Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 1 (1838)
- Issue
- 2/3 (7.1838)
- Date
- 1838-07-01
- Page
- Seite 95 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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95 zu behaupten. Denn man darf nicht vergessen, daß es oft schwieriger und kostspieliger ist, in einem bewaffneten nnd verdächtigen Frieden sich z» halten, als einen offenen Krieg zu bestehen. Hiezu kommt aber noch, daß er im Frieden der Pforte nichts nchmen darf, aber im Kriege könnte er etwas erobern; entweder schöne Provinzen von Kleinasien oder eher noch das Gebiet von'Bagdad am Euphrat. Da würde seine Begierde ihr Ziel erreicht haben, wenn er nach Süden hinabherrschte bis zu goldreichen Gebirgen an der Negergränze, im Südosten über das glückliche Arabien, und im Osten und Norden bis Mesopotamien und Kleinasien hinein. Allerdings ein schönes Reich, das über die gesegnetsten Länder der Erde sich verbreiten und die wichtigsten Wasserstraßen der Welt beherrschen oder berühren würde. Aber auf solchen Umfang kann er seine Gränzen nicht ausdehnen, ohne sich unabhängig zu erklären, mit der Pforte zu brechen und auS den ihr abgenommenen Provinzen sein eigenes, neues Reich auszurunden. Endlich glaubt er, der mißtrauische Sultan lege ihm allerlei heimliche Fallstricke, er sei es, der unter der Hand die Drusen mit Waffen und Munition versorge, und andere dergleichen böswillige Künste treibe, wodurch die Macht Mehemeds solle untergraben werden. ES ist daher nach allem diesem begreisiich, daß dieser kriegerische und unternehmende Greis, ehe er sein altes Haupt niederlegt, noch gerne das Schwert gegen den Sultan zöge, ja vielleicht durch die Mißlichkeit der Umstände gezwungen werden kann, es zu thun, und auf neue Eroberungen auszugehen, um nicht die alten wieder zu verlieren. In der That hat er auch im Laufe dieses Sommerbei den europäischen Mächten im Stillen angeftagt, waS sie dazu sagen würden, wenn er sich unabhängig erklärte.