Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 2. Sondernummer (Juli 1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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i Dunleischwätzer und Geschichtenträger, die in keiner Marschkolonne fehlten: sie . haben noch mehr gesckmdet. als die in der Ocffentlichkeit' als Politiker und Literaten >eternden „Defaitisten". Gerade gegenüber diesen Kleinen wircn wir Führer fast machtlos, aber wir spürten mit jedem Tage stärker die Wirkung ihrer Auflösungsarbeit, wir sp irtcn die sgstematische Unterhöhlung des Siegerwillens, der tets das Fundament der Siege war und in alle Ewigkeit f in wird. Wir wissen nur zu gut. dah unser deutsches -Volk, nc chdem cs mehr als vier Jahre einer Welt von Feinden widerstanden lzatte, schließlich dem unerschöpflichen Ucbermasz des!Aenschen- und Kriegsmaterials ler Anderen unterlegen ist. Um doch ist es unser unerschütterlicher Glaube, das; es trotz all M hätte anders kominen können, ja müssen, wenn es unserer Führnng damals gelungen wäre, der Miesmacher in unserei eigenen 'Reihen Herr zu werden. Es ist ungemein,bezeichnend^ das; heute ein hervorragender und hervorragend ehrlicher '.Anführer der nationalen Erhebung sich vor der breitesten Oeffmtlichlei» gegen diese gleichen Spaltpilze wenden' «nutz: dix seit dem Kriege zwar mehrfach die Farbe, aber niemals,des Wesen gewechselt haben. Und es ist nicht minder biezelckinend. das; .es diesmal unzweifelhaft keine „Fremdstämmigm" s ud. gegen die sich der Mahnruf richtet, sondern wasche hte sl genannte Arier, die gerade aus ihrem für drei Generat onen geprüften Akierlnm - das Recht ableiten, dürfen,' in dn'Rclhen der nationalen Kämpfer selbst-zu wühlen und mi szumstchen. sich zersetzend und negativ zu'betätigen, während, die national deutschen Süden, die nichts brennender wünsäen. ,ats in den gleiche» Reiben positiv für da; Deutschtun mi z^a'b.itcn. vorerst noch gezwungen sind, abseits zn -stehen. Aber noch etwas anderes ift bezeichnend und fiufichlusj' reich. Das iii dem Erlas; des Ministers nit sprachlicher Selbstverständlichkeit verwendete Wort „Mies uachcr? stammt aus dem Iudendeutsch. aus jenem „Rotwä sch", pus den; die deutsche Umgangssprache eine Fülle von. 2 nsdrülken über , nommen hat. darunter viele, deren Ursprung heile kaum einen; der Vielen, die diese Worte ganz uibefaimen aus sprechen, bewuszt ist. Und der geschichtliche Vorgang. durch den diese Ausdrücke in die deutsche Sprache übergfngcn. ist nicht minder interessant: er eröffnet autzcrord nitlich lehrreiche Ausblicke auf die deutsche Gegenwart und die deutsche Zukunft. Es gab einmal in Deutschland eine Zeit. in der tas ganze Layd von straff organisierten Räuberbanden unüche: genmcht wurde. Lessings dramatisches Iugendwerk „Die Silken". nach des Verfassers eigener Angabe, im Fahre 1, 19' „ci rfcrttflt". bedeutet trotz seiner literarischen Wertlosigkeit für uns gerade in dieser Hinsicht ein wertvolles kulturgeschichtliches Eckenntnisinittel. Unter den 'Räuberbanden des 18. Sazrhnnterts,. von denen dieses Rotwälich als - sozusagen Geschcftssprache ausgebildet wurde u;kd aus denen 'es in die deutsche Volkssprache eindrang, war ein unoerhältnismäsiig großer Prozentsatz von Süden, wohlverstanden nicht etwa -inr al; Hehler. Kundschafter oder dergleichen, sondern als höchst kämpferische Wegelagerer. wie übrigens' auch, was als Parallele: wiederum reizvoll und bedeutsam ist. unter den Gangsters des „trockenen" und gegen seine Sude» nie sehr frelmdlichc» Amerika von gestern und auch noch von hente ein verhältnismäßig sehr hoher Prozentsatz jüdischer Gewalt nienscheu