Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- Nr. 1 (April 1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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w r-rj -T'T’ * -M ■«- -- "" ■ ■!' >U)»fllJ.J-!PM ■ 1 i Livzelnmmoer 20 Pfennig natimalöeutsthe Aröe Herausgeber: Verband ualioualdeulfcher Juden L. V. > S»schäf1«stell« de« Verbände« und Schfiftlettnug: Berlin W 35, Blvmerhos 9 Zspr.: B l Itnrfirff 062« Iahrg. HrtX Bankkonto: Martin Schiff, Maren« Nelken & Tos n, Berlin W », ZLgerstr. 0 . Postscheck: Berlin Nr. I NÄl m |9JJ* Aus dem Inhalt: Ghettofchulen in keines ^s««n! von Ltudienrat Lurt Gfner —J Gesinnung von Günter ^olzmalnn — Lebt Au»if<henfeld? — Deutsche Saatt Unseren Kämpfern rDid) reut mein allzuspät erkanntes Amt! Mich reut die Stunde, die nicht Harnisch trutz, Mich reut, daß mir zu schwach das Serz geflammt! Mich reut der Cag, der keine Wunde schlug! Mich reut, «dsß ich in meine Lehden Mit schärfren Streichen nicht und trat . Mich reut — ich beicht' es mit zerknirschtem Sinn — kühn'rer Cat! Daß nicht ich Sutten stets gewesen bin. Conrad FcrdinanchfDcyer (au» „Die Leichs"). ... Zwei Völker Ton Max Naumann Wer eine wirklich dauerhafte Lösung der deutschen Judenfrage wünscht, muh das Seine tun, um zu verhindern, dah die Erörtenmg auf ein falsches Geleise abaeschobeii wird. Die Tatsache, dah zwischen Juden und Juden zu unterscheiden ist, war unseren nichtjüdischen deiitlchen Volksgenossen stets geläufig. Die bekannte Redensart, dah jeder noch so öerbissene Antisemit einen „Hausjuden" habe, auf den er nichts Kommen lasse, ist seit Jahrzehnten im Umlauf. Während der stürmischen Ereignisse des Jahres 1933 «W das Wissen um diesen Unterschied bei einem Teil des geraschen Volkes verschüttet worden. Seither gibt es nichtiüdische Deutsche, die auä, jetzt noch nicht wieder gelernt haben. Zwischen Juden und Juden zu unterscheiden. Aber die Mehrzahl hgt es , inzwischen ’ wieder gelernt. Nur wird das Merkmal Der Unterscheidung vielfach falsch formuliert. Man spricht meist von den Unterschieden zwischen „anständigen" und „nicht abständigen" Juden. Diese Unterscheidung dürfen -wir nativ raldeutschen Juden nicht als die entscheidende hinnehmen, denn gerade durch sie wird der Schwerpunkt des Problem» verlagert: Anständige Juden gibt es selbstverständlich unter den A »gehörigen aller Gefühlsrichtungen, unter den Zionisten eberso wie unter den Zwischenschichtlern und unter den. nationcloeutschen Juden. Und das Gleiche gilt von den nicht anstänaigdit Juden. Zäme es nur auf das sogenannte gute Staatsbürgiertum an. so wäre diese Unterscheidung ausreichend. Man wüfde dann nur mit den unanständigen Juden so zu verfahren brauchen, wie mit den unanständige» Nichtjuden, und alles wäre in bester Ordnung. Der Fehler dieser Betrachtungweise liegt darin, dah es heute nicht mehr nur auf das gute Staatsbüraertum, nicht mehr nur auf die „Anständigkeit" o »er „Unanständigkeit" des Einzelnen ankommt, sondern darauf, wie der Einzelne sich zur Gesamtheit., zur Volksgemein» schaft stellt. Die Zeit, in der es ausreihte, „untertan zu fein der Obrigkeit", ist endgültig oder doch ür absehbare Zeit vorüber. Wir wissen heute, dah ein Volk i ur dann imstande ist. seinen Platz in der Welt zu behaupten oder, wie es gerade für das deutsche Volk gilt, diesen Platz wieder zu erringen, wenn es auch gefühlsmähig eine Einheit darsteltt, wenn' cs nicht nur durch sachliche Erfüllung der Bürgerpflichten, sondern durch den Willen zum Gemeinnutz, der in der Tat vor Eigennutz geht, zusammengehalten wird. Durch diese Erkenntnis hat sich auch die Auffassung darüber, wer ein Voltsschädling ist. in gewisser Hinsicht verschoben. Es gibt selbstverständlich Taten des Unrechts, die heute wie früher,, voin Standpunkte der allgemeingültigen Sittrngesetze betrachtet, schlechthin „unanständig" und damit untragbar stnd. Aber dgneben stehen Handlungen, die -als Unrecht oder doch als schweres Unrecht nur solange . gelten durften, wie das Jndividual-PÄnzip herrschend war, während andererseits heute die Erkenntnis sich durchgesetzt hat, dah Taten, die man früher leichtnehmen zu dürfen glaubte, als Schädigung des Bolksganzen viel schwerer bewertet werden müssen. Gerade bei den Erörterungen der Judenfrage, die in den alljüdischen Blättern, Versammlungen usw. stattfinden, wird heute noch ständig an diesem Punkt oorbeigeredet. Man versteht immer nochmicht oder will nicht verstehen,, dah die „Anständigkeit" im früheren Sinne nicht ausreicht, um den Einzelnen zu einem brauchbaren Mitglied der Volksgemeinschaft zu machen, dah auch nicht einmal so das- Entscheidende tetan wird, indein man im Sinne der oft zitierten Talmudtorschrift den ' Staatsgesetzen gehorsam ist. Und der gleiche Denkfehler tritt auch heute noch bei Nichtjuden zutage, die früher gewohnt waren und heute schon wieder auf dem Wege sind, die Juoenfrage unter dem Gesichtspunkt der sogenannten Toleranz zu betrachten. Ich wage die Behauptung, dah diese heute schon wieder aufkeimende Neigung zur „Toleranz" eine gröhcre Gefahr ist. als die Verständnislosigkeit. mit der andere Deutsche noch Seute der gesamten Judenfrage gegenüberstehen. Duldsamkeit edeutet ausgeprägtes Bewußtsein des Andersseins, gepaart nur mit dem mehr oder weniger ausgeprägten Willen, aus diesem Bewuhtsein keine weitgehenden Folgerungen zu ziehen. 1