Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 1 (1838)
- Issue
- 11/12 (12.1838)
- Date
- 1838-12-01
- Page
- Seite 381 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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»81 «•n Judäa. I» fünf Stunden hatten wir diese erklettert, und kamen, herabsteigend, sodann an einer verlasse« nen Kirche und weiterhin nuten im Thal an bedeutenden Ruinen ehemaliger Klostergebäude vorüber. Mit Sonnenaufgang erreichten wir die nächste Höhe, — da öffnet sich dem Blick ein unermeßliches Leichenfeld von FelStrümmern, die vom Sturmregen der Jahrtausende zerrüttet und ausgewaschen, wie aufgewühlte Knochengerippe die ganze Hochebene, bis hart vor die Thore der heiligen Stadt, bedecken. Drei einsame Oelbänme in der weiten Steinwüste, und in der Ferne das olivenbekränzte Haupt des -velberges sind der einzige Trost der erloschenen Natur; sie sind wie die Taube mit dem Oelzweig nach der großen Wafferfluth. Donnerstag den 5. September 1833, »m sechs Uhr Morgens, erblickte ich die Zinne der Friedensstadt;*) sie war ganz von einem llchtgranen Nebelschleier umflossen, und über ihr hing eine Gewitterwolke von den Strahlen der Morgensonne durchbrochen; gleich als ob ein Zorngericht Gottes die Tochter Zion umwölkte.... Heiße Thränen waren der erste, wolle Gott nicht der einzige Tribut, den ich ihm darbrachte. Ich ließ mein Pferd dem Führer, und schritt langsam und wie ein Träumender zwischen den verschleierten Landfrauen, welche Trauben und Feldfrüchte zur Stadt trugen, durch das Pilgerthor. Die lateinischen Mönche im Kloster des 'Erlösers (St. Salvator) dem allgemeinen Hospitium (Herberge) der abendländischen Pilger, nahmen mich wie alle, die hier anklopfen, auf's liebevollste auf. Mein erster Gang war zur Kirche des heiligen Grabes, wo ich drei Tage und Rächte mit den Brüdern eingeschloffen blieb. Lateiner, Griechen, Kopten und Armenier halten hier ohne Unterlaß ihren Got- *) vitß bedeutet Jerusalem in der Grundsprache.