Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 1 (1838)
- Issue
- 11/12 (12.1838)
- Date
- 1838-12-01
- Page
- Seite 349 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4872516-5427189-5427232--0395-4872884- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
349 sucht es im Schilf de- Ufers. Auf dem Laude fühlt sich daS Nilpferd nicht so ganz zu Hause; es schreitet lang« sam und schwerfällig einher, und eilt sogleich dem Wasser zu, wenn es beunruhigt oder angegriffen wird. Im Wasser ist es in seinem Elemente, und kann da seine ganze Kraft entfalten. Eigentlich ist es ei» friedsameö Thier, aber wenn es gereizt wird, so sind vor seinem grimmigen Zorne weder Menschen noch Thiere mehr sicher. Seine Stärke ist außerordentlich, und wenn man ihm zu Leibe geben will, so wirft es Kähne und kleine Schiffe um und zertrümmert sie. Dieses geschieht, indem es heranschwimmt und mit seinen mächtigen Zähnen das Schifflein anpackt, oder, wo das Wasser niedriger ist, von unten das Boot auf den Rücken nimmt und überwirft. Wenn eS den ungeheuer« Kopf aus dem Wasser reckt, so bläst es das eingeschluckte Wasser aus den großen Nasenlöchern, wie gewaltige Springbrunnen in die Höhe. Dabei gibt es einen Laut von sich, den man dem Wiehern des Pferdes ähnlich gefunden hat, woher ihm auch der Name Nilpferd ist gegeben worden. Aber auch diese einzige Aehnlichkeit mit diesem Thiere ist nicht ganz treffend, wenigstens beschreibt ein neuerer Reisender (Ludwig Burckhardt, Reise nach Nubien) ^en Laut, den das Nilpferd hören läßt, als einen »durchdringend starken Ton, ähnlich dem Knarren eines gewaltigen hölzernen Thores". Da Flintenkugeln gegen diesen Riesen der Thierwelt nichts ausrichten, so legen ihm die Eingebor» nen Fallen und Gruben, aber das Thier ist klng und vorsichtig, so daß man viele List brauchen muß, um es zu fangen, und dann gilt es noch einen mörderischen Kampf bis cs den Menschen gelingt, diesem alten Oberhaupte der thienschen Schöpfung daS Leben zu nehmen.