zu finden ist. Der Schlüssel, zu di ser Erscheinung, die viele» Deutschen merkwürdig unbekannt ist- > nd deren Feststellung deshalb iminer wieder überraschend wi nt. findet sich leicht. Die Süden des 18. Jahrhunderts warn; „Luftinenscheu". wie;nan im zaristischen 2iußland der Vorkricgszeit sagte, sie waren „rechtlos und echtlos", sie stauten außer halb-der Volksgemeinschaft ihres sogenannten W rtsvolkes. Sie waren in wirtschaftlicher Hinsicht, in gewissem Sinne noch immer besser daran, als es die deutschen ^uden von hente oder inorgen sein sollen, wenn es nach icm Willen der konseauenteiten Gleickschalter geht, denn >ie hat en ihren Rückhalt in; Ghetto und konnten immerhin leben, ja ogar sich kräftig bereichern, wen» sic ihr Geschäft verstanden und das alles unter dem -chutze der für sie zuständigen Sta rtsgewtalt. Aber es gab eben schon damals unter den Juden nicht Wenige, die ihrem Wesen nach für Sichere; und Talmudlefen nicht geschaffen waren, die sich nicht im Ghetto zuhaule fühlten, sondern unter den körperlich tätigen Menschen außerhalb der Sudengassen. deren Blut danach schrie, wie je»e Andren handfeste und selbst gefährliche Arbeit zu leisten. Inn erhalb der ' Ghcttomanern konnten sie diese Arbeit naht finden »nd azu,erhalt) der Mauern gleichfalls nicht, wenigsten; nicht in gesetzmäßiger und ehrenhafter Form. Bguxrn. .Handwerker und Soldaten durften sie nicht sein. Eeldoerleiher und 'Alt kräiner zu sein widersprach ihrem innerster Wesm. — so brachen sie aus und wurden Straßenränder«. Man must dies wisse», um zu verstehen, warum in Lessings „Süden" sich die beide» „arischen" Gauner durch schwarze U »häng Härte als Sude» maskieren. Und man muh es auch aissen, oenn man sich ernsthaft die Föage vorlegti was aus der heutigen jungen Generation der deutschen Juden, diesem kufth rngrigl n. körperstolze». sportgestählten Geschlecht junger Menschen werden soll, die als Deutsche auftzewachsen sind und die tzente non einem Tage zum anderen sich überall ausgeschaltet sehen, wiederum wie vor zweihundert Jahren rechtlos und echtlos. zstdem aber heute auch noch wirtschaftlich zum gröhten Teilej ohne jede Juki; lftsaussicht. Wir wissen, und d;e verständigen Nichtjude» wissen es auch, dah man nicht alle diese jungest Menschen ins 'Kurland abschieben kann, wie es harmlose Gpmüter sich nianc>si«l vorstellen. Auch die winzige englische Kolonie Palästina, zu der nur wenigen 'Auserwählten mit >festen Anstelluagsverlrägen oder mit je 1003 Pfund Sterling in der Tasche der Zugang offen steht, kann nicht das ZnkuiFtsland dieser deistschgeborenen und deutschempfindende» Stigend sein, selbst wenn sie selbst es wünschte, was Gott fei Dank nur für Wenige gilt. Was also soll die Zukunft sein? 28,11 das deutsche Volk cs wirklich dahin treiben, dah fin neuer Lkssing von 1949 oder vielleicht schon von 1939 ein neues Inden- und Räuberspiel „verfertigen" kann? : Wir sind überzeugt, das; die Mehrheit des deutschen Volkes es nicht dahin kommen lassen will und dah vor'allcm die mahgebendcn Führer die Unmöglichkeit dieser Entwickelung sehr genau erkennen, dah sie ihr Deutschland, unser Deutsch land, nicht einer Gefahr werden aussehen wollen, die sicherlich gröhcr ist, als die Verhältniszahl der in Deutschland lebenden Süden zur deutschen Gesamlbevöllerung.