acre baut, wohin nicht nur das Lastvieh aus dem ganzen Lande zusammengetrieben wird, sondern wo auch Arbeiter und Handwerksleute in großen Schaaren zum Frohndienst gezwungen werden, so daß man in