Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 1 (1838)
- Issue
- 7/8 (10.1838)
- Date
- 1838-10-01
- Page
- Seite 245 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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sie auf, uns nach Jerusalem zu begleiten, wo wir Geld hätten; doch davon wollten sie nichts hören, sondern quälten uns wohl zwei Stunden lang, bis sie endlich des ver, geblichen Quälens müde wurden, und sich entfernten. Auf eine doppelte Weise hatten wir heute erfahren, daß die Wüste zwischen Jerusalem und Jen'cho jetzt noch unsicherer ist, als sie vielleicht in den Zeiten Jesu war, obgleich sie ihm schon damals Veranlassung gab, die Ge» schichte von dem barmherzigen Samariter zu erzählen. Zwar war es uns Beiden nicht so traurig ergangen, als jenem unglücklichen Reisenden, — denn auch die letzten Räuber hatten beim strengsten Nachsnchen mein Uhrtäsch» chen nicht entdeckt, — aber es kam uns auch kein barm» herziger Samariter entgegen, der uns den richtigen Weg nach Jerusalem gezeigt hätte. Diesen hatten wir leidet ganz verloren und wußten nicht, ob wir zur Rechten oder Linken gehen sollten. Die Sonne war untergegangen, und der Mond fing an sein mattes Licht über die Gebirge zu verbreiten, die vor uns lagen. Vergebens suchte der Offizier mittelst seiner Karte sich zu orientiren; wir blieben in der Irre, und wurden von Hunger und Durst, von Müdigkeit und Furcht gleich stark gefoltert. Dessen ungeacht aber faß» ten wir den Entschluß, die Nacht hindurch zu reisen, um die mit Räubern angefüllte Gegend vor Tages Anbruch hinter unfern Rücken zu bringen. Doch die uns immer steiler cntgegenttetenden Gebirge hemmten unsre Schritte, und jedes leise Geräusch durchzuckte unsre Glieder mit namenloser Furcht. Ein kleiner rauschender Fluß, wel, cher sich durch ein schauderhaftes Thal hinzog, versetzte uns in große Verlegenheit, und die jenseitigen Felsen, die sich wie verschiedene Gebäude formten, machten uns glauben, es stehe dort ein Dorf.