Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- Nr. 1 (April 1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu-gleich! Zeftgedanken eitue alten Artilleristen Süt Euch schwere Artilleristen ist „Zu-gleich" ein Zauberwort: Ihr seht im Geiste Euer Geschütz während der Kriegszeit int Sttafecnbred stecken, ein starkes Tau wird am Geschütz beseitigt, Ihr seht Euch mit den Kameraden am Tan > stehen, und das Geschütz wird aus dem Dreck herausgezogen. nach dem scharfen Kommandos „Zu-gleich!" Aber auch Ihr Vertreter der anderen Waffen habt im Felde -ort genüg ein Geschütz der sciuvereu Artillerie feitgefahren gesehen und hattet sicher Gelegenheit, mit anzupacken am Tan und gemeinsam mit Euren Kameraden von - der Artillerie das Geschütz wieder flott zu machen, angeseüert durchdas Kommando: „Zu-gleich!" Und Ihr, die Ihr zu alt wart, im Uelde zu sein, oder Ihr. die Ihr gern mit hinausgezogen wäret, aber zu jung wart, Ihr tonnt es Euch gewiß im Geiste vorstelleu, was es heißt, anzupackezi am Tau und, angespornt durch das Kommando, milzuzichcn. Nicht immer galt cs nur. unter harmlosen.Umständen das Geschütz aus desti Dreck zir holen, auf dem östlichen Kriegs ichauplatz. wenn es auf einer der vielen grundlosen, auf geweichten Straßen festgeiahreu war, oder im Westen, i» sumpfiger Gegend, wenn cs nur darum ging, das Geschütz vorwärts zu bekommen, damit es da war. wenn es später gebraucht würde. Es gab aucü andere Situationen.'in, denen es nötig war. . das Geschütz unter heiligstem feindlichen teuer herauszuziehen. Dann ging Alles ans Ta», was nur freigcmacht werden. konnte, da half nicht nur die dazu bestimmte Mannschaft, nein. Alles griff zu. selbst der Sanitäter oder gar der Küchen bulle. Auf dieieu sah man sonst wohl oft geringschätzig her unter, weil er nun einmal einen Posten hatte, auf dem er nicht so oft dem feindlichen Heuer ausgesetzt, war und aus dem er natürlich! auch nicht gerade zu hungern brauchte. Aber bei s o l ch e n Gelegenheiten durfte man auch ihn nicht mehr einen Drückeberger nennen, er stieg zur Gleichachtuug der Anderen auf und war nicht mehr ausgeschlossen von dem Fronlgcist, der Jeden als ganzen Kerl nahm, wenn er trotz Lebensgefahr sein Bestes hergab und nur an das eine Zauber worl dachte: Zu-gleich! , Es wäre ja auch unfaßbar gewesen, wenn in solcher Lage sich auch nur Einer gedrückt oder nicht mit aller Kraft am Tau gezogen hätte, er märe ja ein Tlerräter gewesen! j Und weil tden Alles ohne Unterschied am Tau stand,» nicht achtend mrf das mordende Feuer, sondern nur das eine Ziel halte, das Geschütz aus dem Dreck zu ziehen, beseelt von bety einhämmcrndtu Zuruf, d a mußte es gelingen. 'i. * » Und unser deutsches Vaterland? Stal es dennnicht auch im Grundlosen, bis Einer kam und Alle ans Tau rief, die es fertig brächtest, das Vaterland aus dem allettiefsten Dreck —zu ziehen, trotz Gefährdung des eigenen Lebens? — Aber es brauch heute tioch nicht ganz geschafft, zu tief stak unser Vater- , landnst Dreck. Es kann einfach nicht auf einen Buck geschafft werden:', deshalb ist cs notig, daß auch heute noch ein Jeder am TauVtnit anpackt. Auch 'Ihr. die Ihr „grundsätzlich" bereit seid. Eurem Vaterland zu helfen: Packt an und zieht mit ganzer Kraft! Und men» Euch noch der allerletzte Nuck fehlt: >.StcWt Euch nicht abseits, denkt nicht an die persönlichen Ein schränkstngcn, die Euch das Schicksal im Augenblick auferlegt, das zählt ja nichts im Vergleich zum Großen und Ganze». P a ck t a u! Z u - g l e i ch! Aber Euch, die weiterhin abseits stehen wollen, sage ich: „Schurken seid Ihr!" -Und Ihr, die Ihr wohl schon am Tau steht und es gepackt habt, aber noch nicht mit aller Kraft mitziehk: „Verräter seid auch Ihr!" Und Ihr schließlich, die Ihr durch Gegenziehen die Macht des helfenden, gewaltigen Ziehens aufhalten wollt. Euch wollen mir den Fußtritt geben, der Euch gebührt. | Meint etwa Einer, cs wäre lein Platz ,für. ihn am To!u? DH, Platz ist genug für Jeden, der nur will. Seht nur tzu. Ihr findet eine leere Stelle zum Anpacken! Man will Euch! nicht? Man sieht auf Euch geringschätzig herab? Denlt a» den Küchenbullen: solange er nicht mit. anpacklt, sah man ihn scheel an. aber wenn er Zugriff, dann war er Einer von uns. Und Ihr könnt zugreifen. Ihr sollt ja an einer freien Stelle anfassen. Euch mit aller Krsrft hineinlege», auf die Gefahr nicht achten, nur an das enie denken: Ziehen, ziehen, bis das Ganze aus dem Dreck gczogeir ist. „Z u - g l e i ch!" Dann wird man auch Euch ächten, dann werdet Ihr nicht mehr ausgeschlossen sein! Dann bekommt das Tan den äewaltigcn Ruck, durch den auch Ihr