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Das Morgenland · 1838-07-01 · 2/3 (7.1838) · p. Seite 96

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Journal
Das Morgenland
Volume
1 (1838)
Issue
2/3 (7.1838)
Date
1838-07-01
Page
Seite 96 (sequence 66)
Language
German
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9« Aber hier berühren wir eben den schweren Gegettgrund, der sich ihm in die gegenseitige Wagschale legt, wenn die Gründe für den Krieg in der andern das Uebergewicht bekommen wollen. Die europäischen Mächte, das heißt namentlich Eng« land und Frankreich, rathen ihm ab vom Kriege, und zwar auf eine so nachdrückliche Weise, daß er offene Feindseligkeiten augenblicklich erwarten muß, wenn er den' RathscHlägen dieser beiden Mächte kein Gehör gibt. Eigentlich haben in früherer Zeit gerade dieselben Mächte dem Aufkommen Mehemeds freundlichen Vorschub gethan, jetzt aber befürchten sie, ein Kampf zwischen dem Sultan und dem ägyptischen Vicekönig führe nur dazu, daß die Pforte, zu schwach sich zu behaupten, von Rußland Hülse begehre. Wenn aber diese Macht anfinge in die morgenländischen Angelegenheiten mit ihrer starken Hand einzugreifen, so könnte Niemand voraussehen, wie die Sache enden möchte. Alle Staatsmänner Europas haben erkannt, daß die Zukunft dieses unsers Welttheils im Oriente liegt, und daß von der Gestaltung der Dinge in jenen östlichen Gegenden auch die Gestaltung unserer europäischen Verhältniffe abhängig ist. Die Länderstrecken zwischen dem Libanon und dem Sinai, zwischen dem Ril und dem Euphrat, sind die Brücke, welche hinüber führt zu den reichen Gebieten von Südasten. Wer soll diese Brücke besetzen? Die Augen aller Staatsmänner sind gegenwärtig dorthin gerichtet. Ueber kurz oder lang wird menschliche Klugheit und menschliche Macht, unter GotteS Zulassung und höchster Oberleitung, die immer dringender werdende Frage des Morgenlandes zur Entscheidung bringen, und für ganz Europa wird dasjenige folgenreich sein, was auf dem alten Heimathboden unserer Bildung und unseres Glaubens sich Neues gestaltet.

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