- das, sie auch aus Gercchtigkcitsgründen ein derartiges'Ergebnis. nicht wollen. Man ist in der Führerschicht grwis; davon überzeugt, das; man zur, rechten Zeit die 'Bewegung, die heute, getade wieder hente, aus einer an Schlagworten erhitzten und >d»rch den 'Betätigungsdrang Nachgeordneter Funktionäre geschürten Volksstimmung kommt, abfangen und eine dem In- und 'Auslände, vor allem aber dem eigenen Wissen und Gewisse» gegenüber wertbeständige Lösung finden wird. Spricht man über diese Frage mit ruhig und verantwortungsvoll denkenden Nalivnalioziaiisten,. so hört man immer wieder das Wort: „Ihr müht noch Geduld haben." Aber an diesem Punkte schaltet sich ein Gefahrfaltor ein, der wiederum auf die Micsmacherfrage hinausläust. Und in diesem Falle sind es nicht mir die nicht jüdischen, -sondern auch die jüdischen Miesmachcr.I aus deren Gebaren die Gefahr erwächst. Sn einem, von jeden; Standpunlte aus sehr lesenswerten 'Buche dreier 'Ausländer, das sich ausdrücklich „an die Gebildeten unter den- Gegnern de? Nationalsozialismns" wcirdct «„Nationalsozialismus vom 'Ausland gesehen" von Gardiner, 'Broderscn und 'Wnier. Verlag „Die Runde", 'Berlin 1933), hciht es: „Setzt herrscht noch Kannst. Aber vielleicht rührt dessen gegenwärtige Härte aus der tiefinneren Verwandtschaft der Streitenden her", und dann folgen Verse von Stefan George: „'Blond oder schwarz, demselben Schoh cntsprungne 'Berlannte Brüder, suchend euch und hassend, Ihr immer schweifend und drum nie erfüllt!" Man kann das Kernproblem nicht treffender kennzeichnen, als durch diese Prosa- und Dichlungsworte. Selbst auf einem scheinbar so banalen Gebiete, wie dem der Miesmacherei, zeigt sich dic<„tiefinncre Verwandtschaft der Streitenden". Nichtjüdische und jüdische Miesnmcher arbeiten einander in die Hände, beide Gruppen gcwih aus ehrlichen; und vermeintlich zwingenden; Empfinden fteraus, und von beiden Seiten her zermahlen sie das, was wir 'Alle heute am dringendsten brauchen, den deutschen Zu k» n f t s w i l l e n. Beide sehen die 'Vorgänge, die sich im Wirkungskreise der natsonalen Erhebung abspielen, von verschiedenen Blickpunkten, aber beider 'Blicke treffen sich im Punkte einer Hoffnungslosigkeit, die nicht austomme» darf, wenn Deutschland nicht zugrunde gehen soll. Die nichtjüdische» Miesmacher nörgeln, weil noch nicht in ein paar Wochen oder Monaten ein politischer und wi>r1schaftlicher Idealzustand erreicht ist. weil sich äuhere und innere Widerstände. zeigen, die der kleine Nörgler nicht begreift, und man sucht nach alter deutscher Sitte den Sündenbock: man findet ihn natürlich in vielerlei Gestalt, aber in letzter Linie ist es doch stets der eigene Führer, der nicht die Zauberkrait besitzt, jeden Widerstand in Sekundenschnelle zu brechen. Und nicht viel anders sehen es die jüdischen Miesmacher. Ihnen mag man niildernde Umstände bewilligen, weil sie heute in erster Linie der leidende Teil send und weil der Gedanke, das; nur die vertrauensvolle Hingabe an die gröhere Kraft und Einsicht eines ganz erdgebunden-menschlichen. keineswegs messianischen Führers die Masse aus den Niederungen ziehen kann, im Laufe einer vielhundertjährigen Kette von Erniedrigungen unter ihnen niemals recht lebendig geworden ist. Das Ergebnis ist auf beiden Seiten das gleiche." Man ist verzweifelt, überreizt, niedergedrückt, enttäuscht, gleichviel wie die Schattierung sein mag. jedenfalls zerreibt man von Anbeginn jeden Ansatz zu kraft- und planvoller Zukunftsarbcit, jedenfalls findet man nicht das eine Wort, das allein den Schlagbaum vor den; Weg zum Erfolge zertrümmern lann: Sch will! Man debattiert in Deutschland gern und viel und imnier ist es irgendeine „Frage", von deren Lösung alles abhängen soll. Für die Nichtjnden ist es die Sudenfrage oder die Marristenfrage oder irgendeine andere, für die Juden ist es die Antisemilenfrage oder irgendeine, die anders heißt, aber schließlich dasselbe bedeutet. Alle diese Fragen mögen be-