über alle Schwierigkeiten hinweggeschwungen werdet, dann gibt es kein Halten mehr, dann kommt Alles am Tau ins Laufen, ein Eegenzieheu gibt es nicht mehr, wer lose anpackt, wird überrannt. Doch wehe denen, die nicht ansassen, sic bleiben zurück und werden nicht ausgenommen in den Kreis derer, die unter dem faszinierenden Zauberwort arbeiten: Zu-gleich! Hört doch endlich auf uns, die wir immer aufrecht blieben, immer Zugriffen, auch wenn es schwer und gefährlich war. Wir denunzieren Euch? Das tun Menschen von Charakter gewiß nicht. Aber Ihr könnt nicht verlangen, daß wir Euch achten, wenn Ihr abseits steht, wo es auf Jeden ankomistt, dem Vaterfand aus dem Dreck zu helfen. Und Ihr könnt'auch nicht verlangen, daß wir nicht mit Fingern auf Euch zeigen, die Ihr Euch ewig anders und besser dünkt und darum berechtigt, die Gemeinschaft zu verraten. Also packt an und zieht mit, dann achten wir Euch: aber laßt es Euch gesagt sein: Rur ein zeitweiliges Anpacken und Wiederloslassen gibt es nicht. Wir Alle haben noch eine schwierige Arbeit am Tau zu verrichten, dazu gehört Ausdauer und stetige Kraft! Wir biedern uns an?' Der Küchenbulle, der richtig mit anpackte, biedert sich nicht an. der greift zu. weil er sich auf seine Pflicht besinnt, trotz aller Gefahr, und dadurch gewinnt er Achtung bei Allen, weil er nichts anderes tut, als das. was die Andern auch machen: Dem Vaterlandehclfen! Heute wollen wir Keinen mehr abseits stehen sehe», denn das Vaterland ist noch in großer Rot! Es kommt auf Jeden an! Ran ans Tau! Zugepackt! Mil ganzer Kraft chineingelegt! Trotz aller Gefahren und Hemmungen: Dem Vaterland geholfen! Ganz raub aus dem Dreck! Der schwierige Anfang ist ja schon gemacht! Jeder, der ein Deutscher sein will, hört nur aus das eine Kommando: „Zu-gleich! Zu-gleich! Zu-gleich!" B e r t h o l d L i ch t e n st e i n. Dieser unerfreuliche Anlaß bringt mrich zu einigem Nachdenken über die Hochschulirage. Eiste cs^ndsähliche Äenderung lut hier not. Nicht jeder darf in die Hoc^'chule ausgenommen werden, sondern eine scharfe-Auslese, die seeliicki-geistig und auch körperlich befähigt ist, einst zur FührerschichMzu gehöre Nicht mehr der Geldbeutel, sondern die Befähigung entscheidet, so daß auch Jungarbeiter Studenten werden können. Der Staat hat ein Interesse daran, sich eine Führerschicht zu er ziehen, und wird materiell die Universitäten und mittellosen Studenten unterstützen. Die studentische Selbstverwaltung muß ausgebaut werdest. Jeder muß sich als Glied der deutsche» Studentenschaft fühlen, als ein Tropfen Blut der alma innrer. Neben den wissenschaftlichen Vorlesungen körperliche - Arbeit, Körperkultur in stärkerem Maße. Tie Universitäten müssen wieder „Hoch"schulsn sein, immer mehr sich dem Vorbild der hellenischen Akademie nähern. Neben den speziellen Vorlesungen müssen zwangsweise allgemeine Vorlesungen für alle Fakultäten gehalten werden, damit die Studiker 'nicht vc n ersten Semester an mit ihren Fachscheuklappen heriunlaufen, die sie nicht wieder los werden. Alan vergißt zu schnell bei uns, daß die Wissenschaft zwar vielfach und kunstreich gegliedert, aber doch ein Ganzes ist. Das.Schwierigste ist das Verhältnis zwischen Dozenten und Studenten, das viel persönlicher gestaltet werdest muß. Zunächst eine gewisse Einschränkung des Hörerkreifes, Verstärkung der Seminare und Uebungen. Vor allem aber müssen die Professoren daran denken, daß sie nicht nur Fachleute, sondern Erzieher sind, daß die Vesten der Nation in ihre Hände gegeben sind, daß sic sie bilden sollen. Die Studenten aber müssen sich ihres Studententums bewußt sein, müssen als der geistige Adel der Nation Verantwortung tragen. Ich weiß nicht, ob ich .mit meinem Empfinden recht habe, dasz die Burschenschafter von 1817 und 1848 ganz andere Kerls waren, daß sie tatsächlich der Adel der Nation waren und danach lebten und handelten. Das Geldsackstudententum, das aus der Gründerzeit und der Wilhelminischen Epoche stammt, das vor allem in der philosophischen, aber auch in unserer juristischen Fakultät heraumläuft, muß raus. Die deutschen Unioersitäten müssen wieder Zicchtitältcn der Nation sein, Zellen und Keime des gr,oßdeutschen Gedankens. - i 26. September 1925. Jude und Deutscher widersprechen sich: man kann das eine oder das andere sein: denn beide fordern den ganzen Menschen, nicht abgezirkelte Teilgebiete. . . . Wir müssen das Iudesein, das ein Zufall der Geburt ist, tragen, nicht in der verächtlichgesinnungslosen Art eines Heine, sondern als unvermeidliches Geschick würdig, ohne Aufdringlichkeit, ohne besonderen Stolz, schlechthin als Männer